
"Sowas ist unglaublich. Dass ich Europameisterin bin, ist so ein Wahnsinn. Ich freue mich schon so sehr, die Hymne zu hören", entfuhr es Verena Sailer mit der deutschen Fahne auf den Schultern, als sie nach dem Jubel über ihren überraschenden Siegeslauf bei 0,6 Metern Gegenwind ihre Worte wieder gefunden hatte. "Das ist unglaublich. Es ist wahnsinnig, es ist so Wahnsinn", schrie sie außer sich vor Freude nach dem Triumph im Olympiastadion von 1992.
Bereits im Halbfinale deutete die aus dem bayerischen Illertissen stammende Sailer ihre Stärke an, als sie in 11,06 Sekunden so schnell lief wie noch nie zuvor. Doch der zu starke Gegenwind vereitelte eine offizielle persönliche Bestzeit. Diese hob sie sich dann für das Finale auf.
Im Endlauf bewies sie auf den letzten Metern Stehvermögen gegenüber Mang und gewann auf dieser Distanz das erste deutsche 100-Meter-Gold seit Katrin Krabbe im Jahr 1990 und das siebte überhaupt.
Die gebürtige Allgäuerin hatte ihre Qualitäten schon 2009 als Dritte der Hallen-EM von Turin und bei der Berliner WM unter Beweis gestellt. Dort war die damalige Sportmarketing-Studentin im 100-Meter-Halbfinale schnellste Europäerin und schnellste Weiße zugleich.
Auch den Verantwortlichen beim Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) fiel ein Stein vom Herzen. "Eine Medaille im Sprint ist etwas ganz Besonderes. Das ist historisch", freute sich DLV-Präsident Clemens Prokop.

Und nur wenig später konnte Prokop eine weitere Gold-Medaille bejubeln. Im Speerwerfen der Frauen triumphierte Linda Stahl in neuer persönlicher Bestweite von 66,81 Metern. Für die Medizinstudentin war es die erste Medaille überhaupt.
"Ich hatte Glück, einen rauszuhauen. Mit fast 67 Metern konnte ich aber nicht rechnen. Es ist ein unglaubliches Gefühl. Gleich nach meinem Wurf habe ich noch nicht realisiert, wie weit der Speer flog. Ich habe das alles nicht erwartet", meinte Linda Stahl. "Ich bin so glücklich, mit Christina auf dem Podium zu stehen."
Die Leverkusenerin überflügelte nicht nur die favorisierte Weltmeisterin und Olympiasiegerin Barbora Spotakova aus Tschechien, die in 65,36 Metern Dritte wurde, sondern auch Obergföll. Die Olympiadritte sicherte sich mit 65,58 Metern die Silbermedaille.
"Endlich die erste EM-Medaille. Auch wenn ich von der Weite her meine Erwartungen nicht erreichen konnte", meinte Christina Obergföll, die 2006 beim Speertriumph von Steffi Nerius in Göteborg Vierte geworden war. Obwohl Obergföll damit ihre zweite bittere Niederlage binnen kurzer Zeit hinnehmen musste, konnte sie sich über silbver so richtig freuen. "Was für ein schöner Abend", jubelte sie. Bei den deutschen Meisterschaften wurde sie unlängst von Katharina Molitor entthront. Die Leverkusenerin wurde in Barcelona mit 63,81 Metern Vierte.
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