In Denver werden die Quarterbacks gerne an der lebenden Legende John Elway gemessen. Der holte einst zweimal in Folge den Titel in die Mile High City am Fuß der Rocky Mountains. Seither lief es für die Broncos nicht mehr allzu gut. Elways Nachfolger wurden entweder weggeschickt oder scheiterten beim Versuch, das Team zurück in den Kreis der Titelanwärter zu führen.
Der Starting-Quarterback zu Saisonbeginn hieß in Denver Kyle Orton. Mit dem 29-Jährigen holte die Franchise nur einen Sieg in fünf Spielen. Seither spielt nun der fünf Jahre jüngere Tebow. Und seither geht's auch aufwärts. Trotz der keineswegs spektakulären Spielweise Tebows reichte es auch am Donnerstag wieder zum Sieg.
Gegen den AFC-Rivalen avancierte Tebow zu dem Comeback Kid, das sein Trainer Elway einst war. Dank seiner Laufstärke, nicht dank seiner Pässe. Gut eine Minute war noch übrig auf der Uhr, als sich der Spielmacher zu seinem achten Run in diesem Spiel aufmachte - und nicht mehr stoppen ließ. Nach 20 Yards hatte er die Endzone erreicht und wurde von seinen Mitspielern beinahe erdrückt. 17:13 - die finalen Versuche der Jets brachten keine Wende mehr.
Der Slalomlauf erhöhte sein Konto auf 68 Yards, soviele wie kein anderer der Spezialisten zusammenbrachte an diesem Abend.
"Ich liebe es zu siegen, aber ich wünschte mir, es würde nicht so stressig sein", gestand der Matchwinner, der sein Team mit dem letzten Drive über 95 Yards und damit fast über das komplette Spielfeld geführt hatte. Dazu gehört Nervenstärke, allein das Laufvermögen des gerne als "Full Back" verspotteten Tebow reicht da nicht.
Auf den ersten elf Drives hatte er zuvor nur 80 Yards per Pass zu Stande gebracht (achtmal musste Denver per Punt übergeben), im letzten Drive gingen 92 der 95 Yards auf Tebows Konto! Und er streute auch Pässe ein, brachte drei von fünf an den Mann und überbrückte auch hier immerhin 35 Yards.
"Wir haben ihn den ganzen Abend mächtig unter Druck gesetzt, aber im letzten Moment versagt", ärgerte sich der Star-Cornerback der Jets, Darrelle Revis. "Tebows Beine haben Denver den Sieg gebracht."
Der letzte Moment war ein dritter Versuch der Broncos an der 20-Yard-Linie - noch vier Yards bis zum First Down. Ein Flitzer gab den Teams Zeit, die Taktik zu bedenken. Bis die Sicherheitskräfte den Mann gestellt hatten, verging rund eine Minute. Die Jets entschieden sich für einen massiven "Blitz" gegen Tebow. Der erkannte die Situation jedoch und reagierte glänzend. Er umtanzte Safety Eric Smith auf der linken Seite, zog nach innen und schob seine 107 Kilogramm Richtung Endzone. "Damit hat er mich geschockt", so Revis. "Damit hat er wohl jede Menge Menschen geschockt."
Gästecoach Rex Ryan selbst war nicht überrascht: "Man rechnet damit, dass er in dieser Situation den Ball in der Hand behält. Aber er lief zum Touchdown. Er ist ein Wettkampftyp und immer gut für Big Play." Schlecht für Ryan und seine Mannschaft. Die Jets kassierten ihre fünfte Saisonniederlage und stehen nun bei 5:5. Platz eins in der AFC East (New England, 6:3) ist nun schon ein gutes Stück entfernt. Denver indes hat in der engen AFC West mit 5:5 nun beste Chancen auf den Sieg. Derzeit führt Oakland mit 5:4, hinter den Broncos lauern die San Diego Chargers und die Kansas City Chiefs mit jeweils 4:5.
| Heim | Gast | Erg. | ||
|---|---|---|---|---|
Denver | - | NY Jets | 17:13 | |
Miami | - | Buffalo | 35:8 | |
Washington | - | Dallas | 24:27 OT | |
Baltimore | - | Cincinnati | 31:24 | |
Minnesota | - | Oakland | 21:27 | |
Cleveland | - | Jacksonville | 14:10 | |
Green Bay | - | Tampa Bay | 35:26 | |
Detroit | - | Carolina | 49:35 | |
St. Louis | - | Seattle | 7:24 | |
San Francisco | - | Arizona | 23:7 | |
Atlanta | - | Tennessee | 23:17 | |
Chicago | - | San Diego | 31:20 | |
NY Giants | - | Philadelphia | 10:17 | |
New England | - | Kansas City | 34:3 | |