
Silva ist der fünfte Minister, der in Brasilien in den vergangenen fünf Monaten wegen Korruptionsvorwürfen zurücktrat. Die meisten sprachen bis zum Schluss von "Verleumdung und Lügen". Noch am Sonntag hatte Präsidentin Dilma Rousseff ihrem seit 2006 amtierenden Sportminister nach einer turbulenten Woche den Rücken gestärkt. Am Ende sah aber wohl auch sie Silvas Ruf als zu beschädigt an. Immerhin hatte der 40-Jährige mit der Vorbereitung der WM 2014 und der Olympischen Spiele 2016 noch zwei Mammutaufgaben zu stemmen.
Nach Angaben des Polizisten Joao Dias Ferreira soll es im Sportministerium ein Schmiergeldsystem gegeben haben, bei dem rund 20 Prozent der Mittel für ein soziales Kinder-Sportprogramm veruntreut worden sein sollen. Minister Silva ließ seit zwei Wochen keine Gelegenheit aus, um sich zu wehren. "Wo sind die Beweise? Es hat nie welche gegeben und es wird auch nie welche geben. Ich werde meine Ehre verteidigen", sagte er vor Ausschüssen des Parlamentes und des Senates. Am Mittwoch wurde der Druck dann aber zu groß. "Die Wahrheit wird siegen", twitterte Silva Minuten nach seinem Rücktritt, der für Brasilien einen Imageschaden bedeutet.
Das Sportressort wurde übergangsweise vom Staatssekretär Waldemar Manoel Silva de Souza geleitet. Doch inzwischen ist ein fester Nachfolger gefunden: Der 55-jährige Abgeordnete und Journalist Aldo Rebelo, der als harter Kämpfer gegen die Korruption gilt, wurde von Staatspräsidentin Dilma Rousseff auf Silvas Posten gesetzt. Er ist wie sein Vorgänger Mitglied der Kommunistischen Partei Brasiliens (PCdoB). Zu seinen Aufgaben gehört es dem Vernehmen nach vor allem, zu hohe Forderungen des Fußball-Weltverbandes FIFA im Hinblick auf die WM 2014 abzuwehren. Rebelo sitzt seit 20 Jahren im brasilianischen Bundesparlament und ist als harter Verhandler bekannt. Er führte 2000 einen Untersuchungsausschuss, der etwaige Unregelmäßigkeiten zwischen dem mächtigen Fußballverband CBF und dem Sportausstatter Nike zu ergründen suchte.
Damals war das Verhältnis zwischen ihm und dem CBF-Präsidenten Ricardo Teixeira mehr als gespannt, nun soll es sich verbessert haben. "Auf dass Gott deine Wege erleuchte. Gute Arbeit!", gab sein Vorgänger Orlando Silva Rebelo via Twitter mit auf den Weg.
Damit sind die Gerüchte um Pelé endgültig vom Tisch. Vize-Präsident Michel Temer hatte die Spekulationen über den möglichen Silva-Nachfolger vor einigen Tagen bereits angeheizt: "Wenn es einen Ersatz geben sollte, dann ist klar, dass Pelé nicht nur ein Symbol, sondern auch ein großer Name ist." Der 71-jährige Jahrhundertfußballer war von 1995 bis 1998 schon mal Sportminister und ist derzeit WM-Ehrenbotschafter.
"Überall heißt es, England sei das Mutterland des Fußballs. Aber wir wollen und können zeigen, dass Brasilien die Kapitale ist", sagte Pelé dem kicker im großen Interview (Donnerstag-Ausgabe): "Zudem haben wir eine große Chance zu beweisen, dass wir ein solches Ereignis organisieren können."
Unabhängig vom Rücktritt Silvas hakt es bei der Organisation allerdings noch. Ob Streiks, bürokratische Hindernisse oder Unklarheiten in Sachen Finanzierung: In allen zwölf WM-Spielorten hinkt man bei den Baumaßnahmen hinterher. Am weitesten fortgeschritten ist die 70.000-Zuschauer-Arena in der Hauptstadt Brasilia, dort sind 40 Prozent der Bauarbeiten abgeschlossen.

In Sao Paulo, wo die Selecao am 12. Juni 2014 das Eröffnungsspiel bestreitet, sind die Arbeiten erst zu 15 Prozent fertig, in Natal und Curitiba hat man praktisch gerade erst begonnen. Die Ausgaben für Stadien- und Infrastrukturprojekte sowie den Ausbau diverser Flughäfen werden sich nach derzeitigem Stand auf elf Milliarden Euro belaufen - 25 Prozent mehr als im Januar 2010 veranschlagt worden waren. Die Ausgaben könnten angesichts der Verzögerungen weiter steigen. Neun der zwölf Stadien sollen bis Ende 2012 fertig werden - wenn alles nach Plan läuft. Auf die Veröffentlichung des Spielplans für den Confed-Cup 2013 hat die FIFA bislang wohlweislich verzichtet.
Stichwort Spielplan. Dass die Brasilianer, wenn überhaupt, nur das Finale im umgebauten Maracana bestreiten werden, sorgte für Unmut. Für die Selecao sind Gruppenspiele in Sao Paulo, Fortaleza und Brasilia vorgesehen, auch in der K.o.-Runde geht es nur ins Maracana, wenn das Endspiel erreicht wird. "Es ist einfach absurd", schimpfte Mario Zagallo, der 1958 und 1962 als Spieler, 1970 als Trainer Weltmeister wurde: "Rio steckt viel Geld in den Umbau des Maracana und die FIFA lässt uns nur ein Match darin spielen. Wissen die nicht, welche Bedeutung das Maracana für Brasilien hat?"
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