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04.07.2014, 12:34

Scolari: Kolumbien-Spiel "kein Krieg"

Brasiliens Nervenflattern: "Die Leute sagen dumme Sachen"

Wie steht es nur um das Nervenkostüm der Brasilianer? Eine ganze Nation macht sich darüber Gedanken. Nicht ohne Grund. Zuletzt beim Achtelfinalspiel gegen Chile hatte man ja beinahe meinen können, man schaut einer Selbsthilfegruppe bei der Bewältigung eines Traumas zu. Reicht die psychische Qualität der Seleçao für den WM-Titel? Thiago Silva verteidigte seine Tränen - und erhielt Rückendeckung von seinem Trainer.

Luiz Felipe Scolari, Regina Brandao (re.)
Arbeiteten schon im Vorfeld der WM zusammen: Luiz Felipe Scolari und Psychologin Regina Brandao.
© Getty ImagesZoomansicht


Aus Brasilien berichtet Mounir Zitouni

Die Fußballer Brasiliens hielten sich gegenseitig in den Armen, führten mal dramatisch aussehende, mal aufmunternde Einzelgespräche; sie blickten ernst, erschöpft oder befreit, und wer nicht anders konnte, der weinte einfach mal los. So wie Kapitän Thiago Silva, der sich vor dem Elfmeterschießen auf einen Ball gesetzt hatte, es vorzog, die Kollegen in Ruhe zu lassen statt moralisch aufzubauen und dann hemmungslos losheulte, als der Sieg perfekt war. Für dieses ungewöhnliche Verhalten musste der Kapitän einiges an Kritik einstecken, doch wenn ein ganzes Land nichts weiter als den Weltmeistertitel fordert, kann der Druck manchmal unmenschlich werden.

Druck? Scolari erinnert an Figo

Trainer Luiz Felipe Scolari verteidigte seinen Spieler: "Nehmen Sie Luis Figo. Den nahm ich bei der EURO 2004 gegen England in der zweiten Halbzeit aus dem Spiel. Er blieb in der Kabine auch während des Elfmeterschießens. Er betete dort für unseren Erfolg, kam auch später nicht raus. Keiner hatte das mitgekriegt, aber das muss man respektieren. Menschen verhalten sich unterschiedlich."

Doch mittlerweile stellt sich neben der Frage, ob die Seleçao die sportliche Qualität für den WM-Titel hat, vor allem die Frage: Hat sie auch die psychische Qualität? "Es sind K.o.-Spiele", sagt Trainer Scolari. "Die Spieler wissen das." Doch nicht ohne Grund arbeitet Scolari auch mit der Psychologin Regina Brandao zusammen, die sich regelmäßig mit den Trainern und Akteuren austauscht. "Die Spieler mögen es. Das ist nichts Außergewöhnliches, sondern alles so, wie es geplant war", sagte Scolari.

Thiago Silva wollte auf den Vorwurf, das Team sei nervlich angeschlagen, nicht eingehen. "Das Team ist sehr ruhig und motiviert. Mir ist es egal, was die Leute denken. Die kennen mich nicht. Die sagen dumme Sachen. Wichtig ist, was mein Trainer sagt, die Menschen hier bei der Nationalelf. Ich muss nur daran denken, wie ich meine Arbeit hier mache. Ich bin emotional, aber das ist ganz natürlich", sagte er am Donnerstag in Fortaleza. "Was soll ich mich damit beschäftigen. Ich habe schwere Zeiten in meinem Leben gehabt, war an Tuberkulose erkrankt. Was zählt ist das, was auf dem Platz passiert, da habe ich Verantwortung", so der Kapitän.

Das ist kein Krieg. Unsere Kriege finden gegen Argentinien, Uruguay und Chile statt.Luiz Felipe Scolari über Kolumbien

Gegen Kolumbien erwartet der Abwehrspieler "ein schweres Spiel". Denn die Kolumbianer "ähneln uns Brasilianern, sie haben die gleiche Schule, spielen einen technisch guten Fußball, positionieren sich bestens und stehen kompakt in der Abwehr." Auch sein Trainer hat großen Respekt. "Sie haben ein besseres Team als Chile. Ich mag es, wie sie spielen. Sie haben eine große taktische Disziplin, aber auch eine hohe technische Qualität. So wie wir auch. Es wird ein großes Fußballspiel."

Vor allzu großer Aggressivität ist Scolari nicht bange. "Das ist kein Krieg. Unsere Kriege finden gegen Argentinien, Uruguay und Chile statt. Das ist ein Unterschied. Gegen Kolumbien sind es immer schöne Spiele gewesen, da gibt es nicht diese Rivalität", betonte der brasilianische Coach. Für den gelbgesperrten Luiz Gustavo könnte am heutigen Freitag (22 Uhr MESZ) Henrique vom SSC Neapel auflaufen. Scolari meinte: "Er ist eine Option im defensiven Mittelfeld." Doch auch der Münchner Dante könnte spielen, für ihn würde dann David Luiz auf die Position im Mittelfeld rücken.

Video zum Thema
kicker.tv Hintergrund- 04.07., 13:29 Uhr
Brasiliens "Heulsusen" - Neymar spricht über seine Gefühle
Nach dem Achtelfinalsieg gegen Chile brachen viele brasilianische Spieler in Tränen aus und wurden in der Heimat als "Heulsusen" bezeichnet - der Druck ist groß im Gastgeberland. Ihre Titeltauglichkeit kann die Seleção am Freitag in Fortaleza gegen Kolumbien beweisen. Neymar weiß um die Stärken des Nachbarlandes: "James Rodriguez, wir hoffen seinen guten Lauf zu beenden." Seit zwölf Jahren und 39 Partien sind die Brasilianer im eigenen Land ungeschlagen, das soll sich gegen Kolumbien nicht ändern.
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weitere Infos zu Scolari

Vorname:Luiz Felipe
Nachname:Scolari
Nation: Brasilien

Vereinsdaten

Teamname:Brasilien
Gründungsdatum:01.01.1914
Anschrift:Confederação Brasileira de Futebol (CBF)
Avenida Luis Carlos Prestes 130
Barra da Tijuca
Rio de Janeiro 22775-055
Telefon: 00 55 - 21 - 3572 - 1900
Telefax: 00 55 - 21 - 3572 - 1989
Internet:http://www.cbf.com.br/

Vereinsdaten

Teamname:Kolumbien
Gründungsdatum:01.01.1924
Anschrift:Federación Colombiana de Fútbol,
Avenida 32
No. 16-22,
Piso 4"., Apdo aéreo 17602,
Santafé de Bogotá, D. C.
Telefon: 0057-1-2853320
Telefax: 0057-1-2889793
Internet:http://www.colfutbol.org/


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