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22.01.2007, 08:50

NFL, Conference Finals: Colts holen großen Rückstand auf

Manning steht wieder auf

Was für ein Spiel! Das Finale der American Football Conference (AFC) im RCA Dome von Indianapolis erfüllte die Erwartungen der 57.000 Zuschauer und des Millionenpublikums an den Fernsehschirmen voll und ganz. Die Colts holten sich den Titel durch einen 38:34-Comeback-Win gegen die favorisierten New England Patriots und fordern nun im Superbowl am 4. Februar in Miami die Chicago Bears heraus.

Glückliche Helden: Dallas Clark (li.) und Ben Utecht.
Glückliche Helden: Dallas Clark (li.), mit 137 Yards bester Receiver der Colts, und Ben Utecht tanzen gemeinsam ins Glück.
© dpaZoomansicht

Die Bears hatten zuvor im Endspiel der National Football Conference (NFC) die New Orleans Saints mit 39:14 klar in die Schranken verwiesen und den NFC-Titel gefeiert. In Indianapolis herrschten im Gegensatz zum Soldier Field in Chicago hervorragende Bedingungen. Logisch, das Spiel fand schließlich unter dem Hallendach statt. Die Stimmung war zu Beginn hervorragend, auch wenn zunächst die Patriots den Ton angaben. Offensive-Line-Spieler Logan Mankins gelang in der Startphase das Kunststück, sich ein Fumble in der Endzone der Colts zu sichern und die Gäste mit 7:0 in Führung zu bringen.

NFL, Play-offs
Traumziel: Superbowl
Peyton Manning
Mannings große Chance

Peyton Manning hat den Ruf, in wichtigen Spielen zu versagen. Auch im AFC-Finale gegen die New England Patriots stand der 30-jährige Star-Quarterback der Indianapolis Colts anfangs stark unter Druck und machte Fehler. Doch am Ende führte er sein Team mit einem Touchdown-Pass und einem -Lauf zum 38:34-Sieg über die Gäste aus Foxborough.
© dpa

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Also war zunächst einmal Colts-Star-Quarterback Peyton Manning gefordert, um das Spiel der Hausherren in die richtigen Bahnen zu lenken. Der 30-jährige große Bruder des New-York-Giants-Spielmachers Eli weist hervorragende Statistiken auf, hat jedoch auch den Ruf, in wichtigen Spielen zu versagen. Dies galt es nun zu widerlegen. Doch erst einmal lief alles gegen Manning. Nachdem sein Teamkollege Adam "Mr. Perfect" Vinatieri, ehemals Patriots-Kicker, auf 3:7 verkürzt hatte, brach Corey Dillon mit einem 7-Yard-Run durch die Reihen der Colts-Abwehr und erhöhte im zweiten Viertel auf 14:3. Zuvor hatte Patriots-Quarterback Tom Brady eine "4. und 6-Situation" mit einem Pass auf Routinier Troy Brown aufgelöst und den Weg geebnet.

Peyton Manning wollte viel, und erreichte erst einmal gar nichts. Kurz nach dem 3:14: Interception in der eigenen Hälfte. Asante Samuel lief 39 Yards zurück in die Endzone und erhöhte auf 21:3. Dritter Touchdown des Defensivmannes der Patriots in den Play-offs! Und im Stadion hätte man die berühmte Stecknadel fallen hören können. Überhaupt: Die Secondary der Patriots, also die tief stehende Pass-Abwehr, funktionierte in der ersten Hälfte überragend und hielt den Versuchen Mannings und seiner Wide Receiver glänzend stand.

Kurz darauf kassierte Manning auch noch einen Sack, und erst Adam Vinatieri markierte mit seinem zweiten Field Goal sieben Sekunden vor der Halbzeit wieder Punkte für "Indy". 6:21 - Pause.

