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24.01.2013, 15:43

DHB-Team kommt der Weltspitze wieder näher

Neue Lust entfacht: Nur das i-Tüpfelchen fehlt

Zum ganz großen Wurf hat es für die deutschen Handballer bei der WM in Spanien dann doch nicht gereicht. Nach dem 24:28 gegen den Gastgeber trat die DHB-Auswahl die Heimreise am Donnerstag als Fünfter an. Auch wenn die Enttäuschung über das Viertelfinal-Aus natürlich noch nicht verzogen war: Der Auftritt des Teams von Bundestrainer Martin Heuberger macht Hoffnung auf mehr.

Sven-Sören Christophersen
Noch hingen die Trauben zu hoch: Sven-Sören Christophersen und das DHB-Team können aber wieder hoffnungsvoll nach vorne schauen.
© Getty ImagesZoomansicht

Auch nach der nächtlichen Abschiedssause überwog noch die Enttäuschung: Als die deutschen Handballer am Donnerstagmorgen gegen 6 Uhr mit müden Augen das Palazzo-Hotel in Saragossa verließen und sich im Regen mit dem Mannschaftbus Richtung Madrid aufmachten, war die Stimmung nach der Viertelfinalpleite gegen Spanien noch getrübt. Doch schon bevor es mittags mit dem Flieger zurück in die Heimat ging, hatte sich die Gemütslage des deutschen WM-Trosses wieder ein wenig aufgehellt.

Den fünften Platz hatte der neuformierten DHB-Auswahl vor der WM schließlich kaum jemand zugetraut. "Die Mannschaft hat in Deutschland eine neue Begeisterung für die Sportart ausgelöst. Sie hat einen sehr guten Eindruck gemacht und ist nicht mehr weit von der Weltspitze entfernt", sagte DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier. Ex-Bundestrainer Heiner Brand befand sogar: "Wenn man beim Handball unter den ersten Acht ist, dann ist man sicherlich in der Weltspitze. Wir müssen das jetzt aber weiter bestätigen und dann noch ein Stückchen nach oben klettern."

Nicht vermessen sein: Zurück in die Weltspitze ist es noch ein langer und harter Weg.Bundestrainer Martin Heuberger

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Ein Stückchen weiter, sprich ins Halbfinale, hätte es am Mittwochabend sogar durchaus gehen können. Bis zehn Minuten vor Schluss hielt das DHB-Team die Partie offen, dann erst zog der Gastgeber davon. "Ich hoffe, dass das alles ein Beginn war", kommentierte der Bundestrainer selbst, "aber wir dürfen nicht vermessen sein - zurück in die Weltspitze ist es noch ein langer und harter Weg."

Ungeachtet der öffentlichen Kritik an seiner Person hat Heuberger den Umbruch aber erfolgreich eingeleitet und aus einem unerfahrenen Team mit sechs WM-Debütanten und ohne überragende Einzelkönner eine verschworene Einheit geformt, die sich mit erfrischendem Tempo-Handball zurück in die Herzen der Fans spielte. Sieben Millionen Zuschauer fieberten am Mittwochabend vor dem Fernseher mit. Nach Jahren der Tristesse zeigt die Tendenz wieder nach oben, auch Brand glaubt an einen "Riesen-Imagegewinn".


Spanische Pressestimmen zum WM-Viertelfinale


El País: "Spanien steht nach einem harten Match gegen Deutschland und dank eines großen Sierra im Tor im Halbfinale. Es war von Beginn an ein titanisches Spiel. Es dauerte fast 50 Minuten, bis die spanischen Gladiatoren die deutsche Abwehrmauer stürzten."
El Mundo: "Aguinagalde und eine starke Abwehr lassen Spanien auftrumpfen. Torhüter Sierra war der Schlüssel zu einem Sieg, um den Spanien 50 Minuten lang bangen musste."
Marca: "Spanien ist dort, wo es hingehört. Aber es war ein äußerst schweres Spiel. Deutschland hat unser Bestes herausgefordert, sodass wir bis in die Schlussminuten warten mussten. Vor allem das deutsche Tempospiel hat uns das Leben schwer gemacht."
As: "Spanien triumphiert gegen Deutschland und steht im Halbfinale. Deutschland ist nicht mehr nur ein körperlich starkes Team. Sie können auch spielen. Sie laufen, ihre Außen fliegen, und der Mittelblock in der Abwehr gleicht einem Granitblock."


