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28.05.2015, 01:12

Pressekonferenz der US-Behörden in New York

Lynch: "Sie haben den Fußball korrumpiert"

Kurz vor dem Auftakt des FIFA-Kongresses versinkt der Fußball-Weltverband in Chaos. Nach langjährigen Ermittlungen in den USA wurden am Mittwochmorgen durch die Schweizer Behörden sieben FIFA-Funktionäre verhaftet. Auf einer Pressekonferenz bestätigte US-Justizministerin Loretta Lynch, dass gegen insgesamt 14 Verdächtige wegen 47 Beschuldigungen von Formen organisierter Kriminalität wie Betrug, Geldwäsche und Steuerhinterziehung ermittelt werde.

Loretta Lynch und James Comey
Die US-Justizministerin Loretta Lynch und FBI-Chef James Comey am Mittwoch in New York.
© picture allianceZoomansicht

"Sie haben das weltweite Fußballgeschäft korrumpiert, um sich selbst zu bereichern", sagte Lynch am Mittwoch in New York. Laut Lynch lasse sich Korruption seit 1991, also seit 24 Jahren nachweisen. "Sie haben es immer und immer wieder gemacht. Jahr um Jahr, Turnier um Turnier", sagte Lynch.

So seien im Zuge der Vergabe der "Copa America Centenario", die aus Anlass des 100. Geburtstages der Südamerika-Meisterschaft im kommenden Jahr in den USA stattfinden wird, rund 110 Millionen Dollar (101 Millionen Euro) an Bestechungsgeldern geflossen. Auch die Vergabe der WM an Südafrika im Jahr 2010, mit der erstmals eine WM auf afrikanischen Boden stattfand, sei durch kriminelle Energie beschädigt worden. Insgesamt seien seit Anfang der 90er Jahre über 150 Millionen Euro an die beschuldigten Funktionäre geflossen.

Sie haben es immer und immer wieder gemacht. Jahr um Jahr, Turnier um Turnier.US-Justizministerin Loretta Lynch

In Bezug auf die Weltmeisterschaften in Russland 2018 und Katar 2022 sagte Lynch, die FIFA müsse "tief in ihre Seele blicken". Die amerikanischen Behörden seien mit diesem Thema aber nicht befasst. Wie Lynch ausführte, sei auch das Hauptquartier des nord- und mittelamerikanischen Fußball-Verbands (CONCACAF) in Miami (Florida) durchsucht worden.

US-Behörden wollen Fußball von Korruption säubern

Laut Lynch seien sechs der 14 Festgesetzten geständig. Namen nannte sie aber mit Hinweis auf die laufenden Ermittlungen nicht. "Wir können keine spezifischen Angaben zu einzelnen Verdächtigen machen" sagte Lynch. Richard Weber, Chef der US-amerikanischen Bundessteuerbehörde bestätigte lediglich, dass der ehemalige FIFA-Funktionär Charles Blazer gestanden habe, "sich persönlich bereichert und Bestechungsgelder angenommen" zu haben. Blazer, gegen den seit längerer Zeit wegen Erpressung, Geldwäsche und Steuerhinterziehung ermittelt wird, stellte sich den US-Behörden als Kronzeuge zur Verfügung, seine Aussagen spielten in den Ermittlungen eine wichtige Rolle.

Den Festgenommen soll in den USA ein fairer Prozess gemacht werden. Alle Angeklagten hätten das US-Finanzsystem für ihre Zwecke missbraucht und amerikanische Gesetze gebrochen. "Was sie gemein hatten, war die Gier", sagte der New Yorker Staatsanwalt Kelly Currie. Laut Lynch drohen im Falle einer Verurteilung bis zu 20 Jahren Haft. Dies sei die Höchststrafe in solchen Fällen von organisierter Kriminalität, bestätigte die US-Justizministerin.

Allerdings haben sechs der sieben in der Schweiz festgenommenen Funktionäre angekündigt, sich gegen eine Auslieferung in die USA rechtlich zur Wehr setzen zu wollen. Das teilte das Schweizer Bundesamt für Justiz am Mittwochabend mit. Einer der Festgenommenen habe aber kooperiert und sich für eine sogenannte vereinfachte Auslieferung entschieden. Im Falle einer Bewilligung könne er "umgehend den US-Behörden übergeben werden". In den anderen Fällen müssen nun formelle Auslieferungsverfahren eingeleitet werden.

