Die spanische Liga ist seit Jahren neben der Bundesliga eine der besten der Welt, regelmäßig sahnen die Topklubs auf europäischer Bühne Titel ab. Auch die Nationalmannschaft gehört zweifelsohne zur Weltspitze, zum ganz großen Wurf reichte es bislang allerdings nur bei der Weltmeisterschaft 2005 in Tunesien. Bei der EM scheiterten die Iberer dreimal im Endspiel (1996, 1998, 2006), zudem gewannen sie drei olympische Bronzemedaillen (1996, 2000, 2008). Auch bei der letzten WM in Schweden 2011 stand für das Team von Trainer Valero Rivera Platz drei zu Buche.
Wer sind die Säulen im Team des Gastgebers? Da wäre zum einen Torhüter-Legende Arpad Sterbik vom FC Barcelona. Wie auch Frankreichs Thierry Omeyer ist der 33-Jährige beim Turnier noch gar nicht richtig heiß gelaufen. Wenn das passiert, ist das Tor für gewöhnlich zugenagelt. Sein Ersatzmann Jose Sierra (34, Paris HB) kommt - wie Carsten Lichtlein beim DHB-Team - nur selten zum Einsatz.
Auf der Königsposition im linken Rückraum ruhen die spanischen Hoffnungen auf dem wurfgewaltigen Routinier Alberto Entrerrios, dessen Kreise das deutsche Team unbedingt einengen muss. Eine gleichwertige Alternative zum 36-Jährigen, der inzwischen in Nantes unter Vertrag steht, hat Rivera nicht. Spielmacher Daniel Sarmiento (29, FC Barcelona) wird in Spanien derzeit viel kritisiert, stellte bei der Achtelfinal-Demontage Serbiens (31:20) aber seine Qualitäten als torgefährlicher Ballverteiler unter Beweis. Im rechten Rückraum ist der kantige Jorge Maqueda (24, ebenfalls Nantes) gesetzt. Er ist bei den Spaniern bislang der Spieler mit der meisten Einsatzzeit, allerdings nicht überaus torgefährlich. Entrerrios und Maqueda gehören zudem nicht zu den beweglichsten Spielern - hieraus muss die DHB-Auswahl Kapital schlagen.
Am Kreis werden sich die deutschen Verteidiger mit dem bulligen Julen Aguinagalde (Atletico Madrid) auseinandersetzen müssen. Der 30-jährige Hüne (1,95 m, 116 kg) bewegt sich nicht viel, ist, wenn er erst einmal den Ball hat, aber kaum noch zu stoppen. Von 21 Würfen bei der WM hat er 18 versenkt. Wobei das spanische Spiel allerdings nicht allzu sehr auf seinen Kreisläufer ausgerichtet ist.
Exquisit besetzt sind die Iberer auf Rechtsaußen. Victor Tomas (27) und Albert Rocas (30) teilen sich die Einsatzzeiten und können getrost als Weltklasse eingestuft werden. Insgesamt gehen 57 Turniertore auf das Konto des Super-Duos vom FC Barcelona, das seine Stärken im Gegenstoß, aber auch in der Balleroberung hat. Auf den deutschen Linksaußen Dominik Klein kommt auf jeden Fall eine anspruchsvolle Aufgabe zu. Auf Linksaußen vertraut Trainer Rivera seinem Sohn Valero (27, Nantes) sowie dem jungen Aitor Arino (20, FC Barcelona). Auch sie sind insbesondere beim Gegenstoß stark.
Gefordert sein wird aber vor allem die deutsche Offensive, denn die Abwehr der Spanier ist ein echtes Bollwerk. Der Mittelbock um Viran Morros (29, FC Barcelona) und Joan Cannellas (26, Atletico Madrid) ist das Prunkstück im Team des Gastgebers. Als Alternative steht zudem Gedeon Guardiola von den Rhein-Neckar Löwen bereit. Die Spanier agieren meist in einer 6:0-Deckung, die jedoch offensiver auf Ballgewinne ausgerichtet ist als die ganz klassische Variante. Rechtsaußen Tomas: "Wenn unsere Abwehr gut steht, und wir kontern können, sind wir gefährlich." Und acht Gegenstoß-Tore gegen Vize-Europameister Serbien verdeutlichen genau das. Das deutsche Team (Bilanz gegen Spanien: 29/5/23) ist gewarnt. Auf einen Hexenkessel muss es sich in Saragossa sowieso einstellen.
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