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16.03.2009, 22:35

Schiedsrichter denken ans Karriereende

DHB suspendiert Ullrich/Lemme

Das unter Korruptionsverdacht stehende Magdeburger Schiedsrichtergespann Bernd Ullrich und Frank Lemme ist vom DHB suspendiert worden. Dies gab der Verband nach einer rund zweistündigen Anhörung des Duos in Dortmund am Montagabend bekannt. "Wir können die Entscheidung nachvollziehen. Wir haben einen Fehler gemacht", sagte Lemme dem sid nach der Entscheidung. "Ansonsten ist zu diesem Thema erst einmal alles gesagt."

Handball: Frank Lemme und Bernd Ullrich
In der Bredouille: Frank Lemme (li.) und Bernd Ullrich.
© imagoZoomansicht

Hauptgrund für die Suspendierung des DHB war, dass die Beiden die Geschehnisse rund um das Europacupfinale zwischen Medwedi Moskau und BM Valladolid im April 2006 nicht gemeldet haben. Die Unparteiischen hatten von Bestechungsversuchen in mehreren Fällen berichtet. "Es gab immer mal wieder in unserer Karriere zweideutige Angebote. So nach dem Motto: 'Wenn ihr heute für uns pfeift, soll das nicht zu eurem Nachteil sein.' Ob das zehn- oder zwanzigmal war, kann ich nicht mehr genau sagen", sagte Ullrich der "Hamburger Morgenpost".

Der Europäischen Handball-Föderation (EHF) liegen nach Aussage von Wettbewerbs-Manager Markus Glaser keine offiziellen Meldungen von Schiedsrichtern zu Bestechungsversuchen vor. "Es hat sicher solche Gespräche über seltsam anmutende Vorfälle gegeben, aber ich kann die nicht identifizieren und einzelnen Ereignissen zuordnen", sagte der Schweizer am Montag der dpa. Würde es Berichte geben, "landen die früher oder später bei uns", sagte Glaser. Die IHF erwartet indes von der EHF und vom DHB Informationen über den Kenntnisstand und Möglichkeiten der Schadensbegrenzung. "Ebenso wurden die beteiligten Schiedsrichter, die zum IHF-Kader gehören, aufgefordert, eine Stellungnahme abzugeben", ließ der Verband mitteilen. Das betrifft sowohl Lemme/Ullrich als auch das polnische Duo Baum/Goralczyk, das das Champions-League-Finale 2007 zwischen Kiel und Flensburg leitete.

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Nach den Bestechungsvorwürfen werden Ullrich und Lemme eine Auszeit nehmen. "Es ist sicher das Beste, unsere Schiedsrichter-Arbeit so lange ruhen zu lassen, bis die ganze Sache geklärt ist. Wir werden sehen, zu welchen Konsequenzen das führt, aber wir denken natürlich auch über einen Rücktritt nach", sagte Ullrich der "Magdeburger Volksstimme". Lemme ergänzte: "Wir befürchten, dass unsere internationale Karriere mit dem Anzeigen des Betrugsversuches ein für allemal beendet ist." Im Gepäck der beiden Schiedsrichter waren nach dem Europacupfinale zwischen Medvedi Chekov und BM Vallodalid im April 2006 50.000 Dollar gefunden worden.

Beide bestreiten, das Geld angenommen und jemals ein Spiel manipuliert zu haben. Sie bestätigten jedoch einen Bestechungsversuch vor dem Spiel durch einen Russen. Den Namen des betreffenden Funktionärs wollten die Beiden aus Angst weiterhin nicht nennen. "Nein, lieber nicht. Wenn andere den Namen nennen, ist das okay, aber wir haben auch ganz schön Respekt vor möglichen Folgen", sagte Ullrich. Am Sonntag suspendierte die EHF die beiden Magdeburger und zog sie vom geplanten Einsatz im EM-Qualifikationsspiel Mazedonien gegen Island am Mittwoch ab.

BM Valladolid fordert Aberkennung des Titels

Die Deutschland-Vorsitzende der Antikorruptionsorganisation Transparency International, Sylvia Schenk, hält die Aussagen von Lemme und Ullrich für nicht plausibel. "Das macht keinen Sinn. Wenn es keinen Bestechungsversuch gab, hätte der russische Klub nach einem Sieg doch kein Interesse, die Schiedsrichter in Misskredit zu bringen", sagte Schenk der "Welt". "Beunruhigend ist, dass etliche offenbar Bescheid wussten und nichts sagten - das Problem muss im Handball also verbreitet sein."

Valladolid hat indes die nachträgliche Anerkennung als Titelgewinner gefordert. Wie Präsident Dionisio Miguel Recio mitteilte, verlangt der Klub zudem eine finanzielle Entschädigung. Die Spanier hatten im Hin- und Rückspiel des Finales um den Europacup der Pokalsieger mit insgesamt einem Tor Unterschied verloren. Für die deutschen Schiedsrichter forderte Recio eine Sperre auf Lebenszeit: "Sie haben dem Ansehen des Sports und vor allem des Handballs geschadet."

Nichts Neues aus Kiel

Im angeblichen Manipulationsskandal um den THW Kiel dauern die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft an. "Wir sind mit Hochdruck dabei", sagte Oberstaatsanwalt Uwe Wick am Montag der dpa. "Das ist nun mal ein sensibles Thema, mit dem wir uns ganz penibel befassen müssen. Wir sind nicht das meteorologische Institut, das Wasserstandsmeldungen herausgibt", sagte Wick. Mutmaßungen und Verdächtigungen seien zudem nicht Gegenstand der Ermittlungen. "Wir kümmern uns nicht um Gerüchte, sondern um Tatsachen. Wir sind eine ernsthafte Behörde." Für die Staatsanwaltschaft stehe die Frage im Mittelpunkt, ob Gesellschaftsvermögen der THW Kiel Handball-Bundesliga GmbH & Co. KG geschädigt wurde.

Unterdessen ist der Strafantrag des THW Kiel wegen Verleumdung bei der Kieler Staatsanwaltschaft eingegangen. Dieser richtet sich "gegen Personen und Presseorgane, die gegen den THW Vorwürfe wegen angeblicher Spielmanipulationen durch Schiedsrichter-Bestechungen erhoben haben".

16.03.09
 
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