Klar verteilt waren eigentlich die Rollen im Halbfinale zwischen Gastgeber Kroatien und Polen. Auf die Polen hätte nach der schwachen Vorrunde wohl kaum jemand noch einen Pfifferling gesetzt. Durch drei Siege in der Hauptrunde, der letzte gegen Norwegen in dramatischer Manier, zogen die Schützlinge von Bogdan Wenta tatsächlich noch ins Halbfinale ein. "Damit hatte keiner mehr gerechnet. Ich habe aber immer an meine Mannschaft geglaubt", sagte Wenta.
Vor 15.200 Zuschauern, die die Arena in Zagreb wieder in einen Hexenkessel verwandelten, gerieten die Polen jedoch von Beginn an unter Druck. Die Kroaten strotzten nach bislang acht Siegen aus acht Vergleichen nur so vor Selbstvertrauen, präsentierten sich hochmotiviert und sehr agil. Nach knapp zehn Minuten stand es denn auch bereits 7:3 für die Hausherren. Die Polen verloren aber dank der Treffsicherheit des Hamburgers Marcel Lijewski nie den Anschluss. Nach einer knappen Viertelstunde war auch kroatiens Superstar Ivano Balic mit von der Partie - und mit ihm schlich sich der Leichtsinn in die Aktionen der Kroaten. Kurz vor der Pause kamen die erstarkten Polen gar zum 13:13-Ausgleich, ehe Vori den knappen Halbzeitvorsprung für das Heimteam sicherstellte.
Der Hallenboden in Zagreb präsentierte sich auch nach der Pause in einem miserablen Zustand - immer wieder lösten sich Teile des Untergrunds und mussten neu justiert werden. Die Kroaten schien es nicht zu irritieren. Sie kamen mit neuem Schwung aus der Kabine und überrannten die Polen förmlich. Die Schützlinge von Bogdan Wenta hatten sich mühsam wieder herangekämpft, nun war in wenigen Minuten der erneute Finaleinzug verspielt. Bis auf neun Tore Vorsprung zogen die Gastgeber weg, führten schnell mit 23:16 und ließen sich danach auch nicht mehr vom eingeschlagenen Weg abbringen. Kroatien gewann deutlich mit 29:23 und trifft nun im Endspiel auf Frankreich. Das Traumfinale ist perfekt!
"Natürlich ist Frankreich der große Favorit. Aber wir werden bis zur letzten Sekunde kämpfen und noch einmal alles geben", erklärte der dänische Trainer Ulrik Wilbek vor dem Duell Europameister gegen Olympiasieger in Split. Bemüht waren die Dänen vielleicht. Aber dennoch chancenlos. Nur in der ersten Viertelstunde hielt Dänemark mit, Jörgensen gelang in der 12. Minute das 6:6. Dann drehte Frankreich auf. Über das 10:7 (18.) zogen Karabatic & Co. auf 14:9 davon. Halbzeitstand: 16:11.

Und viel hatte der Europameister auch in der zweiten Hälfte nicht mehr zuzusetzen. Geradezu hilflos wirkten viele Versuche gegen die erstklassige Abwehr, obwohl Defensivspezialist Didier Dinart wegen eines Muskelfaserrisses fehlte. Keeper Thierry Omeyer erwischte mal wieder einen Sahnetag. Erst in der Schlussphase kam nochmal richtig Pfeffer in die Partie: Der bis dato überragende Luc Abalo (sieben Tore bei sieben Versuchen) warf Keeper Niklas Jacobsen vom Siebenmeterpunkt aus voll ins Gesicht - und das in der 54. Minute beim Stand von 24:18! Der Rechtsaußen sah die Rote Karte, große Proteste blieben aus. Zwar kamen die Dänen noch einmal auf 20:24 heran, doch es brannte nichts mehr an für die Franzosen, die die Partie letztlich mit 27:22 für sich entschieden.Der erste WM-Titel seit acht Jahren ist nach dieser starken Leistung in greifbarer Nähe.
Dänemark: Hvidt - Mogensen 2, Boesen, Jörgensen, Jensen 1, Christiansen 2, Bruun Jörgensen 5, Eggert Jensen 3/1, Landin Jacobsen, Spellerberg, Knudsen 4, Hansen 4, Lindberg, Nielsen 1
Frankreich: Omeyer - Fernandez 2, Guillaume Gille 5, Narcisse 3, Karabatic 2, Kempe 2, Junillon, Abati 1/1, Abalo 7, Sorhaindo 1, Guigou 4
Schiedsrichter: Gusko/Repkin (Weißrussland)
Zuschauer: 11 000
Strafminuten: - / 4
Disqualifikation: - / Abalo (56.)
Kroatien: Losert, Alilovic - Hrvatin 1, Balic 2, Duvnjak 4, Lackovic 2, Kopljar, Vori 3, Gojun, Horvat, Spoljaric, Metlicic 5, Tonci Valcic, Cupic 12
Polen: Szmal, Malcher - Jaszka, Krzysztof Lijewski, Kuchczynski, Bielecki 1, Siodmiak 3, Wleklak, Bartosz Jurecki 3, Jurasik 6, Michal Jurecki 2, Tluczynski 4, Marcin Lijewski 4, Glinski
Schiedsrichter: Lemme/Ullrich (Magdeburg)
Zuschauer: 15 000 (ausverkauft)
Strafminuten: 6 / 8
Disqualifikation: - / -
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