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14.06.2014, 01:00

Spanien: Historische Pleite gegen die Niederlande

Hört das Feuer der "Furia Roja" auf zu lodern?

"Humillación mundial" - das die gewählten Worte der spanischen Sportzeitung "Marca". Zu Deutsch: Weltmeisterliche Erniedrigung. Eine bessere Wortwahl kann nach diesem Spiel gegen die Niederlande nicht stattfinden - die spanischen Helden der jüngeren Zeit wurden gerade ab der zweiten Hälfte zu einer Horde von Statisten umfunktioniert. Die furiose Elftal um die Weltklassespieler Arjen Robben und Robin van Persie zerlegten die stets gefürchtete Passmaschinerie der "La Roja" in ein Häufchen Elend. Der Nimbus der goldenen Generation ist gebrochen!

Xavi Hernandez und Andres Iniesta
Zwei Weltgrößen des Fußballs, die an diesem Abend verstummten: Xavi Hernandez und Andres Iniesta.
© Getty ImagesZoomansicht

1:5! Gerade letztere Zahl werden die Iberer so schnell nicht mehr vergessen können. Der amtierende Weltmeister wurde wahrlich gedemütigt - und zwar von dem Gegner, der noch im WM-Finale 2010 mit 1:0 nach Verlängerung besiegt worden war. Klar, dass die Weltpresse kein Pardon kannte: Während der englische "Mirror" schlicht "Erniedrigte Weltmeister" formulierte, beleuchtete der "Guardian" die gesamte Partie im Kontext des Turniers, nannte das 5:1 der Niederländer einen "WM-Schock".

Das italienische Sportblatt "La Gazzetta dello Sport" glaubte in der Schmach gar mehr zu erkennen - und zwar den "Fall des Weltmeister". Ein Blick auf die letzten Großturniere genügt, schon zeigt sich dafür Futter: Die spanische Nationalmannschaft gewann 2008 in Österreich und der Schweiz die Europameisterschaft, kassierte dabei insgesamt (!) drei Gegentore. Vier Jahre später sprang ebenfalls der EM-Titel heraus, mit lediglich einem Gegentreffer. Und 2010? Hier bugsierten die Gegner bei der WM nur zweimal das Leder hinter die anvisierte Torlinie.

Klar, dass auch Nationaltrainer Vicente del Bosque nach dieser Deklassierung auf große Ausreden verzichtete: "Wir waren in der ersten Halbzeit besser, sie in der zweiten. Wir haben gerade hier zu viele Fehler gemacht." Außerdem erkannte der 63-Jährige, dass sich die gegnerische Elftal pro erzieltem Tor "von der Euphorie tragen" ließ. Sein Plädoyer schloss der Coach mit klaren Worten: "Wir haben uns selbst in diese Situation gebracht."

Negativpremiere seit 1950

WM-Tabellenrechner

Wohl niemand erwog in der Halbzeitpause ein solches Szenario: "La Roja" führte durch einen akut fragwürdigen Elfmeter durch Schütze Xabi Alonso nicht unverdient (27.), lud aber kurz vor dem Ende der 45 Minuten durch einen Stellungsfehler von Gerard Piqué Stürmer van Persie zu einem Traum-Kopfballtor ein (44.). Nach Wiederbeginn zeichnete sich dann das Horrorszenario ab - mit einem kleinen Reinheitsfehler: Nach dem schönen Solo von Robben zum 2:1 (53.) erzielte Stefan de Vrij nach einem Freistoß das 3:1. Diesem Treffer war jedoch ein klares und von Schiedsrichter Nicola Rizzoli (Italien) nicht abgepfiffenes Foul von van Persie an Torhüter Iker Casillas vorhergegangen. Spätestens jetzt war der Bann gebrochen. Das vielzitierte und in der Vergangenheit zur Vollendung getriebene "Tiki-Taka" kam zu keinem Zeitpunkt mehr auf, Gefahrenherde um und im Strafraum von Oranje? Nahezu Fehlanzeige! Es folgten die finalen Genickschläge von van Persie zum 1:4, bei dem sich Casillas einen eklatanten Stoppfehler leistete, und zum 1:5 durch Robben.

Im Anschluss fehlten den Helden von einst die Worte. Der Torschütze im WM-Finale 2010, Andres Iniesta, meldete sich immerhin kurz - und passend: "Ich kann gar nicht viel sagen, wir müssen erst mal drüber nachdenken, was heute passiert ist." Casillas, mit dessem ersten Gegentreffer seine Serie von 476 WM-Minuten ohne einen Griff hinter sich endete, schlich derweil bedröppelt vom Feld. Besonders bittere Geschichtseinträge gingen mit der Schmach außerdem einher: Erstmals seit der WM 1950 kassierten die Iberer mehr als 3 Gegentore in einem WM-Spiel, dem damaligen 1:6 gegen Brasilien und der höchsten Niederlage der "La Roja" bei einer Weltmeisterschaft.

Doch der Titelverteidiger sollte nicht abgeschrieben werden, zumal sich eine kleine Paralle auftut: In Südafrika verlor Spanien damals ebenfalls das erste Spiel des Turniers, allerdings gab es dort nur eine knappe 0:1-Niederlage gegen die Schweiz um Trainer Ottmar Hitzfeld. In allem Schlechten liegt immer wieder etwas Gutes, bleibt nur abzuwarten wie viel.

Weltmeisterschaft, 2014, 1. Spieltag
Spanien - Niederlande 1:5
Spanien - Niederlande 1:5
Neuauflage

Schon am ersten Spieltag in der Gruppe B die Neuauflage des WM-Finals von 2010: Spanien gegen die Niederlande.
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14.06.14
 
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