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31.07.2014, 15:06

Deutschlands bester Schwimmer im kicker-Interview

Biedermann: "Ich brauche keine Führungsrolle"

Es ist sein erster großer Wettkampf nach den Olympischen Spielen 2012 in London. Bei der Heim-EM in Berlin (13. bis 24. August) richten sich viele Augen auf Deutschlands besten Schwimmer Paul Biedermann. Der 27-Jährige spricht auf kicker.de über seine Chancen, den Druck und seine Zukunft sowie das Uni-Pensum seiner Partnerin Britta Steffen oder das Comeback von Michael Phelps.

Paul Biedermann
Will sich nach der langen Pause seine Lockerheit bewahren: Paul Biedermann.
© imagoZoomansicht

kicker: Herr Biedermann, wie blicken Sie auf die EM in Berlin - mit Vorfreude, Ungewissheit oder gar Skepsis?

Paul Biedermann (27): Ich freue mich auf Berlin und die Möglichkeit, diese EM zu Hause erleben zu können. Auch wenn ich im Vorfeld nicht durchtrainieren konnte: Ich muss jetzt die Zähne zusammenbeißen und da durch. Das restliche Jahr bin ich ganz gut durchgekommen. Wir werden sehen, ob das reicht.

kicker: Mit welchem Ziel gehen Sie in diese EM?

Biedermann: Ich will meine beste Leistung abrufen.

kicker: Ohne Medaille wären Sie also auch glücklich?

Biedermann: Wenn ich weiß, dass nicht mehr für mich drin war, wäre ich zufrieden.

kicker: Spüren Sie, dass der Druck auf Sie steigt?

Biedermann: Nein. Ich bin gar nicht in der Position. Ich war jetzt ein Jahr weg. Wir haben Marco Koch, der im letzten Jahr über 200 Meter Brust WM-Silber geholt hat. Wir haben Steffen Deibler, der kontinuierlich stark in der Weltklasse mitschwimmt. Es sind also genug Leute mit im Boot, auf die sich der vermeintliche Druck verteilt.

Ich muss mich nach der langen Pause erst mal wieder international beweisen. Das ist wie ein kleiner Neuanfang.Paul Biedermann

kicker: Sie nehmen aber im DSV schon eine Führungsrolle ein?

Biedermann: Das wird mir von außen aufgedrückt. Ich persönlich will das gar nicht. Ich gehe damit auch sehr entspannt um. Ich brauche keine Führungsrolle. Ich möchte nicht etwas aufgehalst bekommen, was ich gar nicht will. Ich bin für mich selbst der größte Kritiker. Ich muss mich nach der langen Pause erst mal wieder international beweisen. Das ist wie ein kleiner Neuanfang.

kicker: Aber der Fokus liegt nach dem Rücktritt Ihrer Partnerin Britta Steffen noch mehr auf Ihnen?

Biedermann: Das hat überhaupt nichts beeinflusst. Das war alles so geplant. Sie hat alles gewonnen, war immer noch Weltspitze. Irgendwann ist es aber mal vorbei. Für sie gab es nichts mehr zu erreichen.

kicker: Sie mussten letztes Jahr krankheitsbedingt eine größere Pause einlegen. Hat Sie das verändert?

Biedermann: Ich bin entspannter geworden im Hinblick auf meinen Sport. Das heißt nicht, dass ich jetzt weniger Ehrgeiz entwickle und mich im Training weniger quäle. Zu den Olympischen Spielen 2012 etwa habe ich meinem Sport die größtmögliche Bedeutung gegeben. Ich habe nur noch nach dem Sport gelebt. Rückblickend war das nicht das Richtige für mich.

kicker: Was haben Sie geändert?

Biedermann: Ich muss mir meine Freiheiten geben, darf nicht so verkrampfen und muss mir die Lockerheit bewahren. Diese Pause - wenn auch gezwungenermaßen - war für mich sehr wichtig. Das Schwimmen ist für sich wie eine Blase. Wenn man da mal rauskommt, spürt man sehr schnell, dass sich viele Sachen relativieren. Das hat mir geholfen, wieder einzusteigen, Lust fürs Schwimmen zu entwickeln und zu wissen, dass dieser Zeitraum für den Leistungssport begrenzt ist. Ich kann jetzt sagen: Bis nach den Olympischen Spielen 2016 noch - das ist überschaubar. Das motiviert mich, ich kann voll angreifen. Ich will das Bestmögliche rausholen.

Paul Biedermann
Zurück im Becken: Paul Biedermann greift bei der EM in Berlin wieder an.
© imago

kicker: Wie viel fehlt dem Paul Biedermann von heute zu seiner Topform?

Biedermann: Es ist schwierig für mich, über Formen zu sprechen. Damit kann ich nichts anfangen. Es fällt mir aktuell schwer, meine Form einzuschätzen. Ich bin ein Wettkampftyp. Ich blühe im Wettkampf auf. Wenn die Anspannung da ist und ich merke, es geht um die Wurst, weiß ich erst, was ich kann. Das lässt sich im Training nicht abfragen.

kicker: Seit 2013 ist Henning Lambertz Bundestrainer. Wie ist Ihr Verhältnis zum ihm?

