Schwenker werde Betrug und Untreue in mehreren Fällen, Serdarusic Betrug und Beihilfe zur Untreue vorgeworfen. Zuvor hatte das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" berichtet, dass die Ermittlungen vor dem Abschluss stünden. Weitere Einzelheiten wollte Thomsen nicht mitteilen. Für die Anklagebehörde kündigte deren Sprecher Oberstaatsanwalt Manfred Schulze-Ziffer "in Kürze" eine Erklärung an. Die Staatsanwaltschaft ermittelt seit über zehn Monaten gegen Schwenker und Serdarusic.
Ob die 5. Große Wirtschaftsstrafkammer die Anklage tatsächlich zulässt und ein Verfahren eröffnet, entscheide sich erst nach einem sogenannten Zwischenverfahren, sagte Thomsen. Das Gericht leitet die Anklage zunächst Betroffenen und Angeschuldigten zu. Diese haben dann einen Monat Zeit, Stellung zu beziehen. Danach prüft die Kammer, ob sie gegebenenfalls noch selbst Ermittlungen veranlassen oder Zeugen hören will, bevor sie entscheidet. Bis zur Eröffnung eines Verfahrens könnten so theoretisch Monate vergehen.
Nach Informationen des "Spiegel" stehen vor allem zwei Überweisungen des THW Kiel in Höhe von 92.000 Euro, die im April und Juni 2007 auf einem Konto des kroatischen Geschäftsmanns Nenad Volarevic eingingen, im Fokus der Strafverfolger. Volarevic bezichtigte sich dem Bericht zufolge angeblich selbst, mit dem Geld zwei polnische Schiedsrichter bestochen zu haben, die am 29. April 2009 das Rückspiel des Champions-League-Finales in Kiel leiteten. Beide Schiedsrichter bestreiten dies jedoch, hieß es weiter.
Schwenkers Anwalt Harald Riettiens wies im "Spiegel" jeglichen Korruptionsverdacht gegen seinen Mandanten zurück. Der im Rückspiel des Champions-League-Finals unterlegene Gegner des THW, die SG Flensburg-Handewitt, prüft dem Bericht zufolge wegen angeblicher Manipulation eine Schadensersatzklage.
Auch in Flensburg herrscht jedoch Unruhe, denn am Wochenende wurde außerdem bekannt, dass die Kieler Staatsanwälte wegen Bestechlichkeit und besonders schwerer Untreue in mehreren Fällen gegen den ehemaligen Vorstandsvorsitzenden der Flensburger Sparkasse und aktuellen Präsidenten der SG Flensburg-Handewitt, Frerich Eilts ermitteln. Das bestätigte Oberstaatsanwalt Uwe Wick am Sonntag der dpa.
Die Ermittlungen stünden kurz vor dem Abschluss, Eilts drohe eine Anklage, sagte Wick und bestätigte damit einen Bericht der Zeitung "Schleswig-Holstein am Sonntag". Wick zufolge wirft die Staatsanwaltschaft Eilts unter anderem vor, einem Makler systematisch Immobilien verschafft und zugleich Vorteile für die SG angenommen zu haben. Die fraglichen Immobilien seien nach den Erkenntnissen seiner Behörde mit Krediten der Flensburger Sparkasse finanziert worden.
Eilts wies die Vorwürfe gegenüber der Zeitung zurück. Zwischen den Immobiliengeschäften und dem Werbevertrag des Immobilienmaklers zugunsten der SG Flensburg-Handewitt gebe es keinen Zusammenhang. Eilts hatte seinen Posten bei der Flensburger Sparkasse 2008 geräumt, nachdem diese in Schieflage geraten war und von der Nord-Ostsee-Sparkasse übernommen wurde. Die Nospa berichtete vor kurzem über faule Kredite von rund 120 Millionen Euro, die aus Altlasten der Flensburger Sparkasse resultieren sollen.
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