"Spaniens Stunde ist gekommen" - das glaubt nicht nur Abwehrchef Carles Puyol. Spätestens seit dem 1:0-Achtelfinalsieg gegen Portugal (Trainer Vicente del Bosque: "So wie wir heute gespielt haben, das sind wir wirklich") ist man sich beim Europameister sicher: Das Double - der erste WM-Titel überhaupt - ist zum Greifen nah! "Wir müssen die Chance nutzen, wer weiß, ob sie wiederkommt", findet Puyol. Am Samstag (20.30 Uhr) im Ellis Park von Johannesburg gegen Paraguay können die Iberer erstmals ein WM-Halbfinalticket lösen.
Über Spanien lacht also rechtzeitig die Sonne. Nur Fernando Torres steht im Schatten. Im Schatten von David Villa: Während Letzterer in vier Spielen vier zum Teil richtig schöne Treffer bejubeln durfte, läuft Torres, bei der EM 2008 mit seinem Siegtor im Finale gegen Deutschland (1:0) noch der gefeierte Held, nach einer von Verletzungen durchzogenen Saison weiter seiner Form hinterher.
Gegen Portugal wurde das besonders auffällig, als 1,93-Meter-Schlacks Fernando Llorente für den Liverpool-Torjäger eingewechselt wurde. "Die Perfektion wurde erreicht, als Fernando Torres vom Platz musste", spottete die "Marca" am nächsten Tag. Und lag damit nicht ganz falsch: Mit Llorente kam plötzlich neuer Zug ins spanische Angriffsspiel, auf einmal war da einer, der die Bälle behauptete, Lücken riss und dabei noch selbst Torgefahr ausstrahlte.
Droht Torres die Wachablösung am Samstag? Del Bosque verbittet sich diese Frage: "Unser Stürmer heißt im Moment Fernando Torres. Er wird wieder spielen." Und auch Sturmkollege Villa, der seinen eigenen Tor-Lauf bescheiden kommentiert ("Es läuft ganz gut"), spricht "El Nino" Mut zu: "Er ist nicht in schlechter Form. Wir alle wissen, dass Fernandos Moment bei dieser WM noch kommen wird. Vielleicht schon gegen Paraguay."

Um seine Torlosigkeit zu beenden, gibt es aber sicherlich erfolgsversprechendere Gegner, schließlich haben die Südamerikaner im Turnierverlauf erst ein einziges Gegentor kassiert (beim 1:1 gegen Italien) - kein Viertelfinalist hat eine bessere Bilanz. Fünf Stunden und 27 Minuten musste Keeper Justo Villar - das Elfmeterschießen gegen Japan natürlich nicht mitgerechnet - nicht mehr hinter sich greifen. Ganz klar: Paraguay setzt auch gegen Spanien auf die Defensive. "Keine Mannschaft hier hat das Kämpferherz, das wir haben", behauptet Trainer Gerardo Martino.
„Wir respektieren sie, aber das endet auf dem Feld.“Lucas Barrios vor dem Spiel gegen Spanien
Dass man mit Lucas Barrios, Nelson Valdez, Roque Santa Cruz und Oscar Cardozo gleich vier namhafte Angreifer hat, zahlte sich dagegen noch nicht aus. Keiner aus dem Quartett hat bisher ein WM-Tor auf dem Konto! Überhaupt zeigte sich Paraguay mit drei Turniertoren äußerst minimalistisch. Santa Cruz interessiert diese Diskussion nicht: "Wir müssen weitaus mehr tun, als nur Tore schießen. Unser Einsatz wird von den anderen Mitspielern sehr geschätzt."
Angriffslustig bleiben nur die Aussagen vor dem Spanien-Match: "Wir respektieren sie, aber das endet auf dem Feld", zeigt sich Barrios schon jetzt bissig. Am weitesten lehnt sich aber Valdez aus dem Fenster - seine Meinung über Spanien: "Für uns ein guter Gegner." Denn: "Wir haben nichts zu verlieren!"
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