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04.11.2014, 12:24

Ungeschlagener Ex-Mittelgewichtler im kicker-Interview

Ottke: "Die Hoch-Zeit ist überschritten"

Er ist der einzige deutsche Profi-Weltmeister, der ungeschlagen den Boxring verlassen hat. Ex-Mittelgewichtler Sven Ottke (47) beendete nach 21 erfolgreichen Titelverteidigungen am 27. März 2004 seine Karriere.

Der einzige deutsche Box-Profi, der nie besiegt wurde: Sven Ottke.
Der einzige deutsche Box-Profi, der nie besiegt wurde: Sven Ottke.
© imagoZoomansicht

Der kicker traf den gebürtigen Berliner am Rande des "Champion des Jahres" - einer Urlaubswoche deutscher Spitzensportler, zu der Robinson gemeinsam mit der Stiftung Deutsche Sporthilfe die diesjährigen Medaillengewinner in olympischen Disziplinen eingeladen hatte. Im Club Soma Bay in Ägypten sprach Ottke über den Boxsport in Deutschland, seine eigene aktive Zeit und den bevorstehenden Kampf zwischen Robert Stieglitz (33) und Felix Sturm (35).

kicker: Herr Ottke, wenn Sie das Boxen in Deutschland bewerten sollen, wo sehen Sie Ihren einstigen Sport?

Sven Ottke: Die Hoch-Zeit ist überschritten. Auch die Fernsehsender streichen langsam die Segel, nachdem sie sich vor Jahren noch alle drum gerissen hatten... Als Überträger der Klitschko-Kämpfe hat RTL nach dem Karriereende von Vitali vielleicht noch zwei, drei Fights von Wladimir - dann ist das Thema durch.

kicker: Auch aus den öffentlich-rechtlichen Programmen verschwindet der Boxsport. Das ZDF ist schon ganz raus, die ARD hat jetzt ihren langjährigen Vertrag mit dem Sauerland-Boxstall gekündigt, will nur noch vereinzelte Kämpfe übertragen, für die es ab 2015 einer Einzelfall-Genehmigung bedarf. Nachvollziehbar?

Ottke: Wir brauchen deutsche Athleten, die zurzeit nicht so richtig präsent sind. Viele Jahre waren es hauptsächlich Boxer, die andere Wurzeln hatten und einen deutschen Namen angenommen haben. Aber die Leute wollen Sportler, mit denen sie sich 100-prozentig identifizieren können. Bei den Klitschkos aus der Ukraine hat das zwar auch geklappt - aber das liegt vielleicht auch an der populären Schwergewichtsklasse.

kicker: Warum fehlt es an Nachwuchs in unserem Land?

Es gibt einfach zu viele andere Möglichkeiten, sich zu beschäftigen.Sven Ottke über die Gründe für fehlenden Box-Nachwuchs

Ottke: Das klingt vielleicht blöd, aber uns geht es in Deutschland sehr, sehr gut. Nahezu alle Sportverbände klagen über Nachwuchsprobleme. Es gibt einfach zu viele andere Möglichkeiten, sich zu beschäftigen. Und du musst dich natürlich auch quälen und Entbehrungen hinnehmen können. Doch viele wollen nicht mehr verzichten, wollen alles mitnehmen. Da steht der sportliche Erfolg schnell hinten an. Ich persönlich kann das nicht nachvollziehen. Jeder Tag, an dem ich keinen Sport treibe, ist ein doofer Tag.

kicker: Sie sind vor einigen Monaten in den Profisport zurückgekehrt - als Trainer von Serdar Sahin. Der Berliner Halbschwergewichtler unterlag im WM-Kampf dem Titelverteidiger Tony Averlant nach Punkten. Gibt es eine Fortsetzung?

Ottke: Das war eine spontane Angelegenheit. Aber bei dieser Nummer habe ich echt Federn gelassen.

kicker: Warum?

Ottke: Sedar hätte diesen Kampf ganz locker wuppen können. Als Trainer weißt du, was der Sportler draufhat - aber er tut's einfach nicht. Da wirst du wahnsinnig! Jetzt verstehe ich auch meinen alten Trainer Ulli Wegner viel besser, habe noch mehr Respekt vor seiner Arbeit.

Sven Ottke nach seinem WM Kampf gegen Joe Gatti 2002.
Jubelpose nach seinem WM Kampf gegen Joe Gatti 2002: Sven Ottke.
© Getty Images

kicker: Das heißt, Sie selbst haben keine Ambitionen?

Ottke: Nein, nein. Wie gesagt, das Ganze war sehr spontan, eine Art Freundschaftsdienst. Außerdem lebt Sedar in Berlin, ich in Karlsruhe - eine ganz schwierige Konstellation.

kicker: Ihre eigene Profikarriere haben Sie 2004 als ungeschlagener Weltmeister beendet. Denken Sie heute, es war zu früh?

Ottke: Natürlich, keine Frage. Hinterher ist man immer schlauer. Sicher hätte ich noch zwei, drei Kämpfe machen können. Aber zu dem Zeitpunkt war es die richtige Entscheidung, ich war körperlich und mental einfach müde. Nach 22 WM-Kämpfen, vier im Jahr, generalstabsmäßig geplant im März, Juni, September und Dezember. Da hat es mir einfach gereicht.

kicker: Wie sehen Sie Ihre Laufbahn im Rückblick?

Ottke: Ich bin mega zufrieden, habe brutal viel gesehen, mitgenommen, gelernt. Ich hatte ein tolles, erfülltes Sportlerleben und möchte keinen Tag davon missen.

kicker: Packen Sie heute Ihre Boxhandschuhe noch aus?

Ottke: Ich trainiere relativ viel, fast jeden Tag noch. Ich galt früher schon als hyperaktiv - heute nennt man das ADHS, Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitäts-Syndrom - und habe immer noch diesen Bewegungsdrang. Ich gehe laufen, mache Spinning, trainiere im Fitnessstudio und spiele leidenschaftlich gerne Golf. Zugegeben, ein bisschen eitel bin ich auch.

kicker: Es gibt immer wieder Comebacks im hohen Box-Alter. Verstehen Sie das?

Ottke: Klar. Jeder glaubt ja von sich, wenn er wollte, könnte er noch. Ein Comeback stand ja bei mir auch mal im Raum, 2008. Damals wurde mir sehr, sehr viel Geld geboten. Gerade gegen Dariusz Michalczewski hätte ich es mir immer zugetraut. Ich schätze und respektiere ihn als Mensch, aber als Sportler war er zu dem Zeitpunkt definitiv über den Berg. Der Kampf ist nicht zustande gekommen. Aber alles ist gut.

kicker: Was hat Ihnen das Boxen gebracht?

Ottke: Mir hat Sport an sich sehr viel gegeben. Aber gerade beim Boxen kannst du dich total auspowern, deine Grenzen finden. Ich habe gelernt, mich selbst zu disziplinieren, mich unterzuordnen - mein Trainer nannte es einordnen (lacht) - kurzum: Boxen schult fürs Leben.

kicker: Am kommenden Samstag kommt es in Stuttgart zum Kampf zwischen den beiden ehemaligen deutschen Champions Robert Stieglitz und Felix Sturm. Der Sieger darf gegen Supermittelgewichts-Weltmeister Arthur Abraham antreten. Ihr Tipp?

Ottke: Diesen Kampf finde ich gar nicht schlecht. Sturm hat meiner Meinung nach schon lange seinen Zenit überschritten. Gegen Stieglitz dürfte er eigentlich keine Chance haben. Aber im Boxen weiß man nie...

Sabine Vögele

 

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