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06.09.2017, 13:40

Österreich: Herzog wird gehandelt

"Ich weiß gar nicht, was der ÖFB will": Koller-Ära vor dem Ende

Rang vier mit deutlichem Abstand auf Serbien, Wales und Irland, die WM-Teilnahme so gut wie verspielt: Österreichs Fußball steckt nach einem längeren Hoch mit dem Höhepunkt der ersten EM-Teilnahme aktuell wieder tief in der Krise. Die Ära des Nationaltrainers Marcel Koller scheint dem Ende entgegenzugehen, wenngleich sich der Schweizer weiterhin voller Tatendrang zeigt. Seine Spieler ließen in den vergangenen Monaten indes einen Entwicklungsschritt nach vorn vermissen.

Trennen sich die Wege bald? ÖFB-Teamchef Marcel Koller und Aleksandar Dragovic.
Trennen sich die Wege bald? ÖFB-Teamchef Marcel Koller und Aleksandar Dragovic.
© imagoZoomansicht

Die Gruppe D schien keineswegs eine Hammergruppe zu sein, die Siegesserie der österreichischen Fußballer in der vergangenen EM-Qualifikation hatte das Selbstvertrauen zudem beträchtlich anwachsen lassen. Doch die Erfolgserlebnisse blieben aus, im aktuellen Kalenderjahr gelang nur ein 2:0-Pflichtsieg zu Hause gegen Moldawien. Die Folge: Zwei Spieltage vor Schluss hat das Koller-Team fünf Punkte Rückstand auf die zweitplatzierten Waliser und damit nur noch theoretische Chancen auf eine Play-off-Teilnahme.

Nach dem 0:1 in Cardiff war Österreich ohnehin mit nur noch geringen Aussichten ins Heimspiel gegen Georgien gegangen. Vor nur noch 13.400 Zuschauern im Wiener Happel-Stadion - 32.000 Tickets blieben an den Tageskassen liegen - legte der 112. der Weltrangliste in der Anfangsphase vor (Gvilia, 8. Minute). Die Gastgeber wirkten danach wie gelähmt, ließen Pressing wie Präzision vermissen und verloren nach 36 Minuten auch den bis dahin ebenfalls nicht überzeugenden David Alaba wegen einer Verletzung.

Mehr als der Ausgleich durch den für Alaba eingewechselten Louis Schaub gelang der Alpenrepublik anschließend nicht mehr. Und dass die Waliser durch späte Tore noch 2:0 in Moldawien gewannen, passte zur Tristesse nach dem Schlusspfiff in Wien.

Gespräche stehen an

Die Kernfragen vor den beiden abschließenden Gruppenspielen gegen Serbien (6. Oktober) und in Moldawien (9. Oktober): Wie nah ist das Ende der Ära Koller? Kommt es gar schon im Vorfeld zur Trennung vom Eidgenossen? Nach sechs erfolgreichen Jahren zeichnet sich der Abschied zumindest ab. Am Dienstagabend wollte sich Koller noch nicht konkret zu seiner Zukunft äußern.

Die Entscheidung darüber wird nicht allein bei ihm liegen. ÖFB-Präsident Leo Windtner und Sportdirektor Willi Ruttensteiner werden sich wohl schon in den kommenden Tagen mit dem Trainer zu Gesprächen treffen. Die Einschätzung Kollers: "Ich denke schon, dass es noch vor den Oktober-Spielen Klarheit gibt."

Präsidiumsmitglied Lumper präferiert Herzog

Das Georgien-Spiel allein wird Koller nicht als einziges Kriterium für seine Planungen heranziehen. "Ich möchte mir zuerst ein paar Gedanken machen, was gut und schlecht ist. Man muss sich austauschen, ich weiß ja auch gar nicht, was der ÖFB will." Windtner und Ruttensteiner ließen bislang keine Tendenz erkennen. Dafür hatte Vorarlbergs Landesverbandschef Horst Lumper, der im ÖFB-Präsidium nicht gerade als Rivale von Windtner gilt, bereits vor dem Spiel gegenüber dem ORF die Tendenz zu einer baldigen Trennung von Koller erkennen lassen und den früheren Werder- und Bayern-Star Andreas Herzog als dessen Nachfolger ins Spiel gebracht.

ÖFB
Abschied vor fast leeren Rängen: Das ÖFB-Team nach dem 1:1 gegen Georgien in Wien.
© imago

Koller hat noch keine Angebote

Koller denkt nach 23 Siegen, 13 Unentschieden und 16 Niederlagen indes schon über seine Zeit beim ÖFB hinaus. "Aber aktuell gibt es keine Angebote. Die Saison hat erst angefangen, der Herbst ist dafür eine schwierige Zeit", verriet er. "Vorher gab es die eine oder andere Anfrage, doch ich habe keine Ausstiegsklausel im Vertrag." Er will in jedem Fall eine Mannschaft übernehmen, "die eine gewisse Qualität hat". Dies sei vor sechs Jahren auch ein Grund dafür gewesen, das österreichische Team zu übernehmen.

Der Höhenflug unter Koller hielt nicht an, schon bei der EM in Frankreich konnte die Mannschaft die nach der starken Qualifikation geweckten Erwartungen nicht erfüllen. Zahlreiche individuelle Fehler vor allem im Defensivverbund führten nun zur prekären Lage in der WM-Qualifikation - zuletzt am Dienstag beim frühen Gegentor gegen Georgien.

"Individuelle Fehler haben uns verfolgt"

"Diese individuellen Fehler haben uns in der ganzen Quali verfolgt", bemängelte Koller, der zugleich auch die mangelnde Effizienz im Abschluss kritisierte. "Wir haben zu wenige Tore gemacht, das war die ganze Quali sichtbar. Das war schon ein Problem, als ich angefangen habe."

Nach der starken Phase vor der EM 2016 fehlten bei vielen Stützen im ÖFB-Team Entwicklungsschritte nach vorn. "Jeder muss vor seiner eigenen Tür kehren, muss noch aggressiver und fokussierter werden. Auf diesem Level kann man nicht viele Fehler machen", so Koller. Es sei ein Trugschluss, angesichts vieler Schulterklopfer zu denken, "man muss nichts mehr tun". Versucht hätte seine Mannschaft bis zum Schluss alles, habe seinem Empfinden nach am Dienstag keineswegs gegen ihn gespielt. "Schlussendlich ist es halt nur ein 1:1 geworden", bilanzierte Koller nach seinem möglicherweise letzten Auftritt als Nationaltrainer Österreichs.

aho

 
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WM-Qualifikation Europa - Tabelle

Pl. VereinTorePkte.
1Serbien17:718
 
2Wales12:514
 
3Irland9:613
 
4Österreich10:109
 
5Georgien8:125
 
6Moldawien4:202

weitere Infos zu Koller

Vorname:Marcel
Nachname:Koller
Nation: Schweiz


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