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27.05.2015, 20:08

Verdächtige gesperrt - Blatter und Valcke nicht verdächtigt

Vize-Präsidenten verhaftet - FIFA behält Programm bei

Verhaftungen in Zürich nach Ermittlungen von US-Behörden, ein weiteres Verfahren der Schweizer Bundesanwaltschaft wegen der WM-Vergaben 2018 und 2022: Kurz vor Beginn des FIFA-Kongresses wird der Weltverband schwer erschüttert. Die FIFA begrüße die Maßnahmen - auch wenn der Zeitpunkt natürlich nicht der beste sei, wie Walter De Gregorio in Zürich am Mittwoch erklärte. Weder FIFA-Präsident Joseph S. Blatter noch Generealsekretär Jerome Valcke werden bei den Ermittlungen verdächtigt, betonte der FIFA-Mediendirektor. Der Kongress werde wie geplant stattfinden.

Walter De Gregorio
Trat in Zürich vor die Presse: FIFA-Mediendirektor Walter De Gregorio.
© Getty ImagesZoomansicht

"Das Timing ist nicht das beste: Die Eröffnung des Strafverfahrens gleichzeitig mit dem FIFA-Kongress", räumte De Gregorio am Mittwoch in Zürich ein. Am geplanten Ablauf werde sich jedoch nichts ändern. "Natürlich wird der Kongress stattfinden, die eine Sache hat mit der anderen nichts zu tun. Wir machen weiter mit unserer Agenda, die Wahl findet wie geplant statt", erklärte De Gregorio, der erklärte, die FIFA sei von den Vorgängen am Mittwoch völlig überrascht worden.

Der Mediendirektor der FIFA stellte außerdem klar, dass die FIFA den Generalstaatsanwalt im November vergangenen Jahres gebeten habe, das Verfahren zu eröffnen. "Das ist gut für die FIFA. Es nicht gut für das Image, wegen des Rufes. Im Sinne der Transparenz, dass es bereinigt wird, ist es gut", sagte De Gregorio und hielt fest: "In diesem Kontext ist die FIFA die beschädigte Partei."

Schweizer Bundesanwaltschaft eröffnet Verfahren wegen WM-Vergaben

Die Schweizer Bundesanwaltschaft eröffnete wegen des Verdachts von Schmiergeldzahlungen und Geldwäsche im Zuge der WM-Vergaben 2018 und 2022 ein Verfahren gegen Unbekannt. Die Behörden stellten unter anderem am Mittwoch im FIFA-Hauptquartier in Zürich elektronische Daten und Dokumente sicher. Wie die Bundesanwaltschaft außerdem bestätigte, seien im Vorfeld auch bei Schweizer Banken im Zuge der Ermittlungen Unterlagen angefordert worden.

Die Festnahmen von sechs FIFA-Funktionären im Hotel "Baur au Lac" am frühen Morgen stehen damit in keinem Zusammenhang, es handelt sich um unterschiedliche Ermittlungen. Die Verhaftungen in Zürich wurden von der Kantonspolizei aufgrund eines Verfahrens in New York getätigt. Den Beschuldigten, die sich in Auslieferungshaft befinden, wird von US-Ermittlern Betrug, Erpressung und Geldwäsche vorgeworfen. Das Bundesamt für Justiz in Bern teilte mit, dass die Schweiz mehrere Konten gesperrt habe. Es handele sich um Bankverbindungen bei Schweizer Geldinstituten, über die mutmaßlich Bestechungsgelder geflossen seien. Auch Kontounterlagen seien beschlagnahmt worden.

US-Behörden ermitteln wegen organisierten Verbrechens und Korruption

Laut Schweizer Behörden geht es um Bestechungszahlungen von über 100 Millionen Dollar seit den 90er Jahren. Ein Sprecher des Schweizer Bundesamts für Justiz sagte, das Geld sei von Sportmedien- und Sportvermarktungsunternehmen gekommen. Als Gegenleistung hätten sie Medien-, Sponsoring- und Vermarktungsrechte an Fußball-Turnieren in den USA und Lateinamerika erhalten.

Das US-Justizministerium teilte mit, dass insgesamt 14 Personen wegen organisierten Verbrechens und Korruption beschuldigt werden. Zu den festgenommenen Funktionären gehören nach Behördenangaben neben FIFA-Vizepräsident Jeffrey Webb von den Kaimaninseln und dem FIFA-Vize Eugenio Figueredo aus Uruguay noch sieben aktuelle, frühere oder designierte Funktionäre des Weltverbands. Darunter sind das designierte FIFA-Exko-Mitglied Eduardo Li aus Costa Rica und der frühere FIFA-Vizepräsident Jack Warner aus Trinidad und Tobago. Darüber hinaus wurde auch das Hauptquartier des Kontinentalverbands CONCACAF in Miami durchsucht.

