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08.01.2018, 23:14

Handball-EM 2018: Porträt Gastgeber Kroatien

Goldfieber in Kroatien - Duvnjak unter Druck

Gemeinhin gilt Kroatien im Handball als echte Macht. Diesen Ruf haben sich die Kroaten seit Mitte der 1990er Jahre hart erarbeitet. Die größten Erfolge dabei waren zwei olympische Goldmedaillen (1996 und 2004) sowie ein WM-Titel (2003), zuletzt stand man bei Großturnieren immer mindestens unter den letzten sechs Teams. Bei Europameisterschaften blieb der Titel bislang aber aus, doch das soll sich zu Hause endlich ändern. Hoffnungsträger dabei sind: Coach Lino Cervar und Superstar Domagoj Duvnjak.

Domagoj Duvnjak: Klappt es endlich mit dem großen Titel?
Domagoj Duvnjak: Klappt es endlich mit dem großen Titel?
© imagoZoomansicht

Ivano Balic ist vielleicht der größte Handballer, den Kroatien hervorgebracht hat. Der Spielmacher hat im Laufe seiner ruhmreichen Karriere nahezu alles gewonnen, nur die EM blieb ihm verwehrt. Sein designierter Nachfolger ist Domagoj Duvnjak - ebenfalls außerordentlich talentiert. Auf Vereinsebene feierte der Kieler auch große Erfolge, doch mit der Nationalmannschaft blieb ihm der ganz große Wurf bislang verwehrt.

Bei den Europameisterschaften 2008 und 2010 sowie der WM 2009 scheiterte der Welthandballer von 2013 mit den Kroaten jeweils im Finale. Hinzu kommen noch Bronzemedaillen von den olympischen Spielen in London (2012) sowie der EM 2012, der WM 2013 und zuletzt der EM 2016.

Der Traum von der EM lebt

Diesmal soll es endlich klappen mit dem Titel, zumal "Dule" mit 29 Jahren auch nicht mehr der Jüngste ist und allmählich Gefahr läuft, als vergeudetes Talent in seiner Heimat abgestempelt zu werden. Nur mit einem großen Titel dürfte Duvnjak bei den erfolgsverwöhnten Fans daheim seinen Heldenstatus behaupten können.

Das Ziel scheint also klar: Europameister 2018 im eigenen Land. Und auch der Verband machte viel, damit das endlich klappt. So wurde der exzentrische Erfolgscoach Lino Cervar zurückgeholt, der von 2002 bis 2010 die Feurigen in 159 Länderspielen trainierte, sich dann aber nach internen Querelen verabschiedet hatte. Nun aber ist alles wieder gut - und an Cervars Fähigkeiten gibt es ohnehin keine Zweifel. Der 67-Jährige ist ein ausgewiesener Experte in seinem Fach und feierte mit Kroatien große Erfolge - die Höhepunkte waren dabei sicherlich der WM-Titel 2003 sowie olympisches Gold in Athen 2004.

Cervar baut auf Defensive und hat eine Überraschung in petto

Cervar ist ein Verfechter eines defensiven Ansatzes, so lässt er gerne im 5-1 oder gar 6-0 verteidigen. Riskante Varianten wie das einst von Kroatien so erfolgreich praktizierte 3-2-1 stehen bei ihm derzeit nicht hoch im Kurs, wohl auch wegen der Tatsache, dass die Kroaten aktuell keinen Flügelspieler haben, der defensiv stark genug ist, um vorne ganz allein draufgehen zu können. Mit einem 3-2-1 der Kroaten braucht man also nicht rechnen, dafür kündigte Cervar aber während einer Fragerunde mit Fans ein Novum an - etwas, "das es so noch nicht gegeben hat" - mehr verriet der Trainer nicht.

Deutschland kann für jede Mannschaft eine Tretmine sein!Lino Cervar zur Stärke der deutschen Handball-Nationalmannschaft

Cervar macht auch kein Geheimnis daraus, dass Duvnjak die Führungsfigur sein soll, allerdings liege der Fokus auf "mannschaftlicher Geschlossenheit, da nur diese Resultate einbringt". Ein Vergleich mit der goldenen Generation von 2003/04 verbittet sich Cervar, da das damals einfach ein "Dream-Team war und es eine derartige Mannschaft nie wieder geben wird". In der Tat hat die aktuelle Generation weniger große Individualisten als die von damals, kompensiert wird das aber durch ein starkes Kollektiv und einen ebenso breiten wie ausgeglichenen Kader.

Euphorie in Kroatien - Cervar drückt auf die Bremse

Er hat eine Überraschung für die Endrunde angekündigt: Kroatiens Trainer Lino Cervar.
Er hat eine Überraschung für die Endrunde angekündigt: Kroatiens Trainer Lino Cervar.
© imagoZoomansicht

Allein das reicht schon aus, um im handballverrückten Land eine Euphorie loszutreten, die ihresgleichen sucht. Bei vielen Fans ist der Traum von Gold im eigenen Land allgegenwärtig. Von dieser Euphorie lässt sich Cervar allerdings nicht anstecken, er übt sich lieber in Bescheidenheit. "Wir haben seit sieben Jahren kein Finale mehr erreicht", stellt Cervar kühl fest und fragt ergänzend: "Welche Argumente haben wir, um als Top-Favorit zu gelten? Nur den Heim-Vorteil."

Bessere Chancen gibt der Coach Titelverteidiger Deutschland, das "für jede Mannschaft eine Tretmine sein kann", Olympia-Sieger Dänemark und vor allem Frankreich, "das seit Jahren den Welthandball dominiert". Dennoch hält das Cervar nicht davon ab, nach dem Höchsten zu streben. Das unterstreicht er, indem er seinen Weltklasse-Rechtsaußen Ivan Cupic zitiert: "Als Profisportler kann man es nicht akzeptieren, dass jemand anderes besser ist."

Knüppelharte Vorrunde: Verlieren verboten

Die Vorrunde bestreiten die Kroaten übrigens nicht in der Hauptstadt Zagreb, vielmehr in Split, wo eine knüppelharte Gruppe wartet. Zum Auftakt am 12. Januar geht es los mit dem emotionsgeladenen Derby gegen Nachbar Serbien. Ein schwieriger Auftakt, da es gegen einen Gegner geht, der zwar nicht zu den Top-Teams zählt, gegen die Kroaten aber in der Vergangenheit oft gut ausgesehen hat und durchaus für eine Überraschung gut ist. Angesichts der Tatsache, dass mit Island (14. Januar) und Schweden (16. Januar) noch zwei Schwergewichte des europäischen Handballs warten, darf sich der Gastgeber aber auf gar keinen Fall einen Ausrutscher leisten. An ausreichend Druck mangelt es Duvnjak & Co demnach nicht.

drm

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Europameisterschaft - Tabelle

Pl. VereinTorePkte.
1 Kroatien32:222
 
2 Island26:242
 
3 Schweden24:260
 
4 Serbien22:320

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