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09.09.2014, 10:38

Nationalspieler im großen kicker-Interview

Weinhold: "Nicht nur von Umbruch reden"

Ein Mittelfranke erobert den hohen Norden: Erst Nordhorn, dann Flensburg und jetzt der THW Kiel. Den Durchbruch in der Bundesliga und der Nationalmannschaft hat Linkshänder Steffen Weinhold längst geschafft. Im großen kicker-Interview spricht der 28-Jährige über die berüchtigte Vorbereitung unter Alfred Gislason, Liebesfilme beim Rekordmeister, die Probleme im Nationalteam und einen möglichen Handball-Einstieg des FC Bayern München.

Steffen Weinhold
Hat es zum Rekordmeister geschafft: Steffen Weinhold sprach mit dem kicker.
© imagoZoomansicht

kicker: Herr Weinhold, zuerst zu Ihrem aktuellen Befinden. Sie haben sich im Spiel gegen den HSV (20:19) am 31. August den Zeigefinger der rechten Hand ausgekugelt - wie geht der Heilungsprozess voran?

Steffen Weinhold (28): Mir geht es jetzt schon ganz gut, ich habe meinen Zeigefinger geschient. Die ersten zehn Tage nachdem der Finger genäht wurde soll ich mit der Hand noch nichts machen. Danach hoffe ich, dass ich mit einem Tape möglichst schnell wieder Handball spielen kann.

kicker: Wie schwer fiel es Ihnen, nach dem Champions-League-Sieg die SG Flensburg-Handewitt zu verlassen - und dann auch noch ausgerechnet zum großen Rivalen nach Kiel?

Weinhold: Wenn du die alten Freunde und Mannschaftskollegen wiedersiehst, ist es nochmal ein wenig schwierig - wie als wir jetzt gegen Flensburg gespielt haben (am 26. August, 30:26 - d.Red.). Aber es ist doch alles recht schnelllebig. Nach dem Champions-League-Finale haben wir uns einen Tag gesehen und dann sind sowieso alle zu den Nationalmannschaften und in den Urlaub gefahren. Letztlich habe ich danach bei meiner neuen Mannschaft angefangen und da läuft es auch super mit den neuen Kollegen. Man ist immer ein bisschen wehmütig, aber man sieht dann die neue Aufgabe, auf die man sich auch freut.

kicker: Im Fußball schlagen ähnliche Wechsel enorm hohe Wellen. Etwa ein Mario Götze, der sich als Dortmunder Bayern München anschloss, musste eine Menge über sich ergehen lassen. Wie erklären Sie sich den Unterschied im Handball - gab es überhaupt Anfeindungen auf irgendeiner Ebene?

Weinhold: Beim Handball ist das mediale Interesse und das der Fans deutlich geringer, aber grundsätzlich gab es schon einige Anhänger, die das nicht so toll fanden. Das haben sie dann auch gezeigt oder in verschiedenen Foren geschrieben. Aber in der Halle war es immer ok, da habe ich das eigentlich nie so gefühlt. Die Fans haben mich unterstützt, weil sie auch die ganze Mannschaft unterstützen wollten. Das war mir auch wirklich wichtig - es wäre sonst nicht so einfach geworden, die Zeit durchzustehen.

kicker: Bevor dann die Zeit in Kiel wartete, fand noch die Fußball-WM in Brasilien statt - und Sie waren gleich bei mehreren Spielen live vor Ort. Wie kam es überhaupt dazu und welche Spiele waren es genau?

Weinhold: Ein Freund von mir wohnt seit zweieinhalb Jahren in Sao Paulo, den wollte ich schon länger unbedingt besuchen. Dann haben wir uns zu viert schon eine ungefähre Route ausgesucht und waren dann auch bei den deutschen Spielen gegen Ghana, Frankreich und Brasilien. Fußball war aber nicht der Hauptgrund, die Kultur hat uns mehr interessiert: Wir waren eine Woche an einem Dünenreservat, am Meer, im Dschungel und haben uns Rio angeschaut.

Nachdem, was man alles über Gislason gehört hat, war es im Rahmen. Es hätte auch schlimmer ausfallen können.Weinhold über die Vorbereitung unter Alfred Gislason

kicker: Die Vorbereitung unter THW-Trainer Alfred Gislason gilt als eine der härtesten, die sich ein Bundesligahandballer vorstellen kann. War's wirklich so schlimm?

Weinhold: Es gibt auf jeden Fall einen Unterschied zwischen den Bundesligatrainern. Aber Lubo (Ljubomir Vranjes, Anm.d.Red.) hat auch schon eine Vorbereitung auf sehr hohem Niveau durchgezogen. Es gab einige Dinge die anders waren, aber insgesamt war das Pensum genauso hoch wie in Flensburg zuvor. Nachdem, was man alles über Gislason gehört hat, war es im Rahmen. Es hätte auch schlimmer ausfallen können.

kicker: Zum Start gab es dann im Supercup gegen die Füchse Berlin (24:18) direkt den ersten Titel. Ein Gefühl, an das man sich in Kiel wohl schnell gewöhnen dürfte, oder?

Weinhold: Natürlich war es schön, da zu gewinnen, aber es gibt auch noch andere Ziele und Titel, um die man spielt. Dafür macht man das ja alles.

kicker: Apropos Gefühlswelten, in Ihrem ersten Heimspiel in der vollbesetzten Sparkassen-Arena wurden Sie gegen Ihre Ex-Kollegen aus Flensburg (30:26) direkt als Matchwinner gefeiert. Bleibt in einem solchen Spiel auch nur eine Sekunde, in der man so etwas wie Mitleid oder Demut empfindet?