Das ist nicht das letzte Kapitel unserer Untersuchung.US-Staatsanwalt Kelly T. Currie

"Die heutige Mitteilung soll klar machen: Genug ist genug", sagte der zuständige Staatsanwalt Kelly T. Currie: "Der organisierte internationale Fußball braucht einen neuen Start - eine neue Chance für die Institutionen, um eine ehrliche Aufsicht und Unterstützung für einen Sport herzustellen, der auf der ganzen Welt geliebt wird. Und lassen sie mich eines klarstellen: Das ist nicht das letzte Kapitel unserer Untersuchung."

Kein Blatter-Rücktritt, keine WM-Neuvergabe

De Gregorio wollte Namen bei der Pressekonferenz nicht kommentieren. Er betonte allerdings, dass Blatter und Valcke bei den Ermittlungen gegen FIFA-Funktionäre in den USA und in der Schweiz nicht zu den verdächtigten Personen gehören. Forderungen nach einem Rücktritt von Blatter wies er zurück: "Warum soll er zurücktreten? Er wird nicht verdächtigt." Auch an den WM-Vergaben werde nicht gerüttelt: "Die Weltmeisterschaften 2018 und 2022 finden in Russland und Katar statt."

Blatter geht als großer Favorit in die Wahl für eine fünfte Amtszeit. Einziger Gegenkandidat ist Prinz Ali bin al-Hussein aus Jordanien, dem so gut wie keine Siegchancen eingeräumt werden. In einer ersten Reaktion sagte er am Mittwoch: "Heute ist ein trauriger Tag für den Fußball." Für eine detaillierte Bewertung der Vorfälle sei es aber noch zu früh.

Blatter selbst sei "recht entspannt", wie De Gregorio berichtete: "Er tanzt jetzt nicht in seinem Büro. Aber er ist ruhig und sieht, was passiert. Er ist kein glücklicher Mann im Moment - aber er weiß, dass das, was passiert, die Konsequenz von dem ist, was die FIFA angestrengt hat."

DFL-Präsident Dr. Reinhard Rauball fand indes klare Worte. "Die heute bekannt gewordenen Enthüllungen übersteigen jedes Maß an Vorstellungskraft", hieß es in einer Stellungnahme am Nachmittag: "Es wäre das absolut falsche Signal, wenn unter dem Eindruck dieser Entwicklungen die Agenda des FIFA-Kongresses wie geplant abgearbeitet würde. Man darf nicht einfach zur Tagesordnung übergehen."

Am Abend sperrte der Weltverband dann die sieben verhafteten Funktionäre für alle Aktivitäten im Fußball vorläufig. Neben Jeffrey Webb, Eugenio Figueredo, Eduardo Li, Julio Rocha, Costas Takkas, Rafael Esquivel und José Maria Marin, die von der Polizei in Zürich abgeführt worden waren, wurden auch Chuck Blazer, Nicolas Leoz sowie Jack und Daryll Warner ausgeschlossen.

ski/dpa/sid

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kicker.tv Hintergrund- 27.05., 14:10 Uhr
FIFA: Der Umgang mit dem Beben
Kurz vor Beginn des FIFA-Kongresses wird der Weltverband schwer erschüttert - hohe FIFA-Funktionäre wurden am Morgen festgenommen, es geht um die Annahme von bestechungsgeldern in Millionenhöhe. Die FIFA begrüße die Maßnahmen - auch wenn der Zeitpunkt natürlich nicht der beste sei, wie Walter De Gregorio in Zürich am Mittwoch erklärte. Weder FIFA-Präsident Joseph S. Blatter noch Generealsekretär Jerome Valcke werden bei den Ermittlungen verdächtigt, betonte der FIFA-Mediendirektor. Der Kongress werde wie geplant stattfinden.
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20 Leserkommentare

grampy
Beitrag melden
27.05.2015 | 20:54

Schreibt doch eine E-Mail an den DFB

Ich kann es schon lange nicht mehr ertragen, diese Korruption der FIFA.
Die Vergabe der WM an Kat[...]
ewald.mischau
Beitrag melden
27.05.2015 | 19:51

Korruption lang bekannt

Nun tun alle sehr empört!! die Korruption ist spätestens seit der WM in Südafrika bekannt, wenn nicht [...]
jay-bay
Beitrag melden
27.05.2015 | 18:30

Breitensport wird mit Dreck besudelt

Es ist einfach nur beschämend wie sich Spitzenfunktionäre auf dem Rücken des Engagements von tausenden [...]
Max-Freiwild
Beitrag melden
27.05.2015 | 18:30

Korrupte Geier

Mann sollt einmal komplett die ganze Führungsetage austauschen und zukünftig die Auswahlkriterien verschärfen [...]
TheSoulcollector
Beitrag melden
27.05.2015 | 16:53

Ob es wirklich was bringt muss man abwarten. Bei den ganzen Korruptionsvorwürfen sollte man aber nicht [...]

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