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09.07.2014, 06:08

Brasilien: Nach dem bitteren WM-Aus

Scolari bittet um Vergebung

So schnell wird man in Brasilien den 8. Juli 2014 nicht vergessen - es war der Tag des vielleicht größten Debakels der eigenen, sonst so ruhmreichen Fußballhistorie. Mit 1:7 wurde die Seleçao von einer wie entfesselt spielenden deutschen Mannschaft praktisch aus dem Stadion geschossen. Der Traum vom Hexacampeao, dem sechsten WM-Titel, fand ein jähes, trauriges und zuweilen verstörendes Ende.

Sieben auf einen Streich: Luiz Felipe Scolari.
Sieben auf einen Streich: Luiz Felipe Scolari.
© Getty ImagesZoomansicht

Irritiert war Argentiniens Nationaltrainer Alejandro Sabella, der sich auf der Presskonferenz für das bevorstehende zweite Halbfinale zwischen der Albiceleste und den Niederlanden zum deutschen Spiel äußerte und Deutschland als "echte Macht" betitelte. Dennoch sei "ein solches Ergebnis zwischen zwei großen Fußball-Nationen nicht normal", fügte er erstaunt an. "Unglaublich!"

Fassungslosigkeit hatte sich auch beim Gastgeber breit gemacht, der jedoch neidlos anerkannte, dass an diesem Abend gegen die DFB-Elf kein Kraut gewachsen war. Brasiliens Fußball-Ikone Pelé richtete seinen Blick gleich in die Zukunft und kündigte selbstbewusst an, dass "wir den Titel in Russland (WM 2018, Anm. der Redaktion) holen werden." Der 73-Jährige betonte, dass "Fußball eine Kiste voller Überraschungen ist" und "mit diesem Ergebnis keiner gerechnet hatte", um anschließend der Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw zu gratulieren.

Zunächst heißt es für den Rekordweltmeister aber, die eigenen Wunden zu lecken und sich anschließend auf Fehleranalyse zu begeben. Luiz Felipe Scolari sagte nach dem Spiel, dass es "die schlimmste Niederlage aller Zeiten" war und er die Schuld auf sich nehmen würden. "Das Ergebnis fällt auf mich zurück, ich bin der Verantwortliche", so der 65-Jährige, der das eigene Volk dann um Vergebung bat: "Bitte entschuldigt diese Niederlage!"

Kapitän Thiago Silva wurde schmerzlich vermisst

Er durfte nicht mitspielen und konnte am Ende nur noch trösten: Thiago Silva (re.).
Er durfte nicht mitspielen und konnte am Ende nur noch trösten: Thiago Silva (re.).
© Getty Images

Doch woran lag es? Ansatzpunkte gibt es viele: Klar, da wäre das Fehlen von Superstar Neymar, der vor allem offensiv Dreh- und Angelpunkt der Seleçao ist und als einer der wenige Spieler gilt, der Spielwitz und Überraschungsmoment ins Angriffsspiel bringt. Das erklärt aber nicht das teils hanebüchene Abwehrverhalten der Brasilianer, die in der Innenverteidigung auf Thiago Silva (Gelb-Sperre) verzichten mussten. Der Kapitän wurde schmerzlich vermisst und musste sich das Debakel hilflos von der Tribüne aus ansehen.

Seine ordnende Hand fehlte hinten, aber auch seine Führungsqualitäten - nach dem 0:2 hatte sich nämlich das Gefühl breit gemacht, die Brasilianer würden aufstecken. David Luiz konnte als Ersatzkapitän nicht überzeugen, war viel mit sich selbst beschäftigt, während sein Kompagnon in der Innenverteidigung, Dante, völlig von der Rolle war. Die deutsche Mannschaft nutzte das gnadenlos aus, stieß immer wieder in die weit klaffenden Lücken der gegnerischen Defensive und erteilte der Seleçao eine Lehrstunde in Sachen Fußball. Ob es mit Thiago Silva wirklich besser gelaufen wäre? Das bleibt mal dahingestellt, denn das 0:1 resultierte aus einem Standard heraus.

Möglich, dass der emotionale Druck, den auch der im Land so beliebte Scolari mit aufgebaut hat, unbedingt den Titel gewinnen zu müssen, zu groß war für die Gastgeber. "Ich weiß nicht, was die Spieler alles auf ihren Schultern getragen haben. Dafür war diese Mannschaft nicht erfahren genug. Sie sind emotional auseinandergebrochen", meint ZDF-Experte Oliver Kahn, für den das Fehlen von Thiago Silva aber auch ein wesentlicher Grund für das Debakel war: "Die Abwehr war ohne ihn ein aufgescheuchter Hühnerhaufen. Die deutsche Elf musste nur auf Fehler warten. Das Ergebnis hätte sogar höher ausfallen können."

kicker-Redakteur Jörd Wolfrum aus Belo Horizonte
Brasilien gegen die DFB-Elf in der Einzelkritik
Julio Cesar
Julio Cesar - kicker-Note 4

Klärte nach der Pause dreimal gut, in der 59. und 60. gegen Müller, einmal per Fuß nachdem der Bayer durchgebrochen war, einmal mit den Fingerspitzen beim Schuss des Münchners sowie dann in der 69. gegen den heranstürmenden Schürrle.
© Getty Images

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