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01.02.2016, 16:50

Deutsche Europameister in Berlin empfangen

Feier-Marathon: Rückkehr einer goldenen Generation

Die Spuren einer wilden Nacht waren überdeutlich, aber nach 16 Stunden Siegesrausch am Stück zündeten die Handball-Helden mit müden Augen die nächste Stufe. "Berlin reißen wir jetzt auch noch ab!", rief der im Finale überragende Torhüter Andreas Wolff mit knarziger Stimme - und schon der Charterflug von Krakau in die deutsche Hauptstadt war wieder eine einzige Party.

Zurück auf deutschem Boden: Carsten Lichtlein reckt die Schale in die Höhe.
Zurück auf deutschem Boden: Carsten Lichtlein reckt die Schale in die Höhe.
© Getty ImagesZoomansicht

Bierflaschen klackerten aneinander, kratzige Bärte küssten den goldenen EM-Teller. Sofort ging es weiter zur großen Siegesfeier mit den Fans in der Max-Schmeling-Halle, das Adrenalin hielt die neuen Sensations-Europameister aufrecht. Nach dem goldenen EM-Triumph gegen Spanien am Sonntagabend hatte es keinerlei Zurückhaltung mehr gegeben. Schon vormittags in Polen hörte sich Wolff an wie ein altes Gartentor.

"Ich war um sieben im Bett. Dann habe ich zwei Stunden geschlafen", röhrte er um 11.00 Uhr, als die Helden nicht nur freudetrunken aus ihrem Hotel "Hilton DoubleTree" geschlurft kamen. Im Bus sangen die "Bad Boys", wie sie sich intern nennen, ihre Lieder mehr laut als schön, und Julius Kühn bekam bei der ersten Frage seine x-te Gänsehaut. "Ich war vor einer Woche auf der Couch, jetzt komme ich als Champion nach Hause! Und Kai Häfner geht es genauso. Wahnsinn", sagte der nachnominierte Rückraumspieler aus Hannover.

"Wir haben sehr, sehr gut gefeiert"

Entsprechend hatten alle im Gewölbekeller des Edel-Restaurants "La Grande Mamma" im Herzen der Krakauer Altstadt bis tief in die Nacht auf ihren Stühlen getanzt - Andi Wolff, die "schwarze Bestie", wie die spanische Sportzeitung AS am Montag schrieb, und der normalerweise so ruhige Erfolgstrainer Dagur Sigurdsson, die Triebfeder "des Wunders von Krakau", in erster Reihe. "Wir haben sehr, sehr gut gefeiert. Vollgas!", berichtete Kühn.

Sigurdsson war da immer noch fast schockiert von diesem famosen 24:17 seiner jungen Mannschaft gegen völlig überforderte Spanier. "Ich bin überglücklich, stolz und fassungslos! Man kann das fast nicht glauben", sagte der 42-Jährige. In der Tat: Der deutsche Höhenrausch hatte eine neue Dimension erreicht. Zum Abschluss ihrer phänomenalen zweieinhalb Wochen in Polen verschob die "Rasselbande" des Turniers noch einmal ihre Grenzen. Einem Vergleich mit den EM-Coups der Fußballer Dänemarks 1992 und Griechenlands 2004 hält der Titelgewinn der DHB-Auswahl locker stand.

"Vielleicht die Geburt einer großen Generation"

Haben den Titel ausgiebig gefeiert: Die deutschen Handballer bei der "Kabinenparty".
Haben den Titel ausgiebig gefeiert: Die deutschen Handballer bei der "Kabinenparty".
© Getty Images

Wolff schien das Torwartspiel gegen Spanien mit unfassbaren Paraden und wahnwitzigen 48 Prozent gehaltener Bälle neu definiert zu haben. Doch darüber wollte er gar nicht so groß reden - zwischen Bier und Champagner schaute die Schlüsselfigur des Handball-Märchens nach vorne. "Vielleicht ist dies die Geburt einer großen Generation", sagte er. "Wir haben mit dieser geilen Mannschaft das Potenzial, alles zu gewinnen, was uns im Weg steht. Wir holen uns noch den WM-Titel und den Olympiasieg!" Der Glaube, das haben bis zu 17,4 Millionen Zuschauer live in der ARD (Schnitt: 12,98 Millionen) gesehen, könne "einen ganzen Gebirgszug versetzen".

Um 14.22 Uhr landete die Chartermaschine der DHB-Auswahl pünktlich auf dem militärischen Teil des Flughafens in Berlin-Tegel. Die Flughafen-Feuerwehr begrüßte den Flieger mit Wasserfontänen, rund 15 Kamerateams waren vor Ort. Aus dem Cockpit wurde eine Deutschland-Fahne geschwenkt. Anschließend boten tausende Fans den Schützlingen von Sigurdsson einen gebührenden Empfang in der Max-Schmeling-Halle. Bundestrainer Sigurdsson, einst Chefcoach der Füchse Berlin, wurde euphorisch gefeiert. "Das ist meine Heimat", rief der Isländer den schwarz-rot-goldenen Anhängern zu. Im Chor erwiderten die Fans: "Oh wie es das schön!"

Roggisch: "Das wird eine Riesenaufgabe"

Ein Bild für die Ewigkeit: Teammanager Oliver Roggisch (l.) hielt den Moment fest.
Ein Bild für die Ewigkeit: Teammanager Oliver Roggisch (l.) hielt den Moment fest.
© imagoZoomansicht

Und dennoch: Der EM-Titel lag definitiv nicht auf der Straße. Irgendwie aber schaffte es diese Mannschaft, an den Verletzungssorgen zu wachsen, die Emotionen als Schub zu nehmen und im Adrenalinrausch den Thron zu stürmen. Im Gegensatz zu 2007, als es nach dem WM-Titel rasant bergab ging, soll das EM-Gold von Polen nur der Anfang eines Aufstieges sein. "Das wird eine Riesenaufgabe", sagte Teammanager Oliver Roggisch, einer der Weltmeister von damals.

Ob die Erwartungen nun neu definiert werden müssen? Nach den Nackenschlägen der verpassten Olympia-Quali 2012 und der EM 2014 ohne deutsche Beteiligung heißt es für die DHB-Auswahl: plötzlich Europameister. Man mag es kaum aussprechen, aber angesichts der bevorstehenden Rückkehr von Leistungsträgern wie Kapitän Uwe Gensheimer oder Steffen Weinhold könnte das Ziel sein: Olympiasieg! Und zwar schon 2016.

dpa/sid

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kicker.tv Hintergrund- 01.02., 18:25 Uhr
Wolff: "Berlin reißen wir noch ab"
Kaum jemand hatte damit gerechnet, doch es so passiert. Die deutsche Handball-Nationalmannschaft gewann die Europameisterschaft in Polen und sorgte so für ein weiteres Wintermärchen. Nach dem Finalsieg ging die Party los, die "so gut wie das Turnier war", wie Andreas Wolff bei der Ankunft in Deutschland bestätigte. Das Team um Erfolgscoach Dagur Sigurdsson wurde frenetisch empfangen.
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