"Es ist merkwürdig. Ich habe gedacht, die Serie muss irgendwann reißen. Doch die vierte Medaille in Serie - das ist nicht schlecht. Wenn das so bis zum Karriereende weitergeht. Natürlich ärgere ich mich und bin nicht glücklich. Wer verliert schon gerne ein Finale?" Nicolas Limbach wusste am Ende nicht so recht, ob er sich freuen oder ärgern sollte.
Die Freude sollte überwiegen, denn wie im Vorjahr bei seinem zweiten Platz in Paris bescherte der Dormager dem Deutschen Fechter-Bund (DFeB) die erste WM-Medaille, zudem ist es bereits sein viertes WM-Edelmetall in Folge. 2007 in St. Petersburg holte er Bronze, 2009 in Antalya wurde er Weltmeister, im vergangenen Jahr gab es in der französischen Hauptstadt Silber. Doch auch in der Stunde seiner Niederlage zeigte er Größe. Kein debattieren, kein Frustschrei - nur eine feste Umarmung für seinen Gegner.
Auch Sportdirektor Manfred Kaspar lobte die Serie Limbachs: "Das ist schwindelerregend. Das war der richtige Impuls für die ganze Mannschaft."
Vor dem Finale war Limbach der Schrecken der Gastgeber gewesen. Bei seinen Siegen im Halbfinale gegen Luigi Tarantino und im Achtelfinale gegen Giampiero Pastore (je 15:12) bezwang er teilweise unter Pfiffen der Zuschauer die italienische Säbelmannschaft fast im Alleingang. Ehe im letzten Gefecht sein Gegner jubelte. Eindrucksvoll hatte Limbach den Tag bereits begonnen. In der ersten Runde fegte er in nur 31 Sekunden den Australier James Walsh 15:3 förmlich von der Planche. Auch sein Vereinskollege und EM-Dritte Max Hartung gefährdete Limbach beim 15:10 nicht ernsthaft.
"So ein Duell wünscht man sich eigentlich im Halbfinale", sagte Verbandspräsident Gordon Rapp. Der schon zuvor Grund zum hadern hatte, denn in der ersten Runde hatte es ein erstes deutsches Duell gesehen, das der Dormagener Benedikt Wagner 15:6 gegen Björn Hübner aus Tauberbischofsheim gewann. Danach war für Wagner die WM nach der Niederlage gegen den Weißrussen Dimitri Lapkes aber auch beendet. Im Achtelfinale ließ sich Limbach weder von seinem italienischen Gegner Pastore, dem ihn auspfeifenden Publikum noch von einer Reihe mutmaßlicher Fehlentscheidungen des Obmanns aus der Ruhe bringen, ehe im Viertelfinale auch der Ungar Aron Szylagyi beim 15:10 das Nachsehen hatte.
Am Mittwoch stehen die Einzelwettbewerbe im Herrendegen und Damensäbel auf dem Programm. Dort ruhen die Hoffnungen vor allem auf Europameister Jörg Fiedler (Leipzig), der bei der EM in Sheffield erstmals überhaupt eine Einzelmedaille bei einem Großereignis gewann.
Im Damenflorett war für Anja Schache, Sandra Bingenheimer und Katja Wächter in der zweiten Runde Schluss. Schache unterlag der Amerikanerin Lee Kiefer 8:15, Bingenheimer verlor gegen die viermalige WM-Dritte Aida Mohamed aus Ungarn 12:15. Die Olympia-Achte Wächter verpasste beim 7:15 gegen Europameisterin Elisa di Francisca (Italien) eine Überraschung. "Ich kann nicht sagen, dass ich unzufrieden bin. Die Gegnerinnen waren schon Hausnummern. Unsere Aufmerksamkeit liegt auf der Mannschaft am Freitag. Eine Medaille ist dort schon unser Ziel", so Bundestrainer Lajos Somodi.
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