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15.01.2009, 09:50

WM-Favoriten im Porträt: Dänemark

Neue Ministerposten zu vergeben

Als amtierender Europameister ist es nur logisch, dass Dänemark zum Favoritenkreis gehört. Ähnlich wie die deutsche Mannschaft steht das Team von Ulrik Wilbek jedoch vor einem Umbruch. Gänzlich unberührt davon bleibt freilich das dänische Aushängeschild Lars Christiansen, der die Hierarchie als "Superminister" anführt - und den Kopf einer ganzen Flensburger Phalanx bei den Skandinaviern bildet.

Handball-WM, Lars Christiansen (Dänemark)
Trickreich von außen, sicher vom Siebenmeterstrich: Der Däne Lars Christiansen.
© imagoZoomansicht

Die Stars

1285 Tore in 276 Spielen - eine Quote, die bei den Dänen ihresgleichen sucht. Linksaußen Lars Christiansen von der SG Flensburg-Handewitt ist das Aushängeschild der Skandinavier. Doch nicht nur aus spitzem Winkel gilt der 36 Jahre alte Routinier als enorm treffsicher und variantenreich. Christiansen ist zudem der wohl weltbeste Siebenmeter-Werfer. Beim EM-Sieg in Norwegen wurde er gemeinsam mit dem Franzosen Nikola Karabatic und dem Kroaten Ivano Balic Torschützenkönig und zudem zum besten Linksaußen des Turniers gewählt. Im an sich ausgeglichenen Kader der Dänen ragt außerdem der Schlussmann hervor: Kasper Hvidt vom spanischen Spitzenteam FC Barcelona wurde bei der EM in Norwegen zum besten Torhüter des Turniers ausgezeichnet.

Die Bundesliga-Legionäre

Christiansen, der noch bis 2010 bei der SG unter Vertrag steht, ist nur ein Teil der "Flensburg-Clique", der außerdem Lasse Boesen (29, Rückraum links), Thomas Mogensen (26, Rückraum Mitte), Lasse Svan Hansen (25, Rechtsaußen) und Michael Knudsen (30, Kreis) angehören. Hans Lindberg (27, Rechtsaußen) vom HSV Hamburg, mit 103 Treffern siebtbester Ligatorschütze der laufenden Saison, komplettiert das Bundesliga-Sextett.

Die Erfolge

Der Fluch der Titellosigkeit endete erst 2008 mit dem EM-Sieg in Norwegen. Zuvor war es beinahe wie verhext: In den drei vorangegangenen Kontinentalwettbewerben erreichten die Dänen jeweils den dritten Platz, auf eine olympische Medaille wartet Dänemark noch immer. Bei den Sommerspielen in Peking stand zuletzt Platz sieben zu Buche. Die beste Platzierung bei einer Weltmeisterschaft erreichte Dänemark 1967 mit dem Finaleinzug. 2007 gewann Dänemark das Spiel um Platz drei gegen Frankreich (34:27).

Joachim Boldsen und Ulrik Wilbek
Der Angriffsminister ist zurückgetreten: Trainer Ulrik Wilbek muss auf Joachim Boldsen verzichten.
© imagoZoomansicht

Der Trainer

Bevor Ulrik Wilbek mit den Herren Erfolge feierte, brachte er erstmal die Damenmannschaft seines Landes auf Kurs. Der 50-Jährige sammelte Welt-, und Europameistertitel, auch bei Olympia gab es Gold für die Däninnen. Seit 2005 betreut er das Herrenteam - und prompt sprang Platz drei und damit die erste WM-Medaille überhaupt heraus. Nur ein Jahr später führte der Grundschullehrer für die Fächer Dänisch und Englisch die Mannschaft zum EM-Titel im Nachbarland. Wilbek ist beim Team extrem beliebt, auch weil er sich seinen Humor bewahrt hat. Für Furore sorgten seine "Ministerien". Viele Spieler erhielten spezielle Posten, so zum Beispiel wurde Bo Spellerberg zum Technikminister ernannt.

Was für Dänemark spricht:

Die Mannschaft ist intakt, bildet eine Einheit. Grabenkämpfe sind bei den Dänen wahrlich nicht zu erwarten. Nach vielen vergeblichen Anläufen ist der Knoten, sprich Titelgewinn, endlich geplatzt. Die Gruppe D mit Brasilien, Norwegen, Ägypten, Saudi-Arabien und Serbien ist nicht gerade die hochklassigste. So können sich die Dänen eine gute Ausgangsposition für die Zwischenrunde verschaffen.

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Was gegen Dänemark spricht:

Der Kader wurde mit einigen Talenten aufgefüllt, denen aber noch die Erfahrung fehlt. Mit dem verletzten Abwehrchef Kasper Nielsen und dem zurückgetretenen "Angriffsminister" Jochim Boldsen verloren die Skandinavier zwei wichtige Stützen. Die Abwehr war zumindest bei der EM das Prunkstück der Wilbek-Truppe, die im Durchschnitt nur 24 Gegentreffer hinnehmen musste. Im Finale gegen Kroatien ließen die Dänen gar nur 20 Treffer zu. "Im Vergleich zu unserem Titelgewinn in Norwegen haben wir uns komplett verändert. Wie haben nur noch einen einzigen Deckungsexperten mit Lars Jörgensen", so Wilbek gegenüber der Fachzeitschrift "Handball-Woche". Somit könnte der Europameister in engen Spielen und eben in der Abwehr Probleme bekommen. Es sei denn, es findet sich ein zuverlässiges neues "Ministerium".

15.01.09
 

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