Zur Loginbox springen Zur Navigation springen Zum Inhalt springen
Nicht registriert?
26.06.2014, 23:58

USA: Klinsmann zeigt keinen "Dive"

Jones hofft auf ein Wiedersehen mit Deutschland

Manchmal macht eben auch eine Niederlage so richtig Spaß, selbst dann, wenn man völlig durchnässt im strömenden Regen auf dem Rasen steht. Das US-Team jedenfalls genoss so richtig das Gefühl, viele Experten widerlegt zu haben. "Alle haben doch damit gerechnet, dass Deutschland und Portugal durchmarschieren", sagte Mittelfeld-Haudegen Jermaine Jones nach dem 0:1 in Recife, als sein Team trotz der ersten Niederlage bei der WM das Achtelfinale erreicht hatte. "Jetzt haben alle gesehen, was wir draufhaben."

Jermaine Jones gegen Toni Kroos
Zeigte wieder Kampfgeist und hofft auf ein Wiedersehen: Jermaine Jones.
© Getty ImagesZoomansicht


Aus Recife berichtet Oliver Bitter

Nun, ganz ehrlich gesagt: So richtig überzeugend aufgetrumpft hat die Mannschaft von Jürgen Klinsmann nicht in der Gruppenphase. Aber: Das Team mit dem starken deutschen Einschlag hat mit viel Herz gespielt, besonders beim Auftakt gegen Ghana, als die Mannschaft nach schneller Führung mächtig unter Druck geriet, aber kurz vor Schluss noch den entscheidenden Treffer zum 2:1 anbrachte. Ein Team ist das, das sehr geschlossen daherkommt und damit so manche spielerische Schwäche überdeckt.

Gegen Deutschland zog sich Klinsmanns Elf zunächst mal sehr weit zurück, stellte fast alle Offensiv-Bemühungen komplett ein und ließ den Gegner gewähren, was Klinsmann eigentlich so gar nicht schmeckte. "In den ersten 25 Minuten", resümierte der US-Coach, nachdem er nach Ende der Partie lange und intensiv mit dem alten Weggefährten Jogi Löw geplaudert hatte, "haben wir viel zu viel Respekt gezeigt".

Nur ganz wenige Tormöglichkeiten erarbeiteten sich die USA über 90 Minuten, wussten sich aber eigentlich jederzeit auf der sicheren Seite, Platz zwei zu behaupten. "Nach Ghanas 1:1 hätte es noch mal eng werden können, aber dann hätten wir schnell reagiert", versicherte Ex-Bundesliga-Profi Andreas Herzog, der ebenfalls zum Trainerteam der US-Equipe gehört. So war eigentlich fast immer klar, dass auch eine knappe Niederlage gegen Deutschland locker reichen würde, um die Runde der letzten 16 zu erreichen.

Ein Andenken ganz besonderer Art behält Jermaine Jones an diese Partie, in der er wie gewohnt fleißig rackerte und sehr robust seinen Körper einsetzte, letztlich aber glücklos spielte. Zunächst rannte der Ex-Schalker zudem noch Schiedsrichter Ravshan Irmatov über den Haufen, später rasselte er mit seinem eingewechselten Kollegen Alejandro Bedoya zusammen. Ein Treffen mit Folgen: Jones fürchtet, sich das Nasenbein gebrochen zu haben. Er musste lange behandelt werden, steckte gegen die alten Bundesliga-Kollegen aber natürlich nicht auf.

Klinsmann: "Wir müssen ruhiger am Ball werden"

Mit viel Esprit und Herz, weniger mit spielerischer Klasse überstanden die USA die Gruppenphase, und Klinsmann sprach sogleich nach der Partie schon über seine Freude auf die "Knockout-Runde". "Jetzt beginnt ein völlig neues Turnier, das wird etwas komplett anderes, diese Fokussierung auf nur einen Gegner." Sein Rück- und Ausblick: "Das ist schon ein toller Erfolg für uns, wir lernen und wachsen bei diesem Turnier", frohlockte Klinsmann. "Das ist ein sehr gutes Gefühl. Jetzt wollen wir den nächsten Schritt machen." Gleichzeitig aber mahnte er an, woran es seinem Team nicht nur im Vergleich gegen Deutschland fehlte: "Wir müssen ruhiger am Ball werden, den Gegner auch mal laufen lassen. Das hatten wir uns eigentlich schon gegen Deutschland vorgenommen, aber dann lief es doch andersrum."

Jürgen Klinsmann
Komplett nass, aber dennoch glücklich: US-Coach Jürgen Klinsmann.
© Getty ImagesZoomansicht

Angesprochen darauf, ob er im strömenden Regen in der Arena Pernambuco weit außerhalb von Recife denn nicht seinem alten Spitznamen als "Diver" Ehre machen wollte im freudigen Gefühl, das Achtelfinale erreicht zu haben, entgegnete Klinsmann: "Das wäre durchaus möglich gewesen. So richtig klatschnass war ich ja sowieso schon." Auch ohne "Jubel-Dive" genoss der Trainer den glücklichen Ausgang des brisanten Wiedersehens mit den Deutschen. Schließlich waren mit dem 0:1 auch alle Teile seiner Familie zufrieden: Deutscher Sieg, USA weitergekommen, da stimmte alles.

Und Jermaine Jones gab schon mal den Ausblick, wie lange er noch im Turnier zu bleiben gedenkt: "Die deutsche Mannschaft war richtig gut. Im Unterschied zu uns gehört sie ja auch zu den Top-Favoriten. Aber vielleicht sehen wir uns ja noch einmal im Turnier."

Weltmeisterschaft, 2014, 3. Spieltag
USA - Deutschland 0:1
USA - Deutschland 0:1
Regen in Recife I

Land unter in Recife: Schon Stunden vor dem Anpfiff schüttet es wie aus Kübeln.
© picture alliance

vorheriges Bild nächstes Bild
 
Seite versenden
zum Thema

weitere Infos zu J. Jones

Vorname:Jermaine
Nachname:Jones
Nation: Deutschland
  USA
Verein:Colorado Rapids
Geboren am:03.11.1981

weitere Infos zu Klinsmann

Vorname:Jürgen
Nachname:Klinsmann
Nation: Deutschland
Verein:USA