Heiner Brand begann mit Bitter im Tor, auf dem Feld starteten die gleichen Akteure wie beim Auftakterfolg gegen Ägypten. Bei den Spaniern stand erstmals der ehemalige Welthandballer Sterbik zwischen den Pfosten. Geduld im Angriffspiel hatte der Bundestrainer vor der Partie angemahnt. Die Partie in der Kristianstad-Arena begann jedoch sehr zerfahren, mit Ungenauigkeiten und technischen Fehlern auf beiden Seiten. Die dänischen Schiedsrichter versuchten früh, aufkommende Härte zu unterbinden und sprachen bereits in der Anfangsphase vier Zeitstrafen aus, von denen drei die deutsche Mannschaft trafen. Das DHB-Team, bei dem Bitter mit einigen Paraden gut ins Spiel kam, überstand jedoch auch eine doppelte Unterzahl gut und ging durch Sprenger erstmals mit zwei Toren in Führung (6:4, 13.).
Die Begegnung blieb hektisch, auch das deutsche Team ließ sich immer wieder zu Flüchtigkeitsfehlern hinreißen. Die Schiedsrichter trugen maßgeblich zur Unruhe bei, indem sie ihre harte Linie auf beiden Seiten gnadenlos durchzogen: Nach knapp einer Viertelstunde hatten Preiß und Haaß jeweils schon zwei Zwei-Minuten-Strafen kassiert und mussten fortan aufpassen, Kaufmann ereilte bis zur Pause das gleiche Schicksal. Nachdem die Spanier erstmals wieder ausgeglichen hatten (8:8, 20.), nahm Brand eine Auszeit, um Ruhe reinzubringen und mehr Bewegung im Rückraum einzufordern. Weiter ging es jedoch mit einem Abspielfehler, den der Spanier Garcia im Gegenstoß zur 9:8-Führung für die Iberer nutzte.
Brands Schützlinge verloren nun für einige Minuten die Linie und gaben den Ball im Angriff allzu häufig überhastet her. Der bullige Kreisläufer Aguinagalde brachte die Spanier erstmals mit zwei Treffern nach vorne (11:9, 24.). Das von den Iberern so oft erfolgreich praktizierte Spiel über den Kreis unterband das deutsche Team ansonsten aber erfolgreich. Die DHB-Auswahl kämpfte sich zurück in die Partie und ließ sich auch vom sich fortsetzenden Strafen-Festival der Schiedsrichter nicht aus dem Konzept bringen. Ein guter Schachzug Brands war die Hereinnahme Kleins, der in doppelter Unterzahl sogar zum 13:12 traf. Ein Siebenmeter von Romero stellte den 13:13-Halbzeitstand her.
Kurz nach Wiederanpfiff war die Partie für Kaufmann beim Stand von 15:15 beendet. Der Rückraumspieler lief bei einem Wechsel zu früh aufs Feld, was ihm seine dritte Zeitstrafe und damit die Rote Karte einbrachte. Die Paraden des glänzend aufgelegten Bitter ermöglichten dem DHB-Team wenig später dennoch die 17:16-Führung durch Klein, der sich auch in der Defensive durch mehrere Balleroberungen positiv hervortat. In der 41. Minute war dann jedoch der deutsche Mittelblock gesprengt: Preiß stoppte den Ball mit dem Fuß und kassierte ebenfalls seine dritte Zeitstrafe.
Kaufmann und Preiß sahen von der Tribüne, wie der überragende Bitter die Spanier weiter zur Verzweiflung trieb. Der Hamburger verdiente sich an diesem Abend eindeutig das Prädikat Weltklasse. Der nun am Kreis agierende Heinl warf mit zwei Treffern in Folge die erste Drei-Tore-Führung heraus (21:18, 48.). Auch der zweite deutsche Torhüter setzte sich kurz darauf in Szene: Heinevetter parierte den Siebenmeter von Romero, der zuvor fünf Strafwürfe versenkt hatte. Auch in der Folge war Bitter von den Spaniern kaum zu überwinden. Der hochgelobte Rückraum der Iberer enttäuschte.

In der Abwehr agierte der Weltmeister von 2005 nach der Umstellung auf die offensivere 5:1-Deckung allerdings konsequenter. Das deutsche Team konnte sich keine klaren Abschlüsse mehr erspielen und agierte zu kopflos. Sechs Minuten vor dem Ende glich Aguinagalde, der in Preiß' Abwesenheit am Kreis nun viel besser zum Zuge kam, aus, als es wenig später gar 21:22 stand, nahm Brand die Auszeit. Als sein Team drei Minuten vor dem Ende mit 22:24 im Hintertreffen lag, riskierte der Bundestrainer alles und brachte Klein als siebten Feldspieler. Auch diese Maßnahme war jedoch nicht von Erfolg gekrönt. Mit dem 26:22 (58. sorgten die Spanier für die Vorentscheidung.
"Heute wäre es sicher möglich gewesen, die Spanier zu schlagen", sagte ein enttäuschter Bundestrainer direkt nach Spielschluss. Viel Zeit zum Wundenlecken bleibt nicht: Am Mittwoch (18.15 Uhr) wartet mit den übermächtigen Franzosen eine Herkulesaufgabe auf das DHB-Team.
Spanien: Hombrados, Sterbik - Alberto Entrerrios 2, Gurbindo 3, Rocas 3, Maqueda, Garabaya, Raul Entrerrios 1, Aguinagalde 5, Roberto Garcia 1, Ugalde, Juan Garcia 5/1, Romero 5/5, Rodriguez, Canellas 1, Morros
Deutschland: Bitter (HSV Hamburg), Heinevetter (Füchse Berlin) - Hens (HSV Hamburg) 2, Gensheimer (Rhein-Neckar Löwen) 4, Roggisch (Rhein-Neckar Löwen), Klein (THW Kiel) 2, Pfahl (VfL Gummersbach) 2, Preiß (TBV Lemgo) 1, Heinl (SG Flensburg-Handewitt) 2, Glandorf (TBV Lemgo) 4, Christophersen (Füchse Berlin), Kraus (HSV Hamburg) 2/2, Sprenger (THW Kiel) 3, Kaufmann (Frisch Auf Göppingen), Haaß (Frisch Auf Göppingen) 2
Schiedsrichter: Olesen/Pedersen (Dänemark)
Zuschauer: 3700
Strafminuten: 10 / 18
Disqualifikationen: - / Kaufmann (35./3. Zeitstrafe), Preiß (41./3. Zeitstrafe)
| Heim | Gast | Erg. | ||
|---|---|---|---|---|
Spanien | - | Deutschland | 26:24 | |
Frankreich | - | Bahrain | 41:17 | |
Tunesien | - | Ägypten | 23:27 | |
| Pl. | Verein | Tore | Pkte. | |
|---|---|---|---|---|
| 1 | ![]() | Frankreich | 101:55 | 6 |
| 2 | ![]() | Spanien | 80:64 | 6 |
| 3 | ![]() | Deutschland | 92:69 | 4 |
| 4 | ![]() | Ägypten | 71:81 | 2 |
| 5 | ![]() | Tunesien | 60:80 | 0 |
| 6 | ![]() | Bahrain | 57:112 | 0 |