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11.03.2010, 20:10

Pressekonferenz am kommenden Montag

Experten entlasten Pechstein

Die unter Dopingverdacht stehende Eisschnellläuferin Claudia Pechstein bekommt von wissenschaftlicher Seite kräftig Rückenwind. Experten der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) wollen am kommenden Montag (15. März/11.00 Uhr) im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin nach eigenen Angaben "die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse im Fall Claudia Pechstein" vorstellen.

Claudia Pechstein
Kein Doping-Vergehen? Claudia Pechstein wird durch Blut-Experten entlastet.
© picture allianceZoomansicht

Dabei will Gerhard Ehninger, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie, sowie seine Professoren-Kollegen Winfried Gassmann aus Siegen und Wolfgang Jelkmann aus Lübeck den Beweis führen, dass Pechsteins Zwei-Jahres-Sperre aus medizinischer Sicht haltlos ist.

"Bei Frau Pechstein wurden Veränderungen des roten Blutbildes gefunden, die nicht zu Doping passen und mit großer Wahrscheinlichkeit für eine angeborene Störung im Aufbau der roten Blutzellen sprechen", erklärte Ehninger am Donnerstag der Online-Ausgabe der "Süddeutschen Zeitung".

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"Diese Formstörung (Sphärozytose) liegt in einer leichten Form vor und führt zu einem erhöhten Zellumsatz mit kürzerer Überlebenszeit. Die Erhöhung der Retikulozyten - der frisch aus dem Knochenmark ausgeschwemmten roten Blutzellen - ist Ausdruck der gesteigerten Blutbildung und nicht durch Doping bedingt", erklärte der Chefarzt für Blut- und Krebserkrankungen an der Technischen Universität Dresden.

Pechstein war aufgrund ihrer erhöhten Retikulozyten-Werte am 1. Juli 2009 von der ISU rückwirkend für zwei Jahre gesperrt worden, der Internationale Sportgerichtshof CAS hatte im Berufungsverfahren das Urteil am 25. November 2009 bestätigt. Auch mit ihrer Beschwerde vor dem Schweizer Bundesgericht war Pechstein gescheitert und hatte damit ihre sechsten Olympischen Spiele verpasst.

Der Befund Sphärozytose kommt bei weniger als einem Prozent der Bevölkerung vor. "Im Gegensatz zum Doping mit Epo sind die kleinen Erythrozyten bei Sphärozytose mit einer normalen Menge des Blutfarbstoffs Hämoglobin beladen, was zu einer erhöhten Konzentration führt", sagte Ehninger. Der entsprechende Messwert sei bei Pechstein erhöht - dies sei für die Sphärozytose typisch, aber eben nicht für Doping mit EPO.

Jelkmann, der schon als Gutachter im Fall Pechstein tätig war, folgert nun: "Nach der medizinischen Faktenlage hätte Frau Pechstein freigesprochen werden müssen. Aus ihren Messwerten der vergangenen zehn Jahre lässt sich Doping mit Epo oder analog wirkenden Substanzen nicht belegen. Im Gegenteil, viele Messwerte widersprechen eindeutig einem Blutdoping." Jelkmann listet zudem insgesamt 15 Fehler im Cas-Urteil auf.

11.03.10
 
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