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04.07.2014, 23:35

Frankreich verabschiedet sich erhobenen Hauptes

Adieu auf "höchstem Niveau"

Der Kalender wurde nicht auf den Kopf gestellt, es wurde nicht der magische Nachmittag im Maracana für die Equipe Tricolore. Durch das 0:1 gegen die DFB-Elf ist die WM für die Franzosen beendet, die aber schon in ersten Reaktionen klarmachten, dass sie die Heimreise erhobenen Hauptes antreten. Und das auch vollkommen zu Recht.


Aus Brasilien berichtet Jörg Wolfrum

"Enttäuschung, Frust und Traurigkeit": Doch Didier Deschamps ist auch stolz auf sein Team.
"Enttäuschung, Frust und Traurigkeit": Doch Didier Deschamps ist auch stolz auf sein Team.
© Getty ImagesZoomansicht

Den 19. November 2013, den Tag der WM-Qualifikation im Play-off-Rückspiel gegen die Ukraine hatte Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps am Tag vor dem Duell mit Deutschland als Wegmarke erwähnt, dort hätten die Bleus den Weg Richtung Zukunft eingeschlagen.

Am Samstag ist die Reise dorthin zunächst gestoppt worden, Mats Hummels ließ die Schranke runter für den TGV, das 1:0 des Dortmunders schickte Deschamps' Mannen zurück in die Garage. Tüfteln und Werkstatt ist angesagt bei der Grande Nation, der WM-Sieg von 1998 wird vorerst weiter der erste und einzige bleiben. "Deutschland hat eine Mannschaft mit großer Erfahrung, dennoch gab letztlich ein Standard den Ausschlag", resümierte Deschamps, der vor 16 Jahren als Kapitän den WM-Triumph in der Heimat eingefahren hatte.

Zwar "wissen wir, wo wir herkommen", so der Trainer: von zwei fußballerisch wie auch in der Außendarstellung verkorksten Turnieren 2010 und 2012, dennoch herrsche nun "Enttäuschung, Frust und Traurigkeit bei den Spielern und auch bei mir", so der 45-Jährige nach dem Ausscheiden. Er sei dennoch "stolz auf das Gezeigte", meinte der Trainer mit Blick auf das Spiel, aber auch das gesamte Turnier. "Wir gehen mit erhobenen Haupt nach Hause", sagte auch "Sechser" Yohan Cabaye.

Dennoch sei das Aus "hart", gab dessen offensives Pendant, Mathieu Valbuena, zu. Man habe eine tolle WM gespielt, gegen das erfahrenere Deutschland habe es aber auch an "Durchschlagskraft gefehlt. Wir haben alles versucht, aber es hat nicht gereicht", war der Profi von Olympique Marseille ehrlich.

Deschamps vermisst das fehlende Glück und die Routine

Erste Emotionen nach dem Aus: Varane, Debuchy, Mavuba und Valbuena (v.l.).
Erste Emotionen nach dem Aus: Varane, Debuchy, Mavuba und Valbuena (v.l.).
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Da lag er nahe bei seinem Coach: "Wir haben anfangs etwas schüchtern gespielt, uns dann aber Tormöglichkeiten erarbeitet", listete der Trainer auf. Und um Kritik vorzubeugen, sagte er: Es sei ja nicht gegen irgendwen gegangen, Deutschland immerhin, dennoch habe man nach dem Wechsel schon früh größeres Risiko gefahren. "Wir hatten in dieser Phase mit dem 0:2 gerechnet", auch weil er das defensive Mittelfeld preisgegeben habe, um durch den Wechsel von von Loic Remy für Cabaye mehr Druck auf den Gegner auszuüben. Doch der zweite deutsche Treffer fiel nicht, und "wir versuchten alles bis zum Schluss". Letztlich habe aber die Präzision gefehlt. Man habe viele Torchancen gehabt, und viele Situationen, die zu Chancen hätten führen können.