Christophersen und Heinevetter noch enttäuscht, Haaß sieht schon das Positive

So ganz war die Niederlage am Donnerstag dann aber noch nicht bei allen verarbeitet: "Es freut mich, dass das anscheinend viele Leute in der Heimat mitgenommen haben. Aber es fällt mir persönlich schwer, es schönzureden, dass wir im Viertelfinale ausgeschieden sind", sagte Rückraumspieler Sven-Sören Christophersen: "Wir haben gute Spiele abgeliefert, Höhepunkte gesehen, aber es wäre einfach das i-Tüpfelchen gewesen, die Spanier im eigenen Land rauszuschießen." Auch Torhüter Silvio Heinevetter wollte noch nicht in den positiven Grundtenor einstimmen: "Dicht dran zu sein, das bringt einem gar nichts. Das dauert noch ein paar Tage, bis wir stolz sein können auf das Turnier."

Spielmacher Michael Haaß, der eine überragende WM spielte, sah hingegen schon wieder das Positive: "Wir können mit erhobenem Haupt aus dem Turnier gehen. Wir haben in Deutschland wieder Lust auf Handball gemacht, auch wenn wir unter dem Strich nicht viel erreicht haben. Dass wir uns hier so präsentieren, damit haben die wenigsten gerechnet."

"Solange ich der Mannschaft helfen kann...": Roggisch macht weiter

Etwas mehr Cleverness beim Torabschluss, etwas mehr Durchschlagskraft im Positionsangriff - viel fehlte in Spanien nicht zum ganz großen Wurf. "Klar müssen wir aus den Fehlern lernen, sie aber irgendwo auch abhaken. Wenn wir so weitermachen wie jetzt, werden wir auch wieder die Chance auf ein Halbfinale kriegen", sagte Kapitän Oliver Roggisch zuversichtlich. Der unverzichtbare Abwehrchef erklärte noch am Abend des Ausscheidens, dass er seine Karriere in der Nationalmannschaft fortsetzen wird. "Solange ich der Mannschaft helfen kann, werde ich stolz sein, den Adler auf der Brust zu tragen", sagte der 34-Jährige, der den Blick dann schon wieder auf die kommenden Aufgaben in der EM-Qualifikation im Frühjahr richtete: "Da müssen wir uns durchbeißen."

Oliver Roggisch
Auch in Zukunft der Fels in der deutschen Abwehr: Olvier Roggisch macht im DHB-Team weiter.
© Getty Images

In den Duellen mit den Tschechen um Rückraumstar Filip Jicha Anfang April gilt es, den WM-Aufwärtstrend zu bestätigen. Die Europameisterschaft findet 2014 in Dänemark statt. Davor kommen auf den Bundestrainer personelle Entscheidungen zu: Ob er in Zukunft wieder auf Holger Glandorf und Lars Kaufmann zurückgreift, deren WM-Absagen für viel Wirbel gesorgt hatten, ließ Heuberger offen: "Wir hatten bei der WM sicherlich nicht die besten Einzelspieler, aber der Teamgeist war super. Und darauf werde ich auch in Zukunft ein starkes Augenmerk legen. Qualität ist wichtig, keine Frage. Aber die Mentalität muss auch stimmen", sagte der Bundestrainer, der nach Platz 7 bei der EM in Serbien und Platz 5 in Spanien schon mal eine scherzhafte Prognose wagte: "Wenn wir uns jedes Jahr um zwei Plätze steigern, sind wir in zwei Jahren Weltmeister."

Bilder zum Viertelfinale gegen Spanien
Gut gekämpft und Lehrgeld bezahlt
Antonio García gegen Adrian Pfahl (re.)
Harte Deckung

Deutschland war prima eingestellt und erkämpfte sich von Beginn an großen Respekt. Antonio García wird hier von Adrian Pfahl (re.) hart genommen.
© Getty Images

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