"Das ist ein tolles Gefühl. Wir haben nicht nur den Weltmeister geschlagen, sondern eine richtig tolle Leistung auf die Platte gebracht", jubelte der mit sechs Treffern beste deutsche Torschütze Patrick Groetzki nach dem Sensationscoup: "Das können wir genießen, aber es geht weiter. Wir werden mit voller Kraft ins Achtelfinale gehen, nicht dass dort Endstation ist." Ein bisschen Genugtuung war dann aber doch dabei: "Jeder hat uns für die Gurkentruppe vom Dienst gehalten, aber wir wissen, was wir können", sagte Spielmacher Michael Haaß, während Kapitän Oliver Roggisch mahnte: "Wir dürfen jetzt nicht denken, dass wir die Besten sind. Das Turnier geht jetzt erst los." Im Achtelfinale wartet am Sonntag Mazedonien, das in der Gruppe B nach dem 30:33 gegen Europameister Dänemark Platz vier belegte. Den Respekt der Franzosen hat das DHB-Team schon mal sicher: "Deutschland hat großartig gespielt", sagte Rückraum-Star Nikola Karabatic, Torhüter Thierry Omeyer ergänzte: "So kann Deutschland weit kommen."
Knapp 11.500 Zuschauer in Barcelona sahen eine unterhaltsame und temporeiche erste Hälfte, in der das deutsche Team den Franzosen auf Augenhöhe begegnete. Dabei ließen sich die Schützlinge von Bundestrainer Martin Heuberger, der die Partie im Vorfeld noch zum "Lernspiel" erklärt hatte, in der Anfangsphase auch von zahlreichen Zeitstrafen nicht aus der Fassung bringen. Nachdem der Titelverteidiger nach zehn Minuten erstmals auf drei Tore davon gezogen war (8:5), überstand die DHB-Auswahl sogar eine doppelte Unterzahl unbeschadet und kämpfte sich schnell wieder heran.
Durch vier Tore in Folge - davon zwei in Unterzahl - ging der Außenseiter, bei dem Abwehrchef Roggisch schon früh die zweite Zwei-Minuten-Strafe kassierte (12.), sogar mit 11:9 in Führung. Dabei setzten sich die schnellen deutschen Außen genauso erfolgreich in Szene wie der Rückraum. Mit viel Tempo und ständigen Positionswechseln zog das deutsche Team ein flüssiges Angriffsspiel auf, das den haushohen Favoriten vor große Probleme stellte.
„Jeder hat uns für die Gurkentruppe vom Dienst gehalten, aber wir wissen, was wir können.“DHB-Spielmacher Michael Haaß
Doch es blieb ein Auf und Ab. Denn nun trafen die Franzosen, bei denen der frühere Welthandballer Karabatic phasenweise nicht zu stoppen war, viermal in Serie und lagen wieder vorne. Das deutsche Team ließ sich jedoch nicht abschütteln. Treffer von Kreisläufer Patrick Wiencek und Rechtsaußen Groetzki sorgten dafür, dass es mit einem 16:16 in die Kabinen ging. Während Heinevetter im deutschen Tor stark auftrumpfte, erwischte Frankreichs Startorhüter Omeyer einen ganz schwachen Tag, bekam kaum einen Ball zu fassen - die erste von nur zwei Paraden verzeichnete er in der 19. Minute - und wurde nach der Pause durch Daouda Karaboué ersetzt.
Dieser musste nach der Pause binnen kurzer Zeit allerdings schon dreimal den Ball aus dem Netz holen. Beim Stand von 16:19 aus französischer Sicht nahm Erfolgscoach Claude Onesta die schnelle Auszeit. Die zeigte zunächst Wirkung, denn der Weltmeister kam zunächst wieder heran. Dann riss bei Karabatic & Co. jedoch komplett der Faden. Das DHB-Team zog mit fünf Toren hintereinander auf 27:22 davon (47.) - spätestens jetzt lag die Sensation im altehrwürdigen Palau Sant Jordi in der Luft.

Es wurde jedoch noch einmal richtig spannend, auch weil sich die deutsche Mannschaft im Spiel nach vorne - verunsicherte von einer Umstellung in der französischen Abwehr - nun mehrere leichte Fehler erlaubte. Der Vorsprung schmolz auf zwei Treffer (27:25). Die Angst vor der eigenen Courage? Nein. Die Heuberger-Truppe fing sich wieder und setzte in der dramatischen Schlussphase die entscheidenden Wirkungstreffer. Beim Stand von 31:29 parierte Carsten Lichtlein einen Siebenmeter von Samuel Honrubia, zuvor hatte Luc Abalo bereits gegen Heinevetter einen Strafwurf daneben gesetzt.
Karabatic, unlängst mit einer Rückkehr nach Kiel in Verbindung gebracht, verkürzte für Frankreich mit seinem achten Tor eine Minute vor Schluss auf 30:31. Das DHB-Team spielte die Zeit ein wenig herunter, 21 Sekunden vor dem Ende nahm Heuberger dann die letzte Auszeit. Der Sieg hätte der deutschen Mannschaft durchaus noch einmal aus den Händen gleiten können, doch nachdem Karaboué Christophersens Wurf pariert hatte, leistete er sich einen haarsträubenden Fehlpass. Groetzki setzte dem 32:30-Erfolg mit seinem sechsten Treffer die Krone auf, die Sensation war perfekt!
Frankreich: Omeyer, Karaboue - Karabatic (8), Abalo (6/3), Guigou (4/3), Honrubia (3/1), Narcisse (2), Accambray (2), Barachet (2), Bosquet (2), Sorhaindo (1)
Deutschland: Heinevetter, Lichtlein - Groetzki (6), Weinhold (4), Schmidt (4/2), Christophersen (3), Haaß (3), Klein (3), Fäth (3), Wiencek (2), Strobel (2), Theuerkauf (1), Kneer (1), Pfahl, Reichmann, Roggisch
Schiedsrichter: García/Marín (Spanien)
Zeitstrafen: 4:7
Siebenmeter: 7/10 - 2/2
Zuschauer in Barcelona: 11.500
| Heim | Gast | Erg. | ||
|---|---|---|---|---|
Argentinien | - | Tunesien | 18:22 | |
Frankreich | - | Deutschland | 30:32 | |
Montenegro | - | Brasilien | 25:26 | |
| Pl. | Verein | Tore | Pkte. | |
|---|---|---|---|---|
| 1 | ![]() | Deutschland | 148:126 | 8 |
| 2 | ![]() | Frankreich | 154:124 | 8 |
| 3 | ![]() | Brasilien | 122:127 | 6 |
| 4 | ![]() | Tunesien | 123:123 | 6 |
| 5 | ![]() | Argentinien | 116:138 | 2 |
| 6 | ![]() | Montenegro | 117:142 | 0 |