51,5 Sekunden Vorsprung hatte die von Geburt an blinde Top-Sportlerin vor der zweitplatzierten Russin Michalina Lysova.
Dabei hatte es vor den Spielen nicht rosig ausgesehen, im Vorfeld war die Anspannung groß gewesen. Ein Unfall im Januar 2009 hatte die Fortsetzung ihrer Karriere in Frage gestellt. Verena Bentele kämpfte aber, kehrte zurück. Schon nach dem goldenen Auftakt von Whistler zeigte sie sich überglücklich: "Das ist ein ganz toller Tag. Extrem toll. Für mich ist das eine richtig grandiose Geschichte."
Höfle überschlug sich am Donnerstag mit Superlativen, als er nach seinem siebten Platz im Zehn-Kilometer-Rennen nur Lob für seine Kollegin übrig hatte. "Das ist super, das ist genial. Wie sie sich vorbereitet hat, wie alles passt bei ihr und Thomas Friedrich - super." Ihre paralympische Gesamtbilanz bisher: elfmal Gold, zweimal Silber, zweimal Bronze!
Sie selbst zog sich lieber zurück. Es war ihr wohl ganz angenehm, die Blumen-Zeremonie ersten Interviews vorziehen zu dürfen. Der ganze Trubel nach den Goldmedaillen im Biathlon-Jagdrennen und im 12,5-Kilometer-Wettbewerb der Ski-Jäger sowie der erste Triumph im 15-Kilometer-Langlauf (freier Stil) schien ihr über den Kopf zu wachsen.
Sie räumte ein, sie wäre unruhig gewesen, so dass der 40-jährige Thomas Friedrich sie mehrfach beruhigen musste. Am Ende flossen Tränen der Freude, als sie erstmals den "langen Kanten" im Langlauf gewann. Am Abend zog sie sich dann zurück, ließ die abendliche Medien-Runde im Deutschen Haus aus. Nach dem abermaligen Sieg am Donnerstag hat sie alles richtig gemacht. Der Verband zeigt sich stolz: "Verena läuft derzeit in einer anderen Liga. Und man kann sich nur fragen: Wer soll sie derzeit noch schlagen", sagte Friedhelm Julius Beucher, Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS). Und Deutschlands Chef de Mission Karl Quade ergänzte: "Verenas Laufleistung ist einfach überirdisch, gigantisch."
Eine Medaille gab es auch für Andrea Eskau aus Bergheim. Sie gewann Silber mit dem Ski-Schlitten im Fünf-Kilometer-Rennen. Einen Tag nach Biathlon-Bronze über 10 Kilometer ließ die querschnittgelähmte Diplom-Psychologin nur der Weißrussin Ljudmila Wautschok den Vortritt.
Der sehbehinderte Gerd Gradwohl aus Kempten konnte seinen Gold-Coup von Turin zwar nicht wiederholen, für Bronze reichte es bei der Abfahrt hinter dem Spanier Jon Santacana Maiztegui und Mark Bathum aus den USA dennoch. Platz drei war es am Ende auch für Andrea Rothfuß, die in der Abfahrt Lauren Woolstencroft aus Kanada und der Französin Solene Jambaque den Vortritt lassen musste. Es war nach zweimal Silber bereits das dritte Edelmetall für Rothfuß.

Dagegen ging der deutsche Fahnenträger Frank Höfle (Isny), mit 13 Goldmedaillen im Biathlon und Langlauf der erfolgreichste deutsche Behindertensportler im nordischen Bereich, zum Abschluss seiner Karriere leer aus. "Ich hätte mir natürlich ein anderes Ende meiner Karriere gewünscht. Aber vielleicht hätte ich auch früher aufhören sollen", sagte der 42-Jährige nach seinem siebten Platz im 10-km-Langlauf der Sehbehinderten. Gold gewann der für Olympia nominierte, dort letztlich aber nicht gestartete Kanadier Brian McKeever.
"Das war mein schlechtestes Rennen der letzten Jahre, ja vielleicht sogar meiner Karriere. Ich kann mich jedenfalls an kein schlechteres erinnern", erklärte Höfle, der sich selbstkritisch zeigte: "Normalerweise hätte Platz drei rausspringen müssen. Ich weiß nicht genau, was der Grund war, aber vielleicht war es mein katastrophaler körperlicher Zustand. Ich war ja fast schon als Touri unterwegs." Einziger positiver Aspekt sei, dass er das Rennen nicht mehr analysieren müsse.
Rang fünf blieb derweil Tino Uhlig aus Baiersbronn über dieselbe Distanz in der stehenden Klasse. Der fünfmalige Paralympics-Sieger Thomas Oelsner (Hallenbeck) lief beim Sieg des Japaners Yoshihiro Nitta nur auf Platz 21.
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