Biedermann: Ich bin sehr zufrieden mit ihm. Mit der Art, wie er etwas anpackt und wie er kommuniziert. Er ist sehr unkompliziert. Ich finde es gut, dass er das DSV-Perspektivteam gegründet hat. Die jungen Talente von heute sind die Top-Schwimmer von morgen. Die muss man unterstützen. Er hat da ein sehr starkes Konzept konzipiert mit vielen Lehrgängen aufs Jahr verteilt. Wenn man auf die Weltspitze schaut, sieht man, dass auch im Schwimmen alles viel professioneller läuft. Das ist ein Leben als Profi. Wenn man dahin will, muss man die Jugendlichen dahinführen. Somit ist das das richtige Konzept.

kicker: Ist Ihr Austausch intensiver geworden mit dem Bundestrainer?

Biedermann: Ich rufe nur an, wenn es Probleme gibt. Da gab es relativ wenige...falls es doch welche gibt, werden diese schnell gelöst. Wir finden da sehr schnell einen Konsens. Henning ist zufrieden, wenn ich nicht anrufe.

kicker: Sie leben nicht mehr zu Hause. Wie sehr hat Sie das geformt?

Biedermann: Ich bin erwachsener geworden. Es ist schon witzig, wenn man bei den Eltern auszieht - und es war bei mir reichlich spät mit Mitte 20. Es ist wichtig für die Entscheidungen im Leben, man hat alles mehr in der Hand. Ob sich das auf den Sport auswirkt? Ich weiß nicht. Ich habe immer noch meinen Trainer, der mir das Trainingsprogramm vorgibt. Da ist wenig Spielraum.

kicker: Blicken Sie bei der Lebensplanung ein bisschen über den Sport hinaus?

Biedermann: Es gibt ein paar Optionen, die noch nicht spruchreif sind. Ich will einiges nach dem Sport ausprobieren. Es gibt einen groben Plan. Ich lass mich aber auch noch inspirieren. Dank dem Sport stehen mir auch viele Türen offen. Das will ich in den nächsten zwei Jahren ausloten, um den direkten Übergang ins Arbeitsleben zu schaffen.

kicker: Steckt da Ihre Partnerin Britta Steffen an, die ihr zweites Studium begonnen hat?

Biedermann: Wenn sie etwas macht, dann macht sie es konsequent. Mit voller Hingabe. Das merkt man. Da kann ich mir eine Scheibe abschneiden. Sie kämpft sich da durch, egal wie hart die Sache wird.

kicker: Erst der Auszug, jetzt der Führerschein?

Biedermann: Noch bin ich das Thema nicht angegangen. Britta fährt sehr gut Auto. Ansonsten bin ich gerne zu Fuß und mit dem Rad unterwegs.

Ich will nicht in irgendwelchen Vorläufen ausscheiden, nur damit ich meine Karriere fortführe.Paul Biedermann über ein mögliches Karriere-Ende nach Rio 2016

kicker: Ihr Plan lautet EM 2014, WM 2015 und Olympia in Rio?

Biedermann: Wenn ich die Qualifikation für die Spiele in Brasilien schaffe und bis dahin gesundheitlich alles passt, dann würde ich in Rio nach meinem letzten Rennen sagen: Jetzt ist Schluss. Ich werde dann 30 Jahre alt sein. Das ist für einen Leistungsschwimmer sehr alt. Ich will nicht in irgendwelchen Vorläufen ausscheiden, nur damit ich meine Karriere fortführe. Ich will arbeiten und etwas für meine Rente tun.

Britta Steffen
Biedermann: "Bei dem Programm, das Britta absolviert, hab ich das Gefühl: Das mit dem Leistungssport ist leichter."
© imagoZoomansicht

kicker: Ist es schwer, wenn da jemand am Frühstückstisch sitzt, der dieses schwere Trainingsprogramm nicht mehr absolvieren muss, sich selbst zu motivieren?

Biedermann: Bei dem Programm, das Britta absolviert, hab ich das Gefühl: Das mit dem Leistungssport ist leichter. Ich trainiere fünf Stunden am Tag. Punkt. Der Rest ist für die Regeneration oder Dinge, auf die ich Lust habe. Britta muss in die Uni - und wenn sie nach Hause kommt, muss sie lernen. Da schaue ich nicht wirklich wehmütig hin. Ich denke mir immer, hoffentlich hab ich mit dem Ganzen noch ein bisschen Zeit. Das spornt mich noch mal an, meine letzten zwei Jahre jetzt richtig zu nutzen. Ich weiß ja, was danach auf mich zukommt.

kicker: Wie ordnen Sie das Comeback von Michael Phelps ein?

Biedermann: Für den Schwimmsport gibt es nichts Besseres. Das führt zu Aufmerksamkeit und mehr medialer Präsenz. Für ihn persönlich hoffe ich, dass er weiß, wofür er das macht. Er hat alles gewonnen. Er ist der erfolgreichste Olympionike aller Zeiten. Mich würde mal interessieren, welches Ziel er noch hat.

kicker: Wie muss die EM in Berlin laufen, damit der Schwimmsport in Deutschland wieder mehr in den Fokus rückt?

Biedermann: Manchmal sind das verrückte Faktoren. Fußballer Per Mertesacker in der Eistonne etwa hat im Social-Media-Bereich eine unglaubliche Eigendynamik genommen. Ein ganz besonderes Rennen oder eine ganz besondere Geste könnten Aufmerksamkeit schaffen. Wir Sportler wollen mit der bestmöglichen Leistung überzeugen und einen einigermaßen sympathischen Eindruck hinterlassen.

Interview: Jana Wiske

31.07.14
 

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