Die New York Giants stellten einmal mehr ihre Auswärtsstärke unter Beweis. "The Big Blue" siegte am Sonntagabend (MEZ) im Raymond James Stadium bei den Tampa Bay Buccaneers mit 24:14. Für die Giants war es der erste Play-off-Sieg seit 2001, als sie im Super Bowl XXXV den Baltimore Ravens mit 7:34 unterlagen. Damals ebenfalls in Tampa. Zugleich war es der erste Auswärtssieg in den Play-offs seit 1990, Quarterback Eli Manning feierte seinen ersten Sieg in der Postseason.
Dabei begann die Partie gut für den Super-Bowl-Champion von 2003, Earnest Graham brachte die "Bucs" mit seinem Touchdown im ersten Viertel in Führung. Doch danach lief für das Team von Trainer Jon Gruden nichts mehr. Drei Tochdowns - zwei davon durch Brandon Jacobs im zweiten Viertel - sowie ein Fieldgoal von Lawrence Tynes brachten die Giants mit 24:7 in Front. Im Schlussabschnitt konnte Axel Smith nur noch Ergebniskorrektur betreiben.
Damit haben die Giants erneut ihre Auswärtsstärke unter Beweis gestellt. Seit der Auftaktniederlage bei den Dallas Cowboys (35:45) am 10. September 2007 haben sie sieben Partien in Folge in der Fremde gewonnen. Der Erfolg bei den Buccaneers war nun der achte Streich. Die Cowboys sind also trotz ihres Heimsieges vor vier Monaten gewarnt.

Im abschließenden vierten Spiel standen sich die beiden AFC-Kontrahenten San Diego und Tennessee gegenüber. Die Chargers nutzten bei Regen ihr Heimrecht nach einer schwachen ersten Hälfte und gewannen mit 17:6. 13 Jahre nach ihrem letzten Play-off-Sieg durften die Kalifornier um Star-Running-Back und Liga-MVP von 2006, LaDainian Tomlinson, wieder einmal jubeln. Dabei trug Tomlinson von der Titans-Abwehr wirkungsvoll gebremst nur 42 Yards Raumgewinn zum Sieg bei. "Es war nicht leicht, aber ich bin überglücklich und erleichtert über diesen ersten Erfolg", sagte "LT". "Aber das heißt jetzt nicht: Okay, wir haben gewonnen, also fertigmachen für die Niederlage!"
Am Sonntag treffen die Chargers mit sieben Siegen in Serie im Rücken in Indianapolis auf den Titelverteidiger. Der Vergleich beider Teams unter der Runde endete mit 23:21 für Gastgeber San Diego. Ein denkwürdiger Tag für Colts-Spielmacher Peyton Manning, unterliefen ihm damals doch gleich sechs Interceptions - "Bestwert" in seiner erfolgreichen Karriere.
Nach einem 0:6-Rückstand zur Pause - Titans-Pro-Bowl-Kicker Rob Bironas hatte aus 30 und 44 Yards getroffen - drehten die Chargers am Sonntag den Spieß spät im dritten Viertel um, als Quarterback Philip Rivers (19/30, 292 Yards, 1 TD, 1 INT) aus 25 Yards Entfernung seinen Teamkollegen Vincent Jackson fand, der zum 10:6 vollendete. Tomlinson machte mit einem kurzen Touchdown-Lauf später alles klar. Die Titans, geleitet von Quarterback Vince Young (16/29, 138 Yards, 0 TD, 1 INT), hatten in der Offensive zum wiederholten Mal in dieser Saison große Probleme.
Im Heinz Field in Pittsburgh sahen die Gäste aus dem Norden Floridas lange Zeit wie der klare Sieger aus, ehe sich die Steelers entschieden, die Partie doch nicht einfach abschenken zu wollen. Quarterback Ben Roethlisberger hatte sich im ersten Abschnitt drei Interceptions geleistet, und von einem wirkungsvollen Laufspiel konnte ohne den verletzten Willie Parker (Beinbruch) nicht die Rede sein. "Big Ben" glänzte im dritten und vierten Viertel, erzielte zwei Touchdown-Pässe und führte Pittsburgh nach einem 10:28-Rückstand wieder heran. Und als Parker-Ersatz Najeh Davenport mit einem 1-Yard-Lauf die Endzone erreichte und für das 29:28 sorgte, schien das Viertelfinale erreicht.
