Zur Loginbox springen Zur Navigation springen Zum Inhalt springen
Nicht registriert?
07.07.2014, 10:43

Der Schweizer Ex-Schiedsrichter im Interview

Meier: "Die Referees pfeifen viel zu großzügig"

Das Foul an Neymar wurde vom spanischen Schiedsrichter Carlos Velasco Carballo nicht geahndet. Das empört auch Ex-FIFA-Referee Urs Meier, der das Unglück kurioserweise prophezeit hatte. Im Interview mit dem kicker spricht er über die Leistungen der WM-Referees im Allgemeinen, deren Fehler - und über den Deutschen Felix Brych.

Schaut den Schiedsrichtern auf die Finger. Ex-Referee Urs Meier.
Schaut den Schiedsrichtern auf die Finger. Ex-Referee Urs Meier.
© imagoZoomansicht

kicker: Die Schiedsrichter sind wieder mal ins Gerede gekommen. Wie beurteilen Sie die Leistungen, Urs Meier?
Urs Meier (55): Die Referees pfeifen ganz einfach viel zu großzügig bei dieser WM. Dies gilt für alle Bereiche. Ob es sich um Foulspiel handelt oder um Schwalben, Reklamationen und Unsportlichkeiten - es passiert nichts von der Spielleitung. Es werden kaum persönliche Strafen ausgesprochen. Rudelbildung wird schon gar nicht sanktioniert.
kicker: Warum ist dies so? Sind die Unparteiischen von der FIFA-Kommission zu dieser Linie angehalten worden?
Meier: Es hat den Anschein, dass es Direktiven gegeben hat. Ich verstehe zwar nicht, warum dies so ist. Die Schiedsrichter sollten eigentlich zum Schutz der Spieler da sein und der übertriebenen Härte den Kampf ansagen.

kicker: Könnte das Neymar-Foul mit den ganzen Folgen der schweren Verletzung ein Umdenken bewirken?
Meier: Ich weiß nicht, ob es für diese WM nicht schon zu spät ist. Zwei Tage vor dem Neymar-Schock habe ich in die Schweiz in einem internen Schreiben diese Auffassung vertreten: Es muss wohl erst ein Knochenbruch eines großen und populären Spielers geschehen, damit etwas anders wird. Ich will damit sagen: Ich habe kommen sehen, was sich nun leider ereignet hat.
kicker: Was ist der Kardinalfehler der Schiedsrichter bei dieser WM?
Meier: Es werden den Spielern keine Grenzen aufgezeigt. Und die Profis merken schnell, dass sie sich mehr erlauben können. Sie testen ihre Grenzen aus und nehmen dann keine Rücksicht mehr. Es ist doch so: Wenn in meinem Dorf keine Geschwindigkeitskontrollen mehr existieren, dann verändere ich mein Fahrverhalten. Erst düse ich mit 100 Stundenkilometer durch das Dorf, dann fahre ich 120, schließlich 200, wenn nicht kontrolliert wird.

Brych ist auf einem guten Weg, einer der Spitzenleute zu werden.Urs Meier

kicker: Was auffällt bei den Unparteiischen: Früher galten die Exoten als Problemfälle. Nun versagen auch die Schiris aus den großen Nationen wie beispielsweise der Spanier Carballo. Wieso konnte dieser renommierte Schiedsrichter so scheitern?
Meier: Das Problem ist, dass er nicht so gepfiffen hat, wie er es aus der Primera División gewohnt ist. Normalerweise leitet er anders und bekommt dann keine Schwierigkeiten.
kicker: Was sagen Sie zur Leistung des Deutschen Dr. Felix Brych?
Meier: Er hat sich in Brasilien gut präsentiert, ist für mich auf einem guten Weg, einer der Spitzenleute zu werden. Es hat mich überrascht, dass er nach den zwei Einsätzen in der Vorrunde kein Spiel mehr bekommen hat. Ich hätte erwartet, dass er im Achtelfinale oder auch im Viertelfinale eingesetzt worden wäre. Auch der Argentinier durfte noch eine Partie der dritten Runde leiten. Die Gründe für Brychs Nichtnominierung kenne ich nicht.

kicker: Nun hat er keine Chance mehr. Oder?
Meier: Nein, da Deutschland im Halbfinale steht, wird er keinen Einsatz mehr bekommen.
kicker: Wer von den Unparteiischen hat Sie bislang überzeugt?
Meier: Es gab einige gute Leistungen. Wie immer ist das Leistungsgefälle sehr groß. Noch nicht alle Nominierten pfeifen auf einem guten Niveau. Am besten gefallen hat mir Howard Webb, der bei Brasilien gegen Chile eine herausragende Leistung geboten hat.
kicker: Bei aller Zustimmung für diese Wertung, doch auch Webb leitete nicht gerade konsequent.
Meier: Stimmt, zu Beginn ließ er ein, zwei Sachen ungestraft durchgehen, verhielt sich also auch gemäß den hier geltenden Richtlinien, die fragwürdig sind. Doch er hatte jederzeit das Spiel im Griff. Dank seiner Erfahrung, seiner Persönlichkeit und der Akzeptanz, die er sich seit Jahren bei den Spielern erarbeitet hat.

kicker: Wer pfiff sonst noch gut?
Meier: Der Holländer Kuipers, der Amerikaner Geiger, der Türke Cakir, auch der Italiener Rizzoli sowie der Argentinier Pitana und der Brasilianer Ricci.
kicker: Ihr Tipp: Wer wird das Finale leiten?
Meier: Einige fallen ja aus, weil ihre Länder noch im Wettbewerb sind. Schwer zu sagen.
kicker: Wird die FIFA dem Engländer Webb, der das Endspiel in Johannesburg pfeifen durfte, ein weiteres Mal einsetzen?
Meier: Das käme für mich überraschend. Ich glaube nicht.

INTERVIEW: HANS-GÜNTER KLEMM

Video zum Thema
kicker.tv Hintergrund- 06.07., 07:25 Uhr
Neymar: "Mein Traum ist noch nicht vorbei"
Die schwere Verletzung von Neymar und sein WM-Aus war ein schwerer Schock für Brasilien. Inzwischen ist der Superstar wieder bei seiner Familie angekommen und hat sich mit einer sehr emotionalen Videobotschaft an seine Fans gewandt.
Alle Videos in der ÜbersichtAlle Videos per RSS
 
Seite versenden
zum Thema

weitere Infos zu Meier

Vorname:Urs
Nachname:Meier
Verein:
Verband:...


DIE GANZE WELT DER KICKER APPS!
Informieren Sie sich über unser vielfältiges App Angebot:
Smart TV Tippspiel eMagazine kicker MeinVerein FußballQuiz GloryRun