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14.01.2016, 08:13

Die Polen wollen Gold im eigenen Land

Biegler: "Kein Everybody's-Darling-Typ"

Er ist der Deutsche auf der polnischen Trainerbank. Und er weiß, was das bedeutet. "Ich arbeite in einem fremden Land und, ohne es über zu bewerten: Deutschland und Polen, das ist durch unsere Geschichte eine besondere Konstellation", sagte Michael Biegler jüngst in einem Interview der "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung". Seit Oktober 2012 trainiert Biegler die Nationalmannschaft, er spricht von "uns" und von "wir", und er will die "Reprezentacja Polska" nun zum EM-Titel im eigenen Land führen.

Michael Biegler
Immer mit vollem Einsatz dabei: Polens Trainer Michael Biegler.
© imagoZoomansicht

Diese Herausforderung kommt für den 54-Jährigen gerade zur rechten Zeit. Die Sorgen um den HSV Handball kann er so auch ein wenig verdrängen. Der Verein ist insolvent. Biegler will ihn spätestens zum Ende dieser Saison verlassen. Selbst nach dem siebten Sieg des HSV in Serie hatte Biegler seine Entscheidung noch einmal bekräftigt. "Ich werde um 'Beagle' kämpfen", betonte Geschäftsführer Christian Fitzek aber. Wohl nicht ohne Grund.

Nach außen scheint Biegler der Typ harter Hund. "Er wirkt sehr raubeinig, ein bisschen unnahbar", betonte HSV-Torwart Johannes Bitter. In der Kabine sei er aber schon eher wie eine Mutter: "Er beschützt uns, er gibt uns unglaubliches Vertrauen." Biegler selbst sagt: "Ich bin kein Everybody's-Darling-Typ."

Entsprechend zurückhaltend reagierten zunächst auch polnische Medien auf die Verpflichtung des Deutschen. Es sei sicher keine Liebe auf den ersten Blick gewesen, meinte ein Reporter des Senders Polsat Sport. "Nicht alle mögen ihn, aber man muss ihn respektieren", resümierte Sportjournalist Dariusz Faron einmal über Biegler. Manche verübelten ihm, dass er sich nur auf deutsch äußerte und zu wenig lächelte, dieser "grimmige Deutsche".

Die Spieler schätzen Bieglers Art

Die Spieler aber schätzen seine Art. Ob beim HSV oder in der polnischen Auswahl, die er im vergangenen Jahr zum dritten Platz bei der WM in Katar führte. "Alle vertrauen ihm blind", versicherte der ehemalige HSV-Spieler Krzysztof Lijewski.

Deutschland hatte die WM nur durch eine Wildcard erreicht. In der Qualifikation war die DHB-Auswahl, die Biegler einst als Co-Trainer betreut hatte, gescheitert - an Polen. Bieglers Mannschaft gewann das Hinspiel daheim 25:24, das Rückspiel in Magdeburg 29:28. Bei der WM vor einem Jahr siegte Deutschland in der Gruppenphase 29:26, schied aber im Gegensatz zu Polen im Viertelfinale aus.

Polen will jetzt Gold

Der Bronzemedaille von Katar soll nun Gold im eigenen Land für die Polen folgen. "Dreimal stand ich schon auf dem Podium bei Weltmeisterschaften", betonte der ehemalige Magdeburger Kreisläufer Bartosz Jurecki im Interview der Sportzeitung "Przeglad Sportowy". "Die Medaille als Europameister fehlt mir noch." An diesem Freitag wollen Biegler und seine Schützlinge gegen Serbien den ersten Schritt auf dem Weg zum Europameister-Titel vor heimischer Kulisse ebnen.

dpa

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