"Es scheint im internationalen Handball ein etabliertes System zu geben, in dem Unparteiische bei Europacup-Spielen bestochen werden", sagte Wiegert. Es ginge lediglich darum, wer geschickter im Umgang mit den Schiedsrichtern sei. In der Bundesliga sei dies aber wohl nicht der Fall, erklärte der 51-Jährige, der sich in der fünfstündigen Befragung - im Gegensatz zu vorherigen Zeugen - präzise an Details erinnerte.
Wiegert stützte seine Aussagen auf ein Treffen im Hause Serdarusic Anfang 2009. "Uwe hat Spiele verschoben", habe Serdarusic dort zu ihm gesagt. Damit bestätigte der Zeuge seine Aussagen aus Vernehmungen im Jahr 2009. Serdarusic habe damals ein Bild vermittelt, das Wiegert, wie er betonte, bis heute in Erinnerung geblieben sei: Ein Handballtrainer fungiere wie "im Krieg ein General, der für die Truppen da ist", sollen die Worte des früheren Kieler Erfolgstrainers gelautet haben. Aber der THW sei Opfer der großen Handballpolitik gewesen und habe Schiedsrichter bestechen müssen: "Wenn man nicht untergehen will, muss man sich den Gegebenheiten hingeben, um erfolgreich zu sein", soll Serdarusic laut Wiegert gesagt haben.
Vor der 5. Großen Strafkammer des Kieler Landgerichts gab Wiegert außerdem an, Beweise für die Manipulation des Champions-League-Finalrückspiels von 2007 in den Händen gehalten zu haben. Ob er die Belege für authentisch gehalten hatte, ließ er offen. Die Inhalte hätten ihn nicht interessiert.
Den Vorwurf der Verteidigung, die Rhein-Neckar Löwen hätten die angebliche Manipulation nur erfunden, um die Ablöse für die beiden Kieler Nikola Karabatic und Vid Kavticnik zu drücken, wies Wiegert zurück: "Darüber wurde niemals gesprochen."
Zum Auftakt des zwölften Verhandlungstages hatte Serdarusics Verteidiger Marc Langrock versucht, die Aussagen Wiegerts zu verhindern. Die Begründung: Zwischen Serdarusic und Wiegert habe am 25. Januar und 11. Februar 2009, als sich Vertreter der Rhein Neckar-Löwen mit ihrem designierten neuen Trainer getroffen hatten, ein anwaltliches Vertrauensverhältnis bestanden. Dieser Auffassung schloss sich die Strafkammer jedoch nicht an und erlaubte die Zeugenvernehmung.
Weiter geht es am Donnerstag kommender Woche. Dann tritt Georg Wegner, ehemaliger Gesellschafter des THW Kiel, in den Zeugenstand. Die Kammer rechnet mit einem baldigen Ende des Prozesses. Sie hält es für möglich, dass bereits im Januar 2012 die Plädoyers gehalten werden.
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