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22.01.2016, 14:00

Menschenrechtsaktivisten wenden sich an FIFA-Sponsoren

Salman: Favorit mit Fragezeichen

Scheich Salman bin Ibrahim al-Khalifa gibt sich gerne nahbar. Vor allen Dingen seit klar ist, dass er für das Amt des FIFA-Präsidenten kandidiert. Das Mitglied der Herrscherfamilie von Bahrain inszeniert sich gegenüber Journalisten in Hemd, Stoffhose und Golfschuhen als lockerer Typ. Anders ist das, wenn unangenehme Fragen kommen.

Scheich Salman bin Ibrahim al-Khalifa
Scheich Salman bin Ibrahim al-Khalifa bewirbt sich als FIFA-Präsident, hinter dem Mitglied der Herrscherfamilie von Bahrain stehen aber Fragezeichen.
© imagoZoomansicht

Die Anschuldigungen gegen den 50-Jährigen sind nicht neu: Er soll während des arabischen Frühlings 2011 einem Komitee vorgestanden haben, das aufständische Sportler, die an Demonstrationen teilgenommen hatten, identifizierte - und sie damit Folter und Haft auslieferte.

Es traf unter anderem die Nationalspieler Alaa Hubail, Mohammad Hubail und Ali Saeed. Rekordtorschütze Alaa Hubail erklärte später öffentlich, gefoltert worden zu sein für die Teilnahme an friedlichen Protesten. Kürzlich sagte er, Salman habe nichts mit den Verhaftungen von Sportlern zu tun gehabt und er hoffe, dass sein Landsmann FIFA-Chef werde. Wie glaubwürdig eine solche nachträgliche Reinwaschung in einem Königreich ist, das seit den Demokratiebewegungen in der arabischen Welt Jahr für Jahr restriktiver agiert, soll nicht Gegenstand dieser Zeilen sein.

Scheich Salman bestreitet Vorwürfe kategorisch

Der Kernvorwurf von Menschenrechtsorganisationen ist dieser: Salman soll von Thronfolger Prinz Nasser, der im Zuge der Niederschlagung der Proteste 2011 seine diplomatische Immunität in Großbritannien verlor, als Kopf eines Komitees eingesetzt worden sein zur Identifizierung aufständischer Sportler.

Der Scheich bestreitet dies und sagte mehrfach, er habe diesem Komitee nie vorgesessen und dass jenes Gremium nie getagt habe. Über seine Anwälte ließ er am Freitag gegenüber dem kicker erklären: "Die Vorwürfe sind sachlich unrichtig und werden von Scheich Salman bin Ebrahim Al Khalifa kategorisch bestritten. Zwar wurde vorgeschlagen, dass Scheich Salman eine Untersuchungskommission in Bezug auf die Ereignisse des Jahres 2011 leiten sollte, aber eine solche Untersuchungskommission wurde nie formell eingerichtet und hat dementsprechend auch keine einschlägigen Tätigkeiten ausgeführt. Zur Klarstellung und im Lichte des Aufgreifens historischer Vorwürfe durch die Medien sei hier noch einmal betont, dass Scheich Salman in keinster Weise an der - in den einschlägigen Vorwürfen unterstellten - Identifizierung, Untersuchung, Strafverfolgung oder Misshandlung von Personen beteiligt war".

Salman stand im fraglichen Zeitraum dem nationalen Verband vor und war zudem Generalsekretär des Ministeriums für Sport und Jugend, so ist es Berichten der bahrainischen Nachrichtenagentur BNA zu entnehmen. Am 11. April 2011 berichtete die BNA, dass sich jenes Komitee unter Führung Salmans getroffen habe. Die BNA ist eine staatliche Nachrichtenagentur und insofern der verlängerte Arm des bahrainischen Informationsministeriums. Ihre Berichterstattung widerspricht also der Argumentation des Präsidentschaftskandidaten.

