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21.01.2013, 17:53

Mit Teamgeist und neuem Stil zur Medaille?

Heuberger: "Damit habe ich im Kühnsten nicht gerechnet"

Damit hätte selbst der Bundestrainer nicht gerechnet: Die deutschen Handballer haben bei der WM in Spanien das Viertelfinale erreicht - und boten auf dem Weg dorthin mitunter begeisternden Tempohandball. Der Umbruch unter Martin Heuberger trägt früher als gedacht Früchte. Jetzt darf es sogar noch ein bisschen mehr sein. Am Mittwoch steht das Viertelfinale an.

Jubelndes DHB-Team
Teamgeist und Frische als das große Plus: Das DHB-Team überrascht bei der WM selbst den Bundestrainer.
© Getty ImagesZoomansicht

"Ich bin schon überrascht. Dass es so gut läuft, damit habe ich im Kühnsten nicht gerechnet." Der Bundestrainer war am Montag immer noch verwundert. Durch ein klares 28:23 gegen Mazedonien hatte sein Team tags zuvor das WM-Viertelfinale erreicht. Nach Jahren der Tristesse ist das deutsche Team wieder auf dem Weg nach oben - nicht zuletzt dank Heuberger.

Viele Wechsel erhalten die Frische

Dieser hat die Nationalmannschaft seit seinem Amtsantritt vor anderthalb Jahren nicht nur personell umgekrempelt, sondern ihr auch einen neuen Stil verordnet: Nach dem Vorbild von Europameister Dänemark wechselt Heuberger viel - das zahlt sich aus. Die körperliche Frische der Spieler könnte bei der WM gepaart mit dem außerordentlichen Teamgeist zum entscheidenden Faktor auf dem Weg zu einem ungeahnten Erfolg werden: einer Medaille. "Die Dänen haben das in den letzten Jahren vorgemacht. Ich habe immer das Gefühl, wenn sie im Halbfinale oder Finale stehen, dann sind sie noch frisch", sagte Kapitän Oliver Roggisch: "Und genau das merkt man bei uns auch. Wir können 60 Minuten Vollgas geben, das ist schon beeindruckend - und richtig gut anzugucken."

Damit, dass der Umbruch binnen kurzer Zeit schon einen solchen Erfolg bringen würde, hatten vor Turnierbeginn allerdings nur Optimisten gerechnet. Heuberger musste im Vorfeld viel Kritik einstecken, nicht zuletzt nach der bitteren Heimniederlage gegen Montenegro in der WM-Qualifikation. Nach der 23:25-Vorrundenpleite gegen Tunesien fühlten sich die Kritiker schon wieder bestätigt. Inzwischen sind sie verstummt.

DHB-Vizepräsident Horst Bredemeier glaubt sogar: "Martin Heuberger hat das Zeug, die Mannschaft in die Weltspitze zurückzuführen. Er hat als Trainer der Mannschaft eine Linie verordnet. Das sieht man. Der Tempogegenstoß ist eine Waffe. Wir spielen modernen Handball."

Heubergers Stil kommt an, seine Philosophie war schon einmal erfolgreich

Bei der Mannschaft kommt Heubergers Stil ohnehin gut an. "Er ist nicht jemand, der etwas predigt, und dann muss jeder Amen sagen. Mit ihm kann man auch sprechen, wenn man andere Ideen hat", berichtete Roggisch: "Jeder sieht, wie die Mannschaft hinter dem Trainer steht, wie sie sich in jedem Spiel zerreißt für ihn. Eine bessere Bestätigung für den Trainer gibt es gar nicht."

Martin Heuberger
Seine Arbeit trägt bereits Früchte: Bundestrainer Martin Heuberger.
© picture alliance

Seine Philosophie vom modernen Handball hatte Heuberger in der Vergangenheit bereits als Trainer der Junioren erfolgreich umgesetzt, die er 2009 und 2011 zum WM-Titel führte. "Er hat sich von seinem Konzept überhaupt nicht geändert. Auch damals hatten wir einen breiten Kader und haben viel gewechselt", sagte Linksaußen Kevin Schmidt, der bei seinem WM-Debüt nicht nur als sicherer Siebenmeterschütze zu überzeugen weiß: "Das kam uns hinten raus entgegen und war unser Vorteil gegenüber anderen Mannschaften. Das kann auch dieses Jahr unser großes Plus werden."

Auch beim 28:23 gegen Mazedonien funktionierten die Wechselspiele wieder eindrucksvoll: Gleich elf Spieler, darunter sogar Abwehrchef Roggisch, trugen sich in die Torschützenliste ein - eine bemerkenswerte Bilanz. Die Vielseitigkeit macht das deutsche Team auch ein Stück weit unberechenbar: In allen sechs bisherigen WM-Spielen gab es einen anderen deutschen Haupt-Torschützen. Über das Fehlen überragender Einzelspieler wie Holger Glandorf oder Uwe Gensheimer redet im deutschen Lager schon längst keiner mehr.

Das ist vom Teamgeist her die beste Truppe, die ich je erlebt habe.DHB-Kapitän Oliver Roggisch

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"Wir kompensieren das ganz gut mit einer wahnsinnigen Geschlossenheit. Das ist vom Teamgeist her die beste Truppe, die ich je erlebt habe", sagt Roggisch, der schon seit elf Jahren dabei ist und auch den WM-Sieg 2007 miterlebte. Auch Torhüter Silvio Heinevetter unterstrich die einzigartige Atmosphäre in der Mannschaft: "Wir haben zwar keine Superstars, aber eine richtig geile Truppe."

Den nächsten Gegner der deutschen Mannschaft ermitteln Gastgeber Spanien und Vize-Europameister Serbien. Präferenzen hat Heuberger nicht: "Mir ist es völlig egal. Offen gestanden: Ich habe bisher noch gar nichts gesehen, weder von Spanien noch von Serbien, und kann deren Leistungsstärke nicht einschätzen." Am Montagabend will sich der Bundestrainer in Saragossa aber live in der Halle ein Bild von den möglichen Gegnern machen.

So oder so: Der Höhenflug soll noch lange nicht zu Ende sein. Heuberger: "Ich glaube, die Mannschaft hat Lunte gerochen und will noch einiges erreichen." Und das hört sich dann so an: "Ich möchte das Turnier gerne mit einem Sieg beenden. Was das bedeutet, kann sich jeder denken", sagte Linksaußen Dominik Klein und verabschiedete sich in den Bus nach Saragossa.

DHB-Team schlägt Mazedonien und steht im Viertelfinale
Wenn einer hält und alle treffen ...
Deutsche Fans
Farbenfroh

Die Vorfreude auf das Achtelfinale gegen Mazedonien war im deutschen Fan-Lager riesig.
© Getty Images

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