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17.06.2010, 13:40

Frankreich: Im "Bunker" brodelts

Gourcuff wird gemobbt - weil er gute Manieren hat

Sie stehen mit dem Rücken zur Wand. Jetzt schon, nach der ernüchternd farblosen Nullnummer gegen Uruguay und vor dem zweiten Spiel am heutigen Donnerstag gegen Mexiko, dringt der erste Hauch von Skepsis aus der Festung in Knysna. Dort, ganz im Süden von Südafrika, hat Frankreich sein Quartier gemacht. "Bunker" nennt es die französische Presse in bezeichnender Weise.

Frankreich: Yoann Gourcuff
Schwerer Stand: Yoann Gourcuff ist ein Opfer der Cliquenwirtschaft.
© imagoZoomansicht

Abgeschottet. Abgeschnitten von der Außenwelt. So wie Raymond Domenech es liebt. Strategisch wie ein Feldherr beliebt er seine Quartiere auszusuchen. So hielt er es bei der WM 2006 in der Trutzburg des Schlosses Aerzen, so hielt er es bei der EURO 2008 im Schweizer St. Denis. Und so sollte es auch im "Bunker" von Knysna sein.

Nichts sehen, nichts hören, nichts sprechen. Jetzt lüfteten einige seiner Spieler, wie es tatsächlich um die "Mär" der schönen, heilen Welt der "Equipe tricolore" steht. "Natürlich kriegen wir mit, was und worüber geschrieben wird", erklärte Florent Malouda, der überraschend aus der Startelf gegen Uruguay gestrichen worden war, weil er im Abschlusstraining einen Disput mit dem Trainer gehabt haben soll.

Die Stimmung in der Mannschaft ist nicht die beste!Florent Malouda

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"Die Stimmung in der Mannschaft ist nicht die beste", bestätigte der 30-jährige Offensivspieler des FC Chelsea quasi, was seit Jahren als offenes