"Ich habe eben von hintenraus in den Wettkampf gefunden", sagte Bartels mit einem Augenzwinkern. "Ich bin als Fünfter der europäischen Bestenliste angereist, von daher ist es voll okay."
Der ehemalige Junioren-Weltmeister David Storl belegte mit 20,57 Metern Rang fünf. "Ich bin voll und ganz zufrieden", sagte der 20 Jahre alte Chemnitzer. Auf die Wachablösung im deutschen Kugelstoßen muss Storl aber weiterhin warten: Im 24. Aufeinandertreffen der beiden lag Bartels zum 22. Mal vor ihm.
Für den 32-jährigen Bartels war es die zweite Bronzemedaille bei Europameisterschaften. Auch bei Weltmeisterschaften kam er zweimal auf den dritten Rang. Sein größter Erfolg war der Gewinn der Europameisterschaft in Göteborg 2006.
Miknevich feierte seinen größten Erfolg nach dem WM-Sieg von 2003 und der olympischen Bronzemedaille von 2008. Majewski brach nach dem letzten Versuch in Tränen aus, nachdem er um einen Zentimeter Gold verpasste.
Sie reiste als Europas Schnellste an und ging mit der Bronzemedaille. Carolin Nytra musste sich über die 100 Meter Hürden in 12,68 Sekunden der neuen Europameisterin Nevin Yanit (12,63) aus der Türkei und der Irin Derval O'Rourke (12,65) geschlagen geben. Durch die zweitbeste Zeit ihrer Karriere sicherte sich Nytra ihre erste Medaille bei einem internationalen Großereignis. Nadine Hildebrand aus Stuttgart belegte in 13,08 Sekunden den achten und letzten Platz.
"Natürlich hat man mehr erwartet, aber es ist eine Medaille, von daher bin ich zufrieden", sagte Nytra. "Vor dem Finale war ich super-zuversichtlich."
Ausgerechnet im Finale gelang der Bremerin, die danach von ihrem Freund, dem derzeit verletzten Weitsprung-Hallen-Europarekordler (8,71 m) Sebastian Beyer in den Arm genommen wurde, kein optimaler Lauf. Sogar mit einer Hürde kam sie in Berührung. "Ich war so konzentriert auf das Rennen, dass ich garnicht weiß, wo ich mir das dicke Knie geholt habe. Es tut weh", wunderte sich Nytra, die irgendwo angeeckt sein musste.
Auch der Verlust ihres Maskottchens konnte Jennifer Oeser nicht aufhalten. Im Siebenkampf landete die Leverkusenerin mit starken 6683 Punkten auf dem Bronzerang. Neue Europameisterin wurde Weltmeisterin Jessica Ennis aus Großbritannien mit 6823 Punkten vor der ukrainischen Olympiasiegerin Natalja Dobrynska (6778).
"Mir wurde verboten, mein Schwein mit in den Innenraum des Stadions zu nehmen - Sauerei!", beschwerte sich Oeser über die restriktiven Anweisungen der Wettkampfleitung. Ihr geliebtes Plüschschwein ist ihr Maskottchen bei allen Wettkämpfen.
Doch der fehlende Glücksbringer fiel nicht weiter ins Gewicht: In vier Disziplinen verbuchte sie persönliche Bestleistungen, ihr Top-Resultat der letztjährigen WM steigerte sie nochmals um 190 Zähler.
"Wahnsinn, auch mit dieser Punktzahl. Wahnsinn, dass dann so etwas dabei rauskommt", jubelte Oeser. "Es ist eine Genugtuung, auf diesem Niveau mithalten zu können. Jetzt bin ich motiviert für die nächsten Jahre."
Auch zwei andere DLV-Starterinnen erreichten jeweils eine persönliche Bestleistung: Maren Schwerdtner aus Hannover als Neunte (6167) und die Frankfurterin Claudia Rath als Elfte (6107) freuten sich über ihre bislang größten Erfolge.
Seinen bisher besten Wettbewerb lieferte Speerwerfer Matthias de Zordo ab. Der Saarbrücker erzielte mit 87,81 Metern eine neue persönliche Bestleistung und holte Silber hinter dem Superstar Andreas Thorkildsen. Der Norweger verteidigte mit 88,37 Metern seinen Titel von Göteborg 2006.
"Eine EM auf so hohem Niveau habe ich noch nie erlebt", sagte de Zordos Trainer Boris Henry. Sein 22 Jahre alter Schützling war in diesem Jahr zum ersten Mal deutscher Meister geworden.
"Ich brauch' noch ein paar Tage, um das zu fassen. Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll", sagte de Zordo im ARD-Interview. "Ich bin heute Morgen aufgestanden, die Beine waren schwer und ich dachte: es geht gar nichts. Aber es war super zu werfen."
"Matthias ist ein absoluter Wettkampftyp, im Training wirft er gerade einmal 75 Meter", sagte Henry. "Im Wettkampf gibt er nicht 100, sondern 150 Prozent." Und de Zordo, dessen Namen auf die Herkunft seines italienischen Vaters verweist, hat noch viel vor. Der Sportsoldat will die 90,44 Meter seines Trainers Boris Henry toppen.
"Ich will der erste Linkshänder der Welt werden, der im Speerwurf 90 Meter übertrifft", kündigte de Zordo an, dessen Motto "Nur wer das Unmögliche möchte, kann das Mögliche erreichen" lautet.
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