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23.07.2014, 15:52

Fünf Kandidaten in der engeren Auswahl

Sport-Stipendiat des Jahres 2014 - Laura Vargas Koch

Hochleistungssport und Studium - das ist nicht nur zeitlich, sondern auch finanziell eine Herausforderung für junge Athleten. Im Mai 2012 hat deshalb die Deutsche Bank im Rahmen der Förderung durch die Stiftung Deutsche Sporthilfe das "Deutsche Bank Sport-Stipendium" ins Leben gerufen, durch das die Unterstützung für studierende Spitzenathleten auf 300 Euro im Monat verdoppelt werden konnte. Ihre besonderen Leistungen sollen mit der Wahl zum "Sport-Stipendiaten des Jahres" gewürdigt werden - dieses Jahr zum zweiten Mal.

Starke Leistung: Laura Vargas Koch wird WM-Zweite im Judo.
Starke Leistung: Laura Vargas Koch wird WM-Zweite im Judo.
© picture alliance

Der Preisträger - im Vorjahr Hockey-Olympiasieger und Medizinstudent Martin Häner - erhält in den folgenden drei Semestern von der Deutschen Bank den doppelten Stipendiumsbetrag von 600 Euro pro Monat. Alle rund 300 Sporthilfe-geförderten Stipendiaten konnten sich bewerben, eine Jury hat vorab fünf ausgewählt:

Malaika Mihambo, Junioren-Europameisterin im Weitsprung
Anna Schaffelhuber, fünffache Paralympicssiegerin im Ski alpin
Laura Vargas Koch, WM-Zweite im Judo
Linus Butt, Hockey-Europameister
Ingolf Keba, Deutscher Meister im Gewichtheben

Jeder Interessierte kann bei dieser Wahl bis zum 22. August 2014 mitmachen: www.sportstipendiat.de. Unter allen Teilnehmern des Online-Votings wird ein Kurz-Aufenthalt in Berlin für zwei Personen verlost - inklusive zwei Übernachtungen, der Teilnahme an der feierlichen Preisverleihung des Sport-Stipendiaten 2014 am 11. September und einer privaten Führung mit Blick hinter die Kulissen des Berliner Olympiastadions.

Laura Vargas Koch, WM-Zweite im Judo

Der kicker stellt die fünf Kandidaten vor. Nach der Junioren-Europameisterin im Weitsprung, Malaika Mihambo, ist nun die WM-Zweite im Judo, Laura Vargas Koch, an der Reihe.

Laura Vargas Koch gewann 2013 überraschend bei ihrer ersten Weltmeisterschaft die Silbermedaille im Judo in der Klasse bis 70 kg. Anschließend etablierte sie sich mit weiteren Erfolgen in der Weltspitze, was ihr Platz zwei in der Weltrangliste einbrachte. Im April 2014 wurde sie darüber hinaus sowohl im Einzel als auch mit der Mannschaft Zweite bei den Europameisterschaften. Nach erfolgreich abgeschlossenem Bachelor-Studium begann die 24-Jährige mit ihrem Masterstudium Mathematik an der TU Berlin. In Regelstudienzeit hat sie bislang alle erforderlichen Kurse mit einem Noten-Durchschnitt von 1,1 abgeschlossen.

Hat allen Grund stolz zu sein: Laura Vargas Koch, WM-Zweite im Judo.
Hat allen Grund stolz zu sein: Laura Vargas Koch, WM-Zweite im Judo.
© picture allianceZoomansicht

kicker: Im Judo hat bereits die Qualifikation für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro begonnen. Wie bist Du gestartet?

Laura Vargas Koch: Das erste Grand Prix-Turnier fand bereits im Juni in Havanna statt, das super für mich gelaufen ist. Mit einem Sieg konnte ich mir gleich die ersten Punkte für die Olympiaqualifikation sichern. Zuletzt in Russland lief es allerdings nicht so gut, da hab ich früh verloren. Aber insgesamt gibt es rund 65 Qualifikationsturniere bis zum entscheidenden Moment im April 2016, von daher bin ich da ganz gelassen.

kicker: Im Anschluss an große Turniere finden oft internationale Trainingslager mit der gesamten Konkurrenz statt. Verliert man als Top-Athlet nicht einen gewissen Vorteil, da die Schwächeren ja eigentlich nur von Dir lernen können?