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Dungy-Challenge erfolglos

Im dritten und vierten Quarter sahen die Zuschauer dann schier Unglaubliches. Indianapolis startete die erhoffte Aufholjagd mit einem 1-Yard-Touchdown-Run Mannings, der auf 13:21 verkürzen konnte. Zu diesem Zeitpunkt war die Patriots-Offense kaum noch am Ball. "3 & out" - so hieß es meist für Brady. Der frühere Patriot Dan Klecko sorgte kurz darauf für Riesenjubel, als er einen kurzen Pass von Manning sicher pflückte und - nachdem Marvin Harrison auch die "2-Point-Conversion" sicherstellte - das 21:21 bejubelte.

18 Punkte in elf Minuten, jetzt waren die Patriots gefordert. Und die reagierten. Return-Spezialist Ellis Hobbs lief den folgenden Kick-Return über 80 Yards bis zur gegnerischen 21-Yard-Linie zurück und sorgte für eine glänzende Ausgangsposition. Es folgte die umstrittenste Szene des Spiels: Jabar Gaffney fing einen Pass von Brady - in der Endzone, oder außerhalb? Die Referees zeigten Touchdown an, Colts-Headcoach Tony Dungy forderte die Challenge. Der Videobeweis musste her, doch es blieb bei der heftig diskutierten Entscheidung - 21:28.

Fumble! Die Pats und die Colts streiten um das Ei.
Unübersichtlich: Die Pats und die Colts rangeln kurz vor der Endzone um den Ball, Center Jeff Saturday (nicht im Bild) sicherte schließlich die sechs Punkte für die Colts.
© dpa

Im vierten Quarter waren dann die Colts wieder an der Reihe. Center Jeff Saturday gelang das gleiche Kunststück wie zu Beginn des Spiels Patriots-Lineman Mankins. Fumble Recovery in der Endzone - 28:28. Nun ging es hin und her. Die Kicker traten auf den Plan. Stephen Gostkowski traf für New England (31:28), Vinatieri glich aus, Gostkowski hielt dagegen (34:31). Es sollte die letzte Führung der Patriots sein.

Zwei Minuten und 17 Sekunden waren noch auf der Uhr, als Peyton Manning die Teamkollegen zu seinem letzten Drive zusammenrief. Und der zu Beginn des Spiels so gebeutelte Spielmacher zeigte seine Qualitäten. Sieben Spielzüge, 80 Yards - in 87 Sekunden. Running Back Joseph Addai sprintete die letzten drei Yards über den Strich und ließ einen orkanartigen Jubel aufbranden. 38:34, würde Tom Brady (21/34, 232 Yards, 1 TD, 1 INT) noch einmal zurückschlagen?

Jackson stoppt Brady

Zunächst sah es so aus. Der in den Play-offs bislang so überragende Dreifach-Titelträger (12:1 Siege vor diesem turbulenten Sonntag) schien einmal mehr Beweis für seine Nervenstärke abzulegen. Zwei schnelle Pässe führten die Patriots in die gegnerische Hälfte - die Endzone lag in Sichtweite! Doch dann unterlief Brady die entscheidende Interception. Cornerback Marlin Jackson fischte das Ei aus der Luft und ließ sich in Jubelpose zu Boden fallen. Die Feierlichkeiten um Trainer Tony Dungy und Quarterback Peyton Manning (27/47, 349 Yars, 1 TD, 1 INT, dazu ein TD-Run) konnten beginnen. Erstmals hatte eine Mannschaft ein Conference-Endspiel gewonnen, die schon mit 18 Punkten im Hintertreffen lag.

Damit stehen sich am 4. Februar in Miami mit den Chicago Bears und den Colts zwei Teams im Kampf um die Krone gegenüber, die zwei Dinge gemeinsam haben: Beide werden von dunkelhäutigen Trainern gecoacht, eine Seltenheit im derzeitigen NFL-Teilnehmerfeld. Dungy und sein Gegenüber Lovie Smith haben es geschafft, obwohl andere Teams die Favoritenrolle einnahmen. Und: Beide Klubs haben seit Jahren "nichts mehr gerissen". Die Bears gewannen den Superbowl XX der Spielzeit 1985, die Colts, damals noch in Baltimore beheimatet, den Superbowl V der Saison 1970.

22.01.07
 

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