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14.01.2009, 09:30

WM-Favoriten im Porträt: Frankreich

Ein Titel fehlt Karabatic noch

Neben Gastgeber Kroatien ist Frankreich bei der Handball-WM der große Favorit, reist die Equipe von Claude Onesta doch als Olympiasieger an. Doch genau da könnte das Problem liegen: Reicht der Wille für einen neuen Kraftakt? Kreisläufer Bertrand Gille gönnt sich eine Pause. Das Halbfinale ist für die Franzosen dennoch Pflicht. Schließlich haben sie den Welthandballer in ihren Reihen. Und einen Torhüter, der die gegnerischen Spieler regelmäßig in den Wahnsinn treibt.

Handball, WM: Nikola Karabatic
Der Beste: Nikola Karabatic ist kaum zu stoppen. Doch auch beim 24-Jährigen macht sich der Verschleiß bemerkbar.
© picture allianceZoomansicht

Die Stars

Dieser Wille. Dieser Wurf. Nikola Karabatic spielen zu sehen, ist fast wie ein Naturereignis. Die Experten sind sich weitgehend einig: Der Franzose ist momentan der beste Handballer der Welt. Im Alter von nur 24 Jahren hat er sowohl auf Vereinsebene als auch mit der Nationalmannschaft fast alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Mit Frankreich wurde er 2006 Europameister, im vergangenen Jahr biss er in Peking glücklich in die Goldmedaille. Nur der WM-Titel fehlt dem amtierenden Welthandballer noch in seiner Sammlung, bei den vergangenen drei Anläufen scheiterten die Franzosen jeweils im Halbfinale. Klappt es 2009? Gut möglich, vor allem, wenn Thierry Omeyer zu Höchst- oder besser gesagt Normalform aufläuft. Einmal in Fahrt, ist der Torhüter, beim THW Kiel Karabatics Teamkollege, kaum zu überwinden und wehrt wie im Rausch einen Ball nach dem anderen ab. Gegenspieler können da nur noch ungläubig mit dem Kopf schütteln.

Die Bundesliga-Legionäre

Karabatic (24) und Omeyer (32) eilen mit dem THW Kiel von Titel zu Titel. Bertrand Gille gönnt sich zwar eine Auszeit, sein Bruder Guillaume Gille (32) vom HSV Hamburg stand jedoch im vorläufigen WM-Kader, den Trainer Claude Onesta im Dezember bei der IHF einreichte. Gleiches gilt für Franck Junillon (30) von der MT Melsungen. Mit Daniel Narcisse (29, ehemals VfL Gummersbach, inzwischen Chambery Savoie) gehört ein weiterer ehemaliger Bundesligaprofi zu den Leistungsträgern.

Die Erfolge

Aus der Weltspitze sind die Franzosen nicht wegzudenken. In Peking wurden sie 2008 erstmals Olympiasieger, bei der EM in Norwegen waren sie im Halbfinale an Kroatien gescheitert und belegten am Ende Platz drei. Den EM-Titel hatten sie 2006 in der Schweiz bereits eingefahren. Der letzte WM-Sieg gelang 2001 im eigenen Land. Danach kam jeweils im Halbfinale das Aus, zuletzt 2007 im Verlängerungskrimi gegen den späteren Weltmeister Deutschland.

Der Trainer

Claude Onesta bejubelt mit seinen Spielern den Olympiasieg
Auf dem Olymp! Claude Onesta und seine Spieler feiern Gold in Peking.
© imago

In Deutschland dürfte Claude Onesta den Zuschauern wegen seiner Wutausbrüche nach dem verlorenen Halbfinale gegen die DHB-Auswahl bei der WM 2007 in Erinnerung geblieben sein. Dort zeigte er sich als schlechter Verlierer, tobte nicht nur nach dem Spiel, sondern legte später sogar noch nach, indem er eine "deutsche Mafia" für das Aus verantwortlich machte. Tatsächlich ist Onesta aber ein hervorragender Trainer, unter dessen Führung Frankreich ein Dauergast in der Weltspitze wurde. "Nach einem großen Titel wie der Goldmedaille bei Olympia ist es sehr schwer, diese Leistung zu bestätigen", glaubt der 51-Jährige, der nach dem WM-Titel 2001 die Nachfolge Daniel Costantinis antrat. Understatement?

Was für Frankreich spricht

Der Rückraum der Franzosen gehört ohne Frage zum Besten, was die Welt zu bieten hat: Karabatic, Jerome Fernandez, Narcisse - da kann man nur mit der Zunge schnalzen. In Thierry Omeyer hat der Olympiasieger zudem einen Torhüter, der an guten Tagen ein Spiel alleine entscheiden kann. Mit Abwehrchef Didier Dinart und Rechtsaußen Luc Abalo stehen neben Fernandez noch zwei weitere Akteure von Champions-League-Sieger Ciudad Real im Kader. Ein großes Plus der Franzosen war in der Vergangenheit der starke Teamgeist.

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Was gegen Frankreich spricht

Der Verschleiß. Die endlose Terminhatz geht vor allem an einem Karabatic nicht spurlos vorüber. "Das ist unmenschlich, der Körper schafft es nicht", sagte Karabatic in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung": "Wir alle wissen: Nach unserer Karriere werden wir nicht mehr richtig gesund sein." Der Welthandballer überlegte wegen der hohen Belastung - 2008 absolvierte er 70 Pflichtspiele - sogar, auf die WM-Teilnahme zu verzichten. Sein Kollege Bertrand Gille tat es. Die Strapazen der vergangenen Jahre haben den Kreisläufer sichtlich mitgenommen, sein Fehlen können die Franzosen kaum kompensieren.

14.01.09
 
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02.06. 16:30 - -:-
 
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