Nichtsdestotrotz: Die Wahlkommission der FIFA hat ihn zugelassen, am 26. Februar wird er mit dem vom DFB unterstützten Gianni Infantino (Schweiz), Prinz Ali (Jordanien), Jerome Champagne (Frankreich) und Tokyo Sexwale (Südafrika) um die Nachfolge von Sepp Blatter ringen. Seine Chancen stehen nicht schlecht. Er hat die 47 Stimmen der Asiaten, deren Konföderationsboss er seit 2013 ist, und nach Absprache mit FIFA-Interims-Chef Issa Hayatou auch die der Afrikaner (56) hinter sich. Macht 103 Voten von 209 im Kongress.

Ermittlungen wegen Anfangsverdacht ergaben keine konkreten Beweise

Aktivisten der Bahrainischen Vereinigung für Recht und Demokratie (BIRD) hatten sich bereits 2014 an den damaligen Chefermittler der FIFA-Ethikkommission, Michael Garcia, gewandt. Der sah offenbar in den Vorwürfen der Menschenrechtsverletzungen keinen Bruch des Ethikcodes. Sein Nachfolger Cornel Borbely ermittelte im Oktober 2015 wegen eines Anfangsverdachts (der kicker berichtete exklusiv), soll aber keine konkreten Beweise aufgetrieben haben, was angesichts der überschaubaren Möglichkeiten der Kommission nicht unbedingt überrascht. Kritik an Salman gibt es zuhauf, zuletzt von Bundestags-Vizepräsidentin Claudia Roth und Ex-FIFA-Reformer Prof. Mark Pieth bei der Podiumsdiskussion "Baustelle Menschenrechte" in Nürnberg. Selbst wenn die Verstrickungen in Folter und Haft nicht beweisbar seien, so habe er sich doch trotz seiner damals hohen Ämter in Bahrain nicht davon distanziert, so beispielsweise die Anklage Pieths.

Ein Fall für den FIFA-Ethikcode? Mitnichten, findet die zuständige Kommission. Sie zieht sich auf die recht streitbare Argumentation zurück, dass sie eine technische und keine moralische Instanz sei, ergo Urteile nur auf der Basis handfester Beweise fällen könne. Für die Bewertung der Kandidaten sei letzten Endes am 26. Februar der Kongress zuständig.

Bahrainische Menschenrechtsaktivisten wenden sich an FIFA-Sponsoren

Am Donnerstagnachmittag hat nun BIRD einen Brief an die FIFA-Sponsoren Coca-Cola, McDonalds, Visa, Hyundai, Budweiser, Gazprom und Kia verschickt. In diesem führen die Aktivisten detailliert die Rolle des Scheichs während der 2011er Proteste auf, größtenteils basierend auf Berichten der staatlichen Nachrichtenagentur BNA. Zudem soll Salman sechs Vereine zwangssanktioniert haben, die sich aufgrund der instabilen Sicherheitslage weigerten, während der Proteste ihre Liga-Partien auszutragen. Ebenfalls schwer attackiert werden Scheich Khalid bin Abdullah Al Khalifa, damals Vorsitzender das bahrainischen Olympischen Komitees, und Hisham al-Jowder, Präsident des Ministeriums für Sport und Jugend. Der Brief wurde auch an die FIFA-Ethikkommission und den UN-Menschenrechtsbeauftragten Professor John Ruggie, der den Weltverband seit Ende 2015 berät, verschickt.

Inzwischen hat sich auch Nicholas McGeehan von der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) zu Wort gemeldet. "Die FIFA geht durch die schwerste Krise ihrer Geschichte. Es wäre institutioneller Selbstmord, wenn dieser Verband nun einen Präsidenten bekäme, der offenbar Klubs bestraft hat dafür, dass sie sich nicht mit einem mörderischen Regime solidarisiert haben", teilte der HRW-Golfstaaten-Beauftrage mit.

Salman ist bislang Favorit auf den FIFA-Thron. Aber er ist ein Favorit mit vielen Fragezeichen.

Benni Hofmann

22.01.16
 

kicker-sportmagazin

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