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30.07.2010, 22:17

Einmal Gold, zweimal Silber und einmal Bronze

Heidler krönt deutschen Medaillenregen

Vize-Weltmeisterin Betty Heidler sorgte am 4. Tag der Leichtathletik-EM in Barcelona mit 76,38 Metern für die dritte Goldmedaille für den DLV. Die Mission Gold der deutschen Stabhochspringerinnen ist indes gescheitert, dennoch ist die Freude groß. Denn Silke Spiegelburg und Lisa Ryzih sprangen aufs Treppchen. Spiegelburg schnappte sich Silber, während Ryzih mit persönlicher Bestleistung Bronze einheimste. Nur die Russin Svetlana Feofanova war in Barcelona nicht zu stoppen.

Betty Heidler
Goldig: Betty Heidler holte die dritte Gold-Medaille für den DLV in Barcelona.
© picture-allianceZoomansicht

Hammerwerferin Betty Heidler hat die dritte Goldmedaille für die deutsche Mannschaft gewonnen. Die 26 Jahre alte Frankfurterin siegte am Freitagabend mit Jahresbestweite von 76,38 Metern vor Titelverteidigerin Tatjana Lysenko aus Russland (75,65) und der Weltrekordlerin Anita Wlodarczyk aus Polen (73,56). Für Heidler war es nach ihrem WM-Sieg 2007 der zweite große Titel ihrer Laufbahn. Bereits im Vorfeld hatte sie ihre Ambitionen unterstrichen und eine Medaille angekündigt. Nun wurde es Gold, auf das Heidler sogar ein Auge geworfen hatte. "Auf diesen Sieg hatte ich spekuliert", meinte die Europameisterin.

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Heidler hatte im Wettkampf alles im Griff. Im zweiten Durchgang warf sie 75,92 Meter und übernahm die Führung. Als sich die Ex-Weltrekordlerin Tatjana Lysenko (Russland), die bereits wegen Dopings für zwei Jahre gesperrt war, im vierten Versuch auf 75,65 Meter steigerte, setzte Heidler noch eins drauf und steigerte ihre Saisonbestmarke im fünften Durchgang auf 76,38 Meter.

Schlangen sorgt für die dicke Überraschung

Für die wohl größte Überraschung aus deutscher Sicht sorgte der Berliner Carsten Schlangen, der zum bisher größten Erfolg in seiner Karriere kam. Über 1500 Meter rannte der 29-Jährige nach einem taktisch klugen Rennen in 3:43,52 Minuten zu Silber, nur der Spanier Arturo Casado war besser (3:42,74). Im Fotofinish verwies Schlagen den zweiten Spanier Manuel Olmedo (3:43,54) noch auf Rang drei. Als zweiter DLV-Starter war Moritz Waldmann aus Hannover bereits im Halbfinale ausgeschieden.

Silber und Bronze für Spiegelburg und Ryzih

Lisa Ryzih
Persönliche Bestleistung und Bronze: Lisa Ryzih schreit ihre Freude heraus.
© picture-allianceZoomansicht

Auf dem Montjuic von Barcelona holte sich Stabhochspringerin Silke Spiegelburg ihre erste "große" Medaille und gewann EM-Silber. Die 24-jährige WM-Vierte aus Leverkusen übersprang 4,65 Meter und landete ebenso auf dem Siegerpodest wie die frühere Junioren-Weltmeisterin Lisa Ryzih, die mit erst 21 Jahren dank persönlicher Bestleistung auf Platz drei sprang.

Nur die 30-Jährige Russin Svetlana Feofanova war besser als das deutsche Duo und sicherte sich dadurch ihren zweiten EM-Titel nach dem Erfolg 2002 in München. Die zehnfache Weltrekordlerin meisterte 4,75 Meter und beerbte dadurch ihre Landsfrau Jelena Issinbajeva, die 2006 in Göteborg Europameisterin geworden war, derzeit aber eine "schöpferische Auszeit" nimmt.

