Kiel kurios: Keinen einzigen Neuzugang gibt es von der Förde zu vermelden. Wozu auch? Der Kader ist topbesetzt, und dass sich das massive Verletzungspech der Vorsaison wiederholt, ist äußerst unwahrscheinlich. Die Zuversicht ist zurück beim Vorjahreszweiten. "Wir sind bereit, um den ersten Platz zu kämpfen. Wir sind eine super Mannschaft und nicht schlechter geworden als im letzten Jahr", so Kiels Rückraum-Ass Kim Andersson, selbst in der Vorsaison ein Opfer der Verletzungsmisere, selbstbewusst. Auch der Franzose Daniel Narcisse hofft, nach seinem Seuchenjahr endlich wieder konstant Fuß zu fassen. Das erste direkte Duell im Supercup entschied die Gislason-Truppe für sich, Hamburg musste sich knapp mit 23:24 geschlagen geben. Neunfacher Torschütze: "Neuzugang" Andersson.
Und so tippen die meisten Liga-Trainer nicht auf den HSV als Meister, sondern auf den vorherigen Seriensieger. "Mein Tipp ist der THW Kiel. Die hatten letztes Jahr soviel Verletzungspech, das kann in diesem Ausmaß wohl nicht noch einmal so passieren. Beim HSV Hamburg werden sich die Mannschaft und der neue Trainer erst finden müssen", erklärte Rolf Brack, Trainer von HBW Balingen-Weilstetten, stellvertretend für viele.
Einiges hat sich an der Alster getan. Meister-Trainer Martin Schwalb ist nun Geschäftsführer und Präsident des Vereins, er lotste neben dem schwedischen Coach Per Carlen auch dessen Sohn Oscar und Torhüter Dan Beutler von der SG Flensburg-Handewitt anch Hamburg. Jungstar Oscar Carlen soll den zu den Rhein-Neckar Löwen abgewanderten Krzysztof Lijewski ersetzen, ist aber nach einem Kreuzbandriss noch nicht wieder fit. Die Niederlage im Supercup veranlasste Jogi Bitter schon einmal zur kritischen Reflexion. "Diese Niederlage ist am Ende ein kleiner Rückschlag, aber wir sehen daran auch, wo wir stehen. Insgesamt war der Abend für uns sehr erkenntnisreich: Wir wissen, dass wir bis zum Bundesliga-Start noch einige Arbeit vor uns haben."
Motiviert und verstärkt geht Flensburg ins Rennen. Trainer Ljubomir Vranjes kann in der kommenden Saison mit den Nationalspielern Lars Kaufmann (Göppingen) und Holger Glandorf (Lemgo) zusammenarbeiten. Dass der Auftakt für die SG gleich mit einer Pleite anfangen könnte, weiß auch Vranjes. "Die Saison beginnt für uns gleich mit der schwersten Aufgabe überhaupt - auswärts bei meinem Top-Favoriten auf die Meisterschaft", erklärte er vor dem Knüller in Kiel am Sonntag (17.30 Uhr).

Für namhafte Neuzugänge waren in den vergangenen Spielzeiten auch die Rhein-Neckar Löwen gut. Doch die rosigen Zeiten scheinen vorbei zu sein. Mit den Polen Slawomir Szmal und Grzegorz Tkaczyk (beide Kielce) sowie den Isländern Olafur Stefansson und Gudjon Valur Sigurdsson (beide Kopenhagen) gingen Weltklassespieler. Wie das Team die Ausfälle verkraftet, wird das Wildcard-Turnier um die Champions League an diesem Wochenende zeigen, die Löwen steigen erst am Mittwoch beim TV Großwallstadt ins Ligageschehen ein.
Den großen Transfer-Coup landeten diesmal die Berliner Füchse. Mit dem Spanier Iker Romero wollen die Berliner in der Königsklasse für Furore sorgen. "Ich habe bisher in meiner Karriere das Glück gehabt, genau zur richtigen Zeit im richtigen Klub zu sein", erklärte Romero in der Handball-Woche. Der 168-malige Nationalspieler scheint sich bereits pudelwohl zu fühlen. "Es kommt mir so vor, als wäre ich schon seit einem Jahr hier. Seit dem ersten Moment ist alles superunglaublich."
Mit 9,5 Millionen Euro weist Kiel den größten Etat auf. Schlusslicht ist Aufsteiger TV Hüttenberg mit gerade einmal 0,95 Millionen Euro. Insgesamt wollen die 18 Klubs nach einer Umfrage der Nachrichtenagentur dpa die Summe von 73,65 Millionen Euro umsetzen, ein neuer Rekord in der HBL. Nach Angaben des Ligaverbandes sind es sogar knapp 88 Millionen Euro, die bei den Planungen für die Spielzeit 2011/12 angegeben wurden. Trotz jüngster Turbulenzen im Lizenzierungsverfahren wirtschaften die Klubs nach Liga-Angaben solide. "Husarenritte gibt es nicht mehr so, wie wir es noch vor fünf, sechs Jahren gehabt haben", sagte Geschäftsführer Frank Bohmann.
| Heim | Gast | Erg. | ||
|---|---|---|---|---|
Hannover | - | Berlin | 28:31 | |
Magdeburg | - | Göppingen | 25:22 | |
Balingen | - | Gummersbach | 36:28 | |
Wetzlar | - | Hildesheim | 30:28 | |
Hamburg | - | N-Lübbecke | 28:22 | |
Melsungen | - | Hüttenberg | 28:21 | |
Kiel | - | Flensburg | 35:21 | |
Magdeburg | - | Berlin | 27:29 | |
Großwallstadt | - | Rhein-Neckar | 24:27 | |
Lemgo | - | Bergischer HC | 34:28 | |