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08.08.2013, 13:59

Interview mit Christina Obergföll

"Es fehlt einfach noch das Gold"

Edelmetall besitzt sie schon reichlich. Bei der WM in Moskau hat Christina Obergföll (31) nur ein Ziel: Endlich ein Titel! Der ganz große Wurf wollte der Offenburgerin noch nicht gelingen: ein Sieg. Die bisherige Saison nährt die Hoffnung, das in Moskau zu ändern.

"Fernziel ist natürlich schon noch Rio. Es wäre reizvoll, 2016 noch mal dabei zu sein", gibt Christina Obergföll zu.
"Fernziel ist natürlich schon noch Rio. Es wäre reizvoll, 2016 noch mal dabei zu sein", gibt Christina Obergföll zu.
© picture allianceZoomansicht

Bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften vom 10. bis 18. August in Moskau zählt sie zu den größten Medaillenhoffnungen im deutschen Team. Mal wieder. Denn Christina Obergföll blickt schon jetzt auf eine glänzende Karriere zurück, hat fünf Silber- und eine Bronze-Plakette bei Olympischen Spielen, Welt- und Europameisterschaften gewonnen. Nur, der ganz große Wurf wollte der Offenburgerin noch nicht gelingen: ein Sieg. Die bisherige Saison nährt die Hoffnung, das in Moskau zu ändern. Ihr vorzeitiger Triumph in der lukrativen Diamond-League-Serie (bisher schon 90 000 Dollar) ist ein deutliches Ausrufezeichen an die Konkurrenz.

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kicker: Frau Obergföll, Glückwunsch zum vorzeitigen Sieg in der Diamond League. Wie wichtig ist dieser Erfolg zum jetzigen Zeitpunkt?

Christina Obergföll: Danke. Es ist die prestigeträchtigste Veranstaltung, die es für die Leichtathleten gibt. Sie jetzt schon im Sack zu haben, spricht für sich, ist Belohnung und Bestätigung für die konstanteste Werferin der Saison. Und natürlich ist der Jackpot eine geniale Sache. Aber wichtig? Wichtiger ist mir die WM. Sollte ich da schlecht werfen, würde die Diamaond League das nur gering aufwerten.

kicker: So wie 2011, als Sie ebenfalls die Diamond League gewannen, aber dann nur WM-Vierte wurden?

Obergföll: Ja, in Daegu lief's dann trotzdem nicht. Seitdem arbeite ich mit einem Psychologen, mit Hans Eberspächer. Wir haben inzwischen ein sehr stabiles Fundament gelegt im Vergleich zu 2011. Ich glaube, das passiert mir nicht noch mal. Dass das so aus dem Ruder läuft, dass ich gar nichts mehr mitbekomme in dem Wettkampf.

kicker: Was hat der Psychologe Ihnen vermittelt?

Obergföll: Ich dachte immer, dass ich mental stark bin. Und dass ich nicht so gut geworden wäre, wenn ich nicht mental stark wäre. Aber ich neige im Wettkampf zur Emotionalität - wenn die überschwappt, dann ist es vorbei. Und das passiert eben nicht mehr, seitdem ich mit ihm arbeite. Zum anderen unterstützt er mich, wenn jetzt vor dem Saisonhöhepunkt solche Gedanken aufkommen, dass alle wieder von mir verlangen, dass es endlich mal klappt mit einem Sieg. Wenn ich anfange, schlechter zu schlafen oder von dem Wettkampf zu träumen. In dem Moment hilft es mir auch nicht mehr, mit Boris zu reden. Dann brauche ich jemanden, der weiter weg von alledem ist.

kicker: Boris Henry, früher erfolgreicher Speerwerfer und heute Männer-Bundestrainer, ist Ihr Lebensgefährte, seit Herbst 2012 aber auch Ihr Trainer. Warum, und wie funktioniert das?

Obergföll: Boris hat nach London das Techniktraining übernommen, weil ich hier noch mal was Neues ausprobieren, einen anderen Reiz setzen wollte. Werner Daniels schreibt weiter meine Trainingspläne, weil er weiß, was ich brauche, und kümmert sich um die Athletik.

kicker: Worin besteht die technische Veränderung?