Currie wie auch der FBI-Chef James Comey deuteten an, dass die derzeitigen Aktionen nicht das Ende der Ermittlungen darstellen. "Wir zeigen der FIFA die Rote Karte. Wir wollen den Fußball von der Korruption säubern", sagte Comey. "Weitere Individuen und Einrichtungen in zahlreichen Ländern" würden laut Curri noch überprüft. Die Anklageschrift des Justizministeriums verweist auf 25 namentlich nicht genannte Mitverschwörer. Auch Lynch kündigte an, den Kampf gegen die Korruption im Fußball "rigoros" fortführen zu wollen.

Das betrifft auch Jack Warner, der ebenfalls im Fokus der Fahnder steht. Der frühere FIFA-Vizepräsident Jack Warner wurde in seiner Heimat Trinidad und Tobago von der Polizei gestellt, soll aber bald gegen die Zahlung einer Kaution in Höhe von 2,5 Millionen Dollar auf freien Fuß gesetzt werden. Das berichten örtliche Medien am Mittwoch. Warner müsse auch seinen Pass abgeben und sich zweimal pro Woche bei der Polizei melden. Der nächste Gerichtstermin findet im Juli statt. Zuvor hatte das US-Justizministerium die Auslieferung Warners beantragt. Die Ermittler werfen ihm organisierte Kriminalität, Korruption und Geldwäsche vor.

Russland übt scharfe Kritik an US-Justiz

Das Vorgehen der US-Justiz wird aber nicht überall mit Wohlwollen aufgenommen. So kam aus Russland scharfe Kritik: Die Festnahmen mehrerer Verdächtiger in der Schweiz seien eine "illegale Anwendung von US-Recht" außerhalb des US-Staatsgebiets, hießt es in einer Mitteilung des russischen Außenministeriums in Moskau. Russland forderte die USA auf, sich an internationale rechtliche Abläufe zu halten und den "illegalen, exterritorialen Gebrauch der US-Rechtsprechung" zu unterlassen.

UEFA fordert Verschiebung der FIFA-Präsidentenwahl

Unabhängig von völkerrechtlichen Aspekten, gerät die FIFA weiter unter Druck. So folgte am Abend der nächste Paukenschlag. Wie die UEFA bekannt gab, fordert sie die für Freitag geplante Präsidentenwahl beim Kongress des Weltverbandes FIFA zu verschieben. "Die UEFA ist der Meinung, dass der Kongress verschoben und die Wahl des Präsidenten innerhalb der nächsten sechs Monate stattfinden sollte", sagte UEFA-Generalsekretär Gianni Infantino in Warschau. Ob die FIFA dieser Forderung folgeleistet, das steht aber auf einem anderen Blatt Papier.

jer/dpa

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kicker.tv Hintergrund- 27.05., 18:52 Uhr
Die Fifa und ihr Präsident - "Getanzt hat er nicht"
Am Mittwoch wurde der Weltfußball-Verband FIFA von einem gewaltigen Skandal erschüttert. Neun hochrangige Funktionäre wurden verhaftet, die FIFA-Zentrale von Ermittlern durchsucht. Das wirft auch Fragen im Hinblick auf FIFA-Präsident Sepp Blatter, der aber nicht zu den Beschuldigten zählt. "Er ist heute kein glücklicher Mann", beschrieb Mediendirektor Walter de Gregorio die Gemütslage des Schweizers, der "aber er weiß, dass das die Konsequenz von dem ist, was wir initiiert haben".
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16 Leserkommentare

donArthuro
Beitrag melden
29.05.2015 | 14:18

@fandessvwilhelmshaven

Zitat:
Man kann sich nur wünschen, dass die Amis unseren Sport lieben lernen, denn die Sportarten, d[...]
Anyplaya
Beitrag melden
29.05.2015 | 12:34

Fußball ist nicht gleich FIFA

Zum Thema Fußball nimmt Schaden, etc.:

Das sehe ich kaum. Fußball hat meiner Ansicht nach weni[...]
fandessvwilhelmshaven
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29.05.2015 | 01:20

Und wieder müssen es die Amerikaner tun...

Nach dem Zweiten Weltkrieg haben sie (West-)Europa vor dem Kommunismus gerettet, nach dem Kalten Krieg [...]
HbzbE
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28.05.2015 | 17:31

mir fallen hierzu folgende Fragen ein:

wieso brauchen wir die amerikanischen Behörden, um das g[...]
Lerich
Beitrag melden
28.05.2015 | 11:32

Ja schon gut das die USA eigenmächtig, wie immer , Ermittlungen einleiten.
Die NSA und Co bieten bestim[...]

kicker

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