Eine große Enttäuschung erlebte dagegen Carolin Hingst, die mit 4,72 Meter als Europas Beste angereist war, dann aber nur 4,35 übersprang - Platz elf. "Ich bin völlig ratlos. Irgendwie bin ich überhaupt nicht mit der Anlage zurechtgekommen", sagte die völlig konsternierte Olympia-Sechste von Peking.

Die Ausgangslage war vor dem Finale sehr gut für die deutschen Athletinnen. Hingst (4,72 Meter) und Spiegelburg (4,71) waren als Europas Beste angereist, die langjährige Dominatorin Issinbajeva macht eine Pause, während Weltmeisterin Anna Rogowska (Polen) wegen einer Fußverletzung gefehlt hatte. Doch Stab-"Seniorin" Feofanova ließ den Goldtraum der Deutschen zerplatzen und gewann nach 2003 endlich wieder einen Titel. "Svetlana war souverän. Aber auch bei mir lief es am Anfang noch sehr gut. Leider konnte ich am Ende nicht ganz meine Leistung abrufen", zollte Spiegelburg der Siegerin Respekt.

Oeser peilt die Medaillenränge an

Unterdessen befindet sich die WM-Zweite Jennifer Oeser im Siebenkampf auf Medaillenkurs. Nach den vier Disziplinen am Freitag rangiert die 26-jährige Leverkusenerin mit 3841 Punkten hinter Weltmeisterin Jessica Ennis (Großbritannien/4080) und Olympiasiegerin Natalija Dobrinskaja (Ukraine/3970) an dritter Stelle. "Ich werde alles geben, um meinen Platz zu halten oder weiter nach vorn zu kommen", gab sich Oeser zufrieden und kämpferisch zugleich.

Die Hannoveranerin Maren Schwerdtner dagegen liegt vor dem zweiten Tag mit 3644 Punkten auf dem achten Platz. Claudia Rath belegt mit 3579 die 12. Position. "Ich bin überhaupt nicht zufrieden, ich habe mir das anders vorgestellt", sagte die enttäuschte Rath.

Jennifer Oeser
Auf Medaillenkurs: Am ersten Tag lief es gut für Jennifer Oeser.
© picture-alliance

Nach ihrem zweiten Platz bei der Heim-WM in Berlin, als sie beim 800-Meter-Lauf gestürzt war, steht Jennifer Oeser stärker unter Druck, was ihr zu schaffen macht: "Ich gehe nicht mehr so unbefangen da rein", sagte sie. "Wie kann ich es toppen, Silber nach einem Sturz zu gewinnen." Deshalb würde sie sich auch schon "riesig" über EM-Bronze freuen. Derzeit sieht es gut aus, über die 100 Meter Hürden erzielte sie mit 13,37 Sekunden eine persönliche Bestleistung und die zweitschnellste Zeit aller Teilnehmerinnen. "Endlich habe ich die 14 geknackt, Gott sei Dank", sagte sie glücklich.

Im Hochsprung überwand die Polizeiobermeisterin 1,83 Meter, ließ aber im Kugelstoßen Punkte: Mit 13,82 Meter verfehlte sie ihre Bestleistung (14,29 Meter) deutlich. Dafür war sie über 200 Meter wieder zur Stelle und lief mit 24,07 Sekunden so schnell wie noch nie zuvor. "So eine Zeit hätte ich mir nicht träumen lassen", jubelte Oeser danach. "Nun voller Angriff, es ist eng, aber ich bin gut drauf."

Im britisch-ukrainischen Zweikampf um den Titel dominierte bislang Ennis. Die 24-Jährige hatte die besten Resultate im Hürdensprint mit 12,95 Sekunden, im Hochsprung mit 1,89 Meter und auch über 200 Meter in 23,21 Sekunden. Dobrinskaja entschied dagegen das Kugelstoßen mit 15,88 Metern für sich.

30.07.10
 
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