"Ich will wieder so gut spielen wie früher - oder noch besser. Mitleid brauche ich nicht", sagte Bielecki, der am Montag drei Treffer erzielte. Für den 28-Jährigen hat sich nach dem folgenschweren Unfall im Länderspiel gegen Kroatien am 11. Juni in Kielce einiges geändert: "Ich muss auf dem Feld mehr überlegen, was als nächstes kommt. Auch das Ballfangen läuft anders ab." Doch trotz der visuellen Einschränkung bewegt sich Bielecki schon erstaunlich sicher und scheut auch harte Zweikämpfe nicht.
"Es wird mit jedem Training besser, ich bin wirklich zufrieden damit. Ich glaube sogar, dass der im Länderspiel erlittene Unfall mich stärker gemacht hat", meinte der Pole, der Mediziner, Funktionäre und Mitspieler gleichermaßen fasziniert. "Wir sind alle erstaunt, mit welcher Entschlossenheit Karol diese Herausforderung angenommen hat. Er will behandelt werden wie jeder andere", sagte Löwen-Manager Thorsten Storm. Bei seinem Comeback am Donnerstag habe er allerdings noch das Gefühl gehabt, dass "alle auf meine Hände schauen und sehen wollen, wie viele technische Fehler ich mache", meinte Bielecki, der dem Druck jedoch standhielt.
„Wir sind alle erstaunt, mit welcher Entschlossenheit Karol diese Herausforderung angenommen hat.“Thorsten Storm, Löwen-Manager
Die behandelnden Ärzte und Therapeuten gaben am Montag Einblick in die Rehabilitation, durch die Bielecki so schnell wieder den Weg zurück fand. "Es ist unglaublich, dass Karol es in so kurzer Zeit geschafft hat", sagte Bernd Herweck von "Sportomed Rehabilitation", wo der Pole in den zurückliegenden Wochen die Voraussetzungen schaffte, um es zunächst zurück in den Trainingsbetrieb und schließlich auf das Parkett zu schaffen.

"Wir haben aber vom Tag der zweiten Operation an nach vorne geschaut, Karol hat den Schalter sofort auf Comeback gelegt", berichtete Löwen-Mannschaftsarzt Dr. Andreas Klonz. In der folgenden Reha-Phase standen Koordinationsübungen im Mittelpunkt. Treppensteigen gestaltete sich in der Anfangsphase ebenso wie das Fangen von Softbällen als schwieriges und deprimierendes Unterfangen. Sprünge waren zunächst gar nicht erlaubt.
Sechs Wochen später erinnert bei Bielecki kaum noch etwas an den Zustand von damals. "Der Körper schafft Ausgleich-Mechanismen. Auch das andere Auge kompensiert", erklärte Klonz. Obwohl Bielecki nach eigenen Angaben wieder einen "normalen Alltag" hat, werden die Folgen des Unfalls weiter sein Leben bestimmen.
Das immer noch stark gerötete linke Auge, über dessen Entfernung zwischenzeitlich diskutiert worden war, muss regelmäßig untersucht werden. "Die Entzündung soll nicht auf das gesunde Auge übergehen. Deshalb muss auch Karols Immunsystem gestärkt werden", erklärte der Heidelberger Augenspezialist Thomas Katlun. Mit einer entsprechenden Ernährung und Akupunktur soll Bieleckis Körper dem stetigen Entzündungsherd trotzen.
Dem kroatischen Nationalspieler Josip Valcic, der am 11. Juni in einer unglücklichen Abwehraktion mit der Hand das Auge Bieleckis traf, macht der Pole keinen Vorwurf: "Wir haben keinen Kontakt, aber es ist auch nicht seine Schuld. Es war ein Unfall."
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