Weinhold: Schwierig während des Spiels, aber im Vorfeld ist einem natürlich bewusst, dass es eine besondere Partie wird. Gerade nachdem es doch noch so früh in der Saison dazu kam. Aber währenddessen willst du nur gewinnen, ganz egal wie. Dass du danach mit den anderen aber mitfühlst, das ist schon so.

kicker: In Flensburg gehörten Sie zu den absoluten Leistungsträgern, beim THW sind Sie in einem Starensemble einer unter vielen. Was machte dennoch den Reiz aus, sich dem Projekt in Kiel anzuschließen?

Weinhold: Es ist einfach eine besondere Mannschaft, ein besonderer Verein. Und ich glaube auch, dass es einen immer auch persönlich ein Stück weiterbringen kann, wenn man täglich gegen große Spieler gefordert ist.

Typische Bewegung: Weinhold tankt sich im Nationaltrikot durch.
Typische Bewegung: Weinhold tankt sich im Nationaltrikot durch.
© imago

kicker: Bislang ist aber noch etwas der Wurm drin: Nach fünf Spielen hat Ihr Team bereits vier Minuspunkte auf dem Konto. Im Vergleich: 2013/14 waren es am Ende neun Verlustpunkte, ein Jahr zuvor gar nur sieben - ist jetzt bereits die Mission Titelverteidigung in Gefahr?

Weinhold: Leichter wird es auf jeden Fall nicht. Wir müssen jetzt schauen, dass jeder möglichst schnell zu seiner Leistung findet. Und auch als Mannschaft müssen wir zusammenfinden, vier Minuspunkte zu dem Zeitpunkt sind zu viel.

kicker: Die größten Schwächen weist der THW bislang im Angriff auf. Sind es wirklich nur die normalen Abstimmungsschwierigkeiten oder spielen gerade auch andere Faktoren eine Rolle?

Weinhold: Wir machen noch zu viele Fehler in unserem Zusammenspiel, deswegen läuft es auch gerade vorne noch nicht rund. Dazu kommt die unglaublich schlechte Chancenverwertung in den ersten Partien.

kicker: Dennoch: Mit Joan Canellas, Domagoj Duvnjak und Ihnen präsentierte der Verein in diesem Sommer bereits drei hochklassige Neuzugänge, im kommenden Jahr folgt mit Niklas Landin auch noch ein Ausnahmekönner auf der Torhüterposition. Müssen sich die Fans spätestens ab der kommenden Saison wieder auf Langeweile in der Liga gefasst machen?

Weinhold: Das wurde ja vor dieser Spielzeit schon in den Raum gestellt, ich glaube aber deutlicher als nach den ersten vier Spielen kann man nicht sehen, dass dem nicht so ist.

Duvnjak möchte Liebesfilme sehen. Palmarsson steht auf Animationsfilme, Sprenger auf Actionfilme, die möglichst schlecht sind.Weinhold über sein Amt als Videowart beim THW

kicker: Vor der Saison wurde Ihnen das Amt des Videowarts von Kapitän Filip Jicha zugeteilt. Worin besteht die Hauptaufgabe und mit welchen Filmen kann man die Kollegen ködern oder auch entnerven?

Weinhold: Ich war in Flensburg schon zwei Jahre Videowart, ich kenne mich also schon ein bisschen aus. Die Videothek und die Auswahl sind hier tatsächlich sehr groß. Duvnjak möchte Liebesfilme sehen, er und Vujin fordern auch immer Filme mit Untertiteln in ihrer Heimatsprache. Palmarsson steht auf Animationsfilme, Sprenger auf Actionfilme, die möglichst schlecht sind. Jeder hat schon seine Prioritäten, ich versuche alle zufrieden zu stellen - aber einer meckert sowieso immer.

09.09.14
 
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Bundesliga - Tabelle

Pl. VereinTorePkte.
1Rhein-Neckar Löwen174:14010:2
 
2Frisch Auf Göppingen138:1259:1
 
3THW Kiel156:1468:4
 
4SC Magdeburg139:1307:3
 
5VfL Gummersbach173:1687:5
 
6HBW Balingen-Weilstetten138:1517:5
 
7SG Flensburg-Handewitt115:1016:2
 
8HSG Wetzlar144:1326:4
 
9Füchse Berlin140:1326:4
 
10TSV GWD Minden161:1556:6
 
11MT Melsungen163:1606:6
 
12Bergischer HC129:1325:5
 
13TuS N-Lübbecke165:1675:7
 
14TBV Lemgo146:1534:6
 
15TSV Hannover-Burgdorf128:1323:7
 
16TSG Friesenheim123:1452:8
 
17SG BBM Bietigheim135:1602:8
 
18HSV Hamburg144:1512:10
 
19HC Erlangen115:1461:9

Vereinsdaten

Vereinsname:THW Kiel
Anschrift:Turnverein Hassee-Winterbek Kiel
Herzog-Friedrich-Straße 52
24103 Kiel
Telefon: 04 31 - 67 03 90
Telefax: 04 31 - 67 03 930
Internet:http://www.thw-provinzial.de/thw/

Vereinsdaten

Vereinsname:HC Erlangen
Internet:http://www.hc-erlangen.de/

Vereinsdaten

Vereinsname:SG Flensburg-Handewitt
Anschrift:Spielgemeinschaft Flensburg-Handewitt
Schiffbrücke 66
24939 Flensburg
Telefon: 04 61 - 16 09 60
Telefax: 04 61 - 16 09 622
Internet:http://www.sg-flensburg-handewitt.de/home.html

Vereinsdaten

Teamname:Deutschland
Anschrift:Deutscher Handballbund
Strobelallee 56
44139 Dortmund
Deutschland
Telefon: (00 49) - (0)231 - 91 19 10
Telefax: (00 49) - (0)231 - 12 40 61
Internet:http://www.dhb.de/