Jacksonville hatte noch sechs Minuten Zeit - und schlug noch einmal zurück. Allerdings war der letztlich entscheidende Spielzug umstritten. Spielmacher David Garrard (9 von 21 Pässe erfolgreich, 140 Yards Raumgewinn, 1 Touchdown, 2 Interceptions), nicht gerade als wendiger Läufer bekannt, durchbrach die Abwehrreihen der Steelers bei einer "Vierter-Versuch-und-2"-Situation und stieß über 32 Yards bis zur 11-Yard-Linie vor. 37 Sekunden vor Schluss war es ein leichtes Spiel für Kicker Josh Scobee, mit einem 25-Yard-Field-Goal die Partie endgültig zu drehen.
Pittsburghs Abwehrrecke Larry Foote klagte über ein nicht geahndetes Foulspiel der Jaguars-Offensive-Line bei Garrards langem Lauf durch die Mitte des Feldes. Die Schiedsrichter-Crew hatte es anders gesehen und den Gästen die hervorragende Position für den siegbringenden Kick nicht mehr genommen.
Entsprechend geknickt waren die Hausherren, die vor zwei Jahren unter "Big Ben" noch zum großen Wurf ausgeholt und den Super Bowl gewonnen hatten. "Ich kann es nicht glauben, ich bin schockiert und schäme mich für meine Leistung", sagte Roethlisberger (29/42, 337 Yards, 2/3) nach dem Spiel selbstkritisch. Jacksonville ist nach diesem Samstag wohl der schlechthin Angstgegner in Pittsburgh. Bereits am 16. Dezember hatten die "Jags" im Heinz Field gewonnen (29:22), sie sind damit die erste Mannschaft seit 75 Jahren, die zweimal in einer Spielzeit in Pittsburgh siegen konnte.
Die Jaguars treffen nach ihrem ersten Play-off-Sieg seit acht Jahren nun auf Topfavorit New England oder Titelverteidiger Indianapolis. Für die Steelers endete eine durchwachsene erste Saison unter Headcoach Mike Tomlin mit einer bitteren Play-off-Heimniederlage.
Selbiges konnten die Seattle Seahawks verhindern - obwohl der Gegner Washington Redskins hieß. Die Hauptstädter hatten durch einen furiosen Saisonendspurt und dank der Schwächen der Konkurrenz den Play-off-Zug im letzten Moment noch erreicht. Der Tod ihres Safetys Sean Taylor, der vor einigen Wochen einem Raubmord in Miami zum Opfer fiel, gab den "Rothäuten" zudem ein gehöriges Maß an Kampfgeist und Leidenschaft mit auf den Weg. Und so sahen einige Fachleute Washington als "die große Unbekannte" in den Play-offs an, der ein Lauf bis zum Super Bowl am 3. Februar in Glendale, Arizona durchaus zuzutrauen sei.
Nichts war's. Nach einem verrückten Spiel, das Seattle zwischenzeitlich aus der Hand gegeben hatte, stand ein klarer Sieg für die von Quarterback Matt Hasselbeck (20/32, 229 Yars, 1 TD, 2 INT) geleiteten Seahawks. Mit 13:0 waren die Raubvögel aus dem Nordwesten der USA in den vierten Abschnitt gegangen, nachdem Leonard Weaver mit einem 17-Yard-Lauf sowie Josh Brown mit zwei Field Goals die Redskins-Abwehr hatten knacken können. Doch dann trat Redskins-Spielmacher Todd Collins (29/50, 266 Yars, 2 TD, 2 INT) auf den Plan. In weniger als zweieinhalb Minuten fand er Antwaan Randle El und Santana Moss, dazwischen lag eine Interception des nach Taylors Tod als Free Safety agierenden LaRon Landry. Es stand plötzlich 14:13 für die Gäste, die Zuschauer im Qwest Field waren konsterniert.
"Ich hab auf die Anzeigentafel geschaut und konnte es nicht fassen", sagte Seattles Defensive End Darryl Tapp. "Aber man darf in so einer Situation nicht aufgeben." Die Seahawks beherzigten dies und drehten den Spieß wieder um. Drei Touchdowns folgten - die letzten beiden nach Collins-Interceptions - und schraubten die Heimbilanz auf 8:1. Seattle muss nun freilich auswärts ran, bei den Green Bay Packers um Routinier Brett Favre. Vor vier Jahren flogen die Seahawks dort nach Verlängerung durch eine Hasselbeck-Interception raus.
Die Gäste zeigten sich nach Spielende reichlich zerknirscht. "Ich kann nicht glauben, dass es aus ist", meinte Linebacker London Fletcher. ''Es schien so, als ob unser Weg bis zum Super Bowl vorgezeichnet sei."
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