Karim Benzema sei da erwähnt: etwa gleich zu Beginn des Spiels mit seinem Schuss neben den Kasten, Antoine Griezmann kurz darauf, nach einer halben Stunde und toller Kombination über Griezmann konnte sich Manuel Neuer bei einem Schuss von Valbuena auszeichnen. Chancen waren schon vor der Pause dagewesen, nach dem Wechsel drang die Tricolore dann vor allem über links vehement, Blaise Matuidi zeichnete sich da aus, der ebenfalls an Neuer scheiterte wie ganz am Ende erneut Benzema - es sollte nicht sein an diesem Nachmittag im Maracana.

Insgesamt habe Glück, aber eben auch die Routine gefehlt, so Deschamps. Und letztere habe Deutschland nach zuletzt regelmäßigen Halbfinal-Teilnahmen bei großen Turnieren. Man könnte noch anführen: Den Bleus fehlte auch der entscheidende Punch, Spieler Valbuena war da etwas ehrlicher gewesen als sein Coach in der ersten Fehleranalyse.

Wir sind zwar auf dem Heimweg, aber ich habe hier viel Gutes gesehen.Didier Deschamps

Aber, würde Deschamps vermutlich entgegen, "weil unser Gegner ja höchste Qualität hatte". Doch was den Nationaltrainer trotz der anstehenden Heimreise freute: "So groß war der Unterschied zwischen beiden Teams nicht." Am Ende war es dann aber wie bei den legendären Halbfinal-Duellen 1982 und 1986: Deutschland ist weiter, Frankreich raus. "Doch wir machen weiter auf höchstem Niveau", erklärte der Ex-Profi, sein Team habe sich durch die dramatische Qualifikation gegen die Ukraine (0:2, 3:0) gefunden. "Ich bin stolz, was diese Jungs auf und neben dem Platz abgeliefert haben."

Da war er wieder, dieser Hinweis des in Ehren ergrauten Trainers, auf das gute Mannschaftsgefüge. Kein Vergleich ja auch, wie sich die Franzosen in Brasilien präsentierten: als gern gesehene Gäste mit durchaus auch französischem Chic, nicht nur was das Trikot anbelangt, sondern auch die Spielkultur. Und nicht etwa als zerstrittener, intern und nach außen pöbelnder Haufen wie noch bei der WM in Südafrika vor vier und der EM in Polen und der Ukraine vor zwei Jahren. Die "mentale Einstellung" habe daher einfach gestimmt. Deschamps war daher trotz des Ausscheidens optimistisch: "Wir sind zwar auf dem Heimweg, aber ich habe hier viel Gutes gesehen."

kicker-Redakteur Hans-Günter Klemm aus Rio de Janeiro
Frankreich in der Einzelkritik
Hugo Lloris
Hugo Lloris - kicker-Note 3

Gleich bei der ersten Chance bezwungen. Machtlos am Führungstor. Mitunter unsicher bei hohen Bällen, kaum geprüft.
© Getty Images

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weitere Infos zu Deschamps

Vorname:Didier
Nachname:Deschamps
Nation: Frankreich
Verein:Frankreich

Vereinsdaten

Teamname:Frankreich
Gründungsdatum:01.01.1919
Anschrift:Fédération Française de Football (FFF)
87, boulevard de Grenelle
75738 PARIS Cedex 15
Telefon: 00 33 - 1 - 44 31 73 00
Telefax: 00 33 - 1 - 44 31 73 73
Internet:http://www.fff.fr/

Vereinsdaten

Teamname:Deutschland
Gründungsdatum:01.01.1900
Anschrift:Deutscher Fußball-Bund (DFB)
Otto-Fleck-Schneise 6
Postfach 71 02 65
60492 Frankfurt am Main
Telefon: 0 69 - 6 78 80
Telefax: 0 69 - 6 78 82 66
Internet:http://www.dfb.de/