Obergföll: Ich komme länger ans Gerät, wie wir Speerwerfer sagen. Durch meine hohe Anlaufgeschwindigkeit wollte ich oft auch im Abwurf alles ganz schnell machen. Dadurch war die Wahrscheinlichkeit einer optimalen Abwurf-Position in den letzten Jahren zu gering. Jetzt heißt das Ziel, bei gleicher Geschwindigkeit diese Wahrscheinlichkeit zu erhöhen.

kicker: Sie sind mit fünfmal Silber bei Olympia, WM und EM bereits hoch dekoriert. Wie groß ist der Traum noch von einem Titel?

Obergföll: Sehr groß. Es fehlt einfach noch das Gold. Davon träume ich, keine Frage. Auch wenn ich nach Olympia-Silber in London gesagt habe: Es wäre genial, wenn das noch klappt. Aber wenn nicht, bin ich deshalb in zehn Jahren nicht unzufrieden mit meiner Karriere.

Gerade bin ich gesund wie schon seit Jahren nicht mehr. Das macht im Training echt Laune.Christina Obergföll

kicker: Sie sind 31 Jahre alt. Machen Sie insbesondere deshalb weiter?

Obergföll: Auch. Einmal in meiner Sportlerkarriere möchte ich die Hymne hören, das ist so mein Traum. Und sicher ein großer Reiz, noch weiterzumachen und nach wie vor in der Weltspitze mitzumischen, nicht mitzulaufen.

kicker: Nach Bronze 2008 und Silber 2012 - haben Sie speziell mit Olympia noch eine Rechnung offen?

Obergföll: Ja, aber das ist im Moment noch ein bisschen weit weg. Ich denke jetzt von Saison zu Saison. Gerade bin ich gesund wie schon seit Jahren nicht mehr. Das macht im Training echt Laune. Fernziel ist natürlich schon noch Rio. Es wäre reizvoll, 2016 noch mal dabei zu sein. Aber jetzt mache ich erst mal Moskau.

kicker: Jede Disziplin hat so ihre Schallmauer. Im Speerwerfen der Frauen sind das 70 Meter. Sie haben als Einzige neben Barbora Spotakova, Maria Abakumova und Olisdeilys Menendez diese Marke geknackt, 2007 mit 70,20 Metern. Haben Sie die auch noch im Hinterkopf?

Obergföll: Ja. Es bleibt mein Ziel, noch mal eine neue Bestweite zu werfen. Ehrlich gesagt, noch dieses Jahr. Ich bin so stark und gesund ... Eigentlich muss es jetzt irgendwann mal rappeln. Im Training läuft es schon seit Wochen gut, es sind nur Nuancen, die beim Wettkampf nicht gepasst haben. Wenn ich mal wieder alles zusammenbringe, müsste es klappen - darauf bin ich heiß.

kicker: Sie sind längst ein Routinier. Wie sehr kribbelt es noch vor einem Saisonhöhepunkt?

Obergföll: Es ist jedes Jahr das gleiche Spielchen. Sie müssen sich das wie einen Trichter vorstellen, in dem es immer enger wird. Etwa vier Wochen vorher fange ich an darüber nachzudenken. Die letzten Nächte schlafe ich schlechter, und dann kann ich kaum noch was essen. Das ist genauso wie vor acht Jahren und wird sich nicht ändern. Und wenn es nicht mehr da ist, höre ich auf ...

kicker: Was passiert noch bis zu Ihrem WM-Wettkampf, der am 16. August mit der Qualifikation beginnt?

Obergföll: Wir fliegen am 12. August. Bis dahin trainieren wir zu Hause, einen Wettkampf gibt's nicht mehr. Es geht nur noch darum, unter Feintuning ein paar gute Wurfeinheiten zu machen, konzentriert zu arbeiten und gesund zu bleiben. Was jetzt nicht da ist, kommt auch nicht mehr.

Interview: Sabine Vögele

08.08.13
 
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