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27.01.2018, 14:10

Krönt sich Spanien endlich auch mit dem EM-Titel?

Sterbik zurück: Die Angst vor dem spanischen Wolf

Den Franzosen dürfte es eiskalt den Rücken hinuntergelaufen sein, als diese Nachricht am Freitag die Runde machte: Arpad Sterbik gehörte extrem überraschend wieder zum spanischen Aufgebot - und half direkt beim Finaleinzug mit. Nun wollen bei den Iberern alle mehr.

Wer hat Angst vor dem spanischen Wolf? Arpad Sterbik steht bei den Iberern überraschend wieder im Tor.
Wer hat Angst vor dem spanischen Wolf? Arpad Sterbik steht bei den Iberern überraschend wieder im Tor.
© imagoZoomansicht

Die "Alten Herren" tollten wie kleine Kinder über das Parkett. Sie hüpften im Kreis, feierten ausgelassen mit ihren Fans und fielen sich immer wieder freudestrahlend in die Arme. Nach dem Überraschungs-Coup gegen Weltmeister Frankreich wollen sich Spaniens Handballer im Endspiel am Sonntag gegen Rekord-Europameister Schweden nun im sechsten Anlauf auch endlich die EM-Krone aufsetzen.

"Dieses Gefühl ist sehr schön", erklärte Ex-Kieler Joan Canellas, berauscht vom erstaunlich ungefährdeten 27:23-Halbfinalerfolg gegen den großen Turnierfavoriten. Doch schon im nächsten Atemzug erinnerte der erfahrene Rückraumspieler daran, dass die Mission des Deutschland-Bezwingers noch nicht erfüllt ist. "Wir sind zufrieden, aber das waren wir auch schon vor zwei Jahren. Jetzt wollen wir Geschichte schreiben." Das wollten die Spanier schon öfter. Fünf Mal standen die Iberer in einem EM-Endspiel, fünf Mal scheiterten sie. Zuletzt 2016 in Polen an Deutschland. Bloß kein weiteres Déjà-vu, der Finalfluch soll endlich besiegt werden.

Guardiola: "Unsere Combo ist unglaublich gut"

"Das war von Anfang an unser Ziel", sagte Abwehrchef Gedeon Guardiola vom deutschen Meister Rhein-Neckar Löwen. Zum Vergleich: Für Schweden geht es am Sonntag (20.30 Uhr) schon um EM-Titel Nummer fünf. Die große Stärke der Spanier, die vor dem Turnier wie die Skandinavier nicht zu den großen Favoriten zählten, liegt in der Erfahrung. Mit 30,5 Jahren liegt der Altersschnitt des EM-Kaders weit über dem der anderen Teams. Neun Spieler haben die 30 bereits überschritten. "Das ist unser Geheimnis", meint Guardiola und fügt an: "Unsere Combo ist unglaublich gut. Wir haben junge Außen und Erfahrung im Rückraum. Das ist perfekt."

Hinzu kommt seit Freitag ein weiterer Trumpf namens Sterbik. Der 38 Jahre alte Torhüter, der seine internationale Karriere eigentlich längst beendet hatte, stand nach der Verletzung von Stammkeeper Gonzalo Perez de Vargas plötzlich wieder im Aufgebot. Den Franzosen flößte der Weltmeister von 2013, Spitzname "serbischer Bär", so viel Respekt ein, dass sie gleich dreimal vom Siebenmeterpunkt an ihm scheiterten.

Erste WM-Medaille vor 19 Jahren

"Er ist wie eine Maschine", lobte Canellas den Welthandballer von 2005, der seine erste WM-Medaille vor 19 Jahren mit Jugoslawien gewann. Sterbik habe "Kraft im Kopf" und "viel Erfahrung. Du hast immer ein bisschen Angst, wenn du gegen ihn wirfst." Wenn der spanische Wolf vor dir steht.

Neben seinen hervorragenden Torhütern besticht Spanien mit einer kompromisslosen Abwehr und einem konzentriertem Angriffsspiel. Während die Schweden im Halbfinale gegen Olympiasieger Dänemark mit ihrem spektakulären Tempospiel für Furore sorgten, liegt bei den Spaniern die Kraft eher in der Ruhe. So auch am Freitagabend. Immer wieder bissen sich die französischen Rückraumstars um Nikola Karabatic die Zähne an der spanischen Defensive aus. Vorne führten die Oldies Daniel Sarmiento (34) und Canellas (31) geschickt Regie und ließen den Ball geduldig laufen, bis sich irgendwo eine Lücke auftat.

Diese Qualitäten werden die "Alten Herren" auch am Sonntag in die Waagschale werfen, um sich ihren großen Traum zu verwirklichen: Nach den WM-Triumphen von 2005 und 2013 wollen die Spanier endlich auch den EM-Thron besteigen. Sterbik muss man trotz seines fortgeschrittenen Alters nicht dabei helfen.

msc/sid

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