Vargas Koch: Ganz im Gegenteil. Ich profitiere genauso sehr davon. Es ist wichtig, sich auf die internationale Konkurrenz einzustellen. Dabei ist sicherlich viel Taktik im Spiel. Wenn etwas gut klappt, versuche ich mich damit zurückzuhalten, damit meine Gegner sich nicht darauf einstellen können. Auch die Psyche spielt eine große Rolle. Nach dem zweiten Platz bei der WM war es für mich besonders schwierig, mich an den Gedanken zu gewöhnen, dass ich jetzt zu den Favoriten zähle, und damit sowohl im Wettkampf als auch in den internationalen Trainingslagern umzugehen. Aber es sind definitiv die stärksten Trainingspartner, und man braucht einfach immer wieder solche Kämpfe, um körperlich mithalten zu können. Gleichzeitig ist es richtig schön, weil insbesondere auch dadurch internationale Freundschaften entstehen, über alle Sprach-Barrieren hinweg. Ich "verstehe" mich beispielsweise sehr gut mit einer Koreanerin, obwohl sie kein Englisch - und natürlich kein Deutsch - und ich kein Koreanisch spreche.

Ich fehle ungefähr die Hälfte der Zeit in der Uni. Ohne Absprachen und Sonderregelungen an der Uni würde ich auf große Hürden stoßen.Vargas Koch über die Vereinbarkeit von Studium und Leistungssport

kicker: Neben dem Sport zeigst Du auch im Studium herausragende Leistungen. Deinen Bachelor hast Du im März vergangenen Jahres in "Naturwissenschaften in der Informationsgesellschaft" als Erste Deines Jahrgangs mit einem Durchschnitt von 1,1 abgeschlossen und anschließend in den letzten drei Semestern alle erforderlichen Kurse für den Mathematik-Master ebenfalls mit einem Durchschnitt von 1,1 absolviert. Hast Du den Ehrgeiz, ganz besonders schnell Dein Studium abzuschließen?

Vargas Koch: Das ist ein normales Tempo, ich habe alles bisher in der Regelstudienzeit gemacht. Ich bin jetzt so weit, dass ich nächstes Semester meine Masterarbeit schreiben und danach meine Promotion beginnen kann.

kicker: Das klingt so einfach, als wenn die Doppelbelastung von Sport und Studium für Dich kein Problem wäre.

Vargas Koch: Das täuscht. Ohne Absprachen und Sonderregelungen an der Uni würde ich bei der Vereinbarkeit von Studium und Leistungssport auf große Hürden stoßen. Beispielsweise habe ich durch unser Höhentrainingslager im Mai in Sankt Moritz drei Wochen Vorlesungen und Abgaben verpasst. Die musste ich dann in einer Woche alle schnell nachholen, bevor es dann anschließend gleich weiter nach Havanna ging. Wir Judokas sind 25 Wochen im Jahr unterwegs. Das heißt, ich fehle ungefähr die Hälfte der Zeit in der Uni. Aber das Studium fällt mir in der Tat leicht, Mathematik ist eine Talentsache. Und meine Kommilitonen unterstützen mich fantastisch, mit Vorlesungsmitschriften, die sie mir eingescannt schicken, oder wir kommunizieren übers Internet. Auch die Dozenten und Professoren an der TU sind sehr hilfsbereit. Ohne deren großartige Unterstützung und Verständnis wäre es für mich überhaupt nicht möglich, zu studieren.

kicker: Wie sehen die kommenden Wochen und Monate für Dich aus, hast Du Rio fest im Blick?

Vargas Koch: Mein Ziel sind zunächst mal die Weltmeisterschaften im August. In den nächsten Wochen sind wir ständig in wechselnden Trainingslagern. Zwischendrin will ich aber noch meine letzte Prüfung an der Uni machen, nach Möglichkeit vor der unmittelbaren Wettkampfvorbereitung. Dann bin ich frei und kann meine Masterarbeit angehen. Die Olympischen Spiele sind natürlich mein Ziel. Und wenn man einmal bei einer WM so weit oben gestanden hat, will man natürlich auch eine Medaille. Aber erst mal muss ich mich qualifizieren.

 

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