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12.01.2018, 14:29

Der neue Bundestrainer im großen Portrait

Prokop: Für Handball ließ er sich den Oberschenkel brechen

Kurz nach seiner Verpflichtung wurde Christian Prokop (39) bereits als der "Nagelsmann des Handballs" bezeichnet. Die stattliche Ablöse, die der DHB nach Leipzig überwies, ist die eine Sache. Ein Blick zurück auf seine bisherige Karriere sagt aber viel mehr über ihn aus.

Er hat mit seinen 39 Jahren im Handball schon viel erlebt: Bundestrainer Christian Prokop.
Er hat mit seinen 39 Jahren im Handball schon viel erlebt: Bundestrainer Christian Prokop.
© imagoZoomansicht

Am 24. Dezember 1978 wurde Christian Prokop in Köthen geboren. Er stammt aus einer Sportler-Familie, sein Vater war selbst Handballspieler und anschließend Trainer, die Mutter war Leistungsturnerin. Prokop durfte seinen Traum vom Handball leben, schaffte im Sommer 2000 mit nur 20 Jahren den Sprung in die Bundesliga: Nach einem Jahr beim HC Wuppertal wechselte der Halblinke zur TSV GWD Minden. Dort machte der Rechtshänder derart auf sich aufmerksam, dass er in die B-Nationalmannschaft berufen wurde.

Der internationale Ausflug hatte allerdings schlimme Folgen: Im März 1999 gegen Ägypten verdrehte sich Propkop bei einer hastigen Bewegung sein linkes Knie. In Verbindung mit der Fehlstellung seiner Beine und der stetigen Belastung entstand eine Arthrose, auch zwei Operationen ließen die Schmerzen nicht verschwinden. Plötzlich reifte in Prokop die Idee, auf die linke Hand umzuschulen, weil er dann mit rechts abspringen könne. Vor der dritten Operation ließ sich Prokop dann tatsächlich unter Vollnarkose den linken Oberschenkel brechen. Die Beinachse veränderte sich um neun Grad, aus einem Rechtshänder mit X-Beinen wurde ein Linkshänder mit leichten O-Beinen.

"Normalerweise kommt diese OP- Methode bei Menschen ab 50, 60 Jahren zum Einsatz, um die Knie zu entlasten und im Alltag wieder schmerzfrei zu sein", erklärte Prokop. Im ungewöhnlichen Alter von 22 Jahren entschied er sich schließlich, die Handballschuhe an den Nagel zu hängen. Schon im März 2003 erwarb Prokop dafür die A-Lizenz als Trainer, hatte binnen zehn Jahren dann sechs Stationen hinter sich.

Ein Glücksfall für Leipzig - und Prokop

Zur Saison 2013/14 übernahm der zweifache Familienvater den SC DHfK Leipzig - ein Glücksfall für beide Seiten. 2015 stieg Prokop mit den Sachsen in die Bundesliga auf, in der Spielzeit 2015/16 wurde er gar zum "Trainer der Saison" gewählt. Weil der Erfolg unter ihm anhielt, galt Prokop schnell als aussichtsreicher Kandidat für die Nachfolge des scheidenden Bundestrainers Dagur Sigurdsson.

Er ist mit Sicherheit einer der talentiertesten deutschen Trainer.Ex-Profi Stefan Kretzschmar über Christian Prokop

Nachdem er dem DHB zugesagt hatte, ließen ihn "unglaubliche Fanbekundungen" in Leipzig aber ins Zweifeln kommen. Von den Gefühlen übermannt versprach er seinem Team zwischenzeitlich gar den Verbleib. Dieses Bekenntnis musste Prokop allerdings noch einmal korrigieren, er wollte doch Bundestrainer werden. Er habe dennoch ständig mit sich gerungen.

Nun soll Prokop an die Erfolge von Vorgänger Sigurdsson anknüpfen, möglichst schon bei der Europameisterschaft in Kroatien. Die Mannschaft hat ihn vor allem als "unglaublich akribischen Arbeiter" kennengelernt, so der Tenor. Nationalkeeper Silvio Heinevetter beschrieb Prokop im ZDF als "immer braun gebrannt, immer gegelt". Linkshänder Kai Häfner sieht den neuen Coach als Taktiker, der "24 Stunden Handball lebt". In Interviews kommt Prokop locker rüber, sonst eilt ihm aber der Ruf eines versessenen Analytikers nach, der extrem viel Wert auf Punkte wie Taktik und Spielvorbereitung legt.

Bis 2022 und ohne Ausstiegsklausel

In jungen Jahren als Spieler im Trikot der GWD Minden: Christian Prokop.
In jungen Jahren als Spieler im Trikot der GWD Minden: Christian Prokop.
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Es hat schon seine Gründe, warum der klamme Verband angeblich 500.000 Euro als Ablöse in die Hand nahm. Prokop unterzeichnete einen Fünfjahresvertrag bis 2022 ohne Ausstiegsklausel. "Er ist mit Sicherheit einer der talentiertesten deutschen Trainer und ich traue ihm zu, die deutsche Nationalmannschaft erfolgreich weiterzuführen", sagte Ex-Profi Stefan Kretzschmar über Prokop, mit dem er in Leipzig eng zusammenarbeitete.

Mit Prokop geht der deutsche Handball in eine neue Ära, in der der "Herzensmensch" Großes erreichen will und auch soll. Im vergangenen Oktober feierte er einen ersten persönlichen Erfolg: Prokop beging die erste Jogging-Runde seit 14 Jahren.

msc

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Die EM 2018 in Kroatien (12. bis 28. Januar) ist in vollem Gange: Mit Rune Dahmke, Fabian Wiede und Abwehrchef Finn Lemke hatte Christian Prokop vor dem Turnier drei Europameister gestrichen. Nach dem zweiten Spiel wurde Lemke allerdings für Bastian Roscheck nachnominiert. In der Hauptrunde rückte auch Dahmke nach.
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