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11.10.2017, 16:30

Nicht nur das Phantom-Tor beschäftigt den WM-Neuling

Panama: Kuriose Unsportlichkeit wird zum Hit

Im Trainingsanzug machte Panamas Staatspräsident den 11. Oktober offiziell zum nationalen Feiertag - das kleine Land hat sich erstmals für eine WM qualifiziert. Zwei Unsportlichkeiten auf dem Platz trüben allerdings den sensationellen Erfolg. Doch konnte man es den Betroffenen verdenken?

Sein Tor zwei Minuten vor Schluss brachte Panama zur WM - die Hauptthemen waren hinterher andere: Roman Torres.
Sein Tor zwei Minuten vor Schluss brachte Panama zur WM - die Hauptthemen waren hinterher andere: Roman Torres.
© imagoZoomansicht

Es lief schon die 92. Minute, doch José Gonzalez hatte noch Kraft. Im Vollsprint raste Panamas Nationalspieler die Seitenauslinie entlang, klärte den Ball knapp vor einem Gegenspieler auf die Tribüne und erntete stürmischen Jubel. Der Schlusspfiff wenig später war kaum noch hören: 2:1 gegen Costa Rica - Panama darf erstmals bei einer WM antreten.

Die Ekstase in dem kleinen mittelamerikanischen Land mit den rund vier Millionen Einwohnern: grenzenlos. Sie erfasste alle, Kevin Kuranyi ("Sensationell!") in Deutschland, dessen Mutter aus Panama stammt, ebenso wie den höchsten Mann im Staate: Präsident Juan Carlos Varela fasste seine Emotionen in gleich acht Tweets ("Für die Geschichtsbücher!") und erklärte den 11. Oktober kurzerhand zum nationalen Feiertag.

Panama qualifiziert sich auf irreguläre Weise für die WM

Im Trainingsanzug der Nationalelf unterzeichnete er noch in der Nacht das entsprechende Dekret. Alle haben frei, auch die Schulen bleiben geschlossen. "Zelebriert diesen historischen Tag!", schrieb er dazu. "Es lebe Panama!" Das Land, von dem in Deutschland viele erstmals hören, weil Janoschs kleiner Tiger und kleiner Bär nach ihm suchen, hat in der WM-Qualifikation tatsächlich noch die USA hinter sich gelassen. 13 Punkte aus zehn Spielen reichten für ein Direktticket nach Russland.

Doch nicht alles war schön an diesem Dienstagabend in Panama-Stadt. Allen voran der Umstand, dass sich Panama auf irreguläre Weise für die WM qualifizierte. Der Ausgleich gegen den Tabellenzweiten Costa Rica hätte nämlich niemals zählen dürfen, ganz einfach weil der Ball gar nicht im Tor war.

Ein Beigeschmack bleibt - und die Note im Abgang ist noch ungewiss

Nach einer Ecke in der 53. Minute hatte "Torschütze" Gabriel Torres ihn mit Hacke an den Innenpfosten gelenkt, Costa Ricas Ronald Matarrita anschließend das unübersichtliche Stocher-Duell mit Blas Perez Zentimeter vor der Torlinie gewonnen, sogar noch einen Eckball verhindert. Doch Schiedsrichter Walter Lopez (Guatemala) entschied den massiven Protesten zum Trotz und mangels Torlinientechnologie auf Tor.

An einem Abend, an dem jemand seine kleine Nation erstmals zu einer WM schießen kann, ist es vermutlich zu viel verlangt, zuzugeben, was jeder Panamaer im Strafraum mitbekommen haben dürfte: dass der Ball eben am Tor vorbeigekullert war. Zumal Perez in dieser Situation auch noch elfmeterreif gefoult worden war. Und doch: Ein Beigeschmack bleibt, dessen Note im Abgang noch ungewiss ist. Die USA und auch das viertplatzierte Honduras, das noch in die Play-offs muss, könnten Protest einlegen, auch wenn die Erfolgsaussichten eher gering sein dürften.

Gonzalez erobert mit seiner kuriosen Klärungstat das Internet

Und dann war da ja noch jener José Gonzalez, der den Ball in der Nachspielzeit so heldenhaft klärte. Heldenhaft? Nun, er trug ein Trainingsleibchen, stand nur als Ersatzspieler vor Panamas Bank, und als der Ball für einen letzten costa-ricanischen Einwurf ins Seitenaus trudelte, rannte er los. Die Aktion, meist fälschlicherweise einem Balljungen angedichtet, wurde längst zum Internet-Hit, Gonzalez sah Gelb für seine Unsportlichkeit. Es war noch so ein Fall von: Kann man es ihm verdenken?

Panama, das zweimal im Gold-Cup-Finale stand (2005 und 2013) und in der Weltrangliste knapp vor Jamaika und China Platz 60 belegt, hat "Geschichte geschrieben", wie Präsident Varela twitterte, so oder so. Und könnte im "World Happiness Report" der glücklichsten Länder der Welt bald mal wieder klettern: Zuletzt waren die Panamaer dort binnen vier Jahren von Platz 15 auf Platz 30 abgerutscht.

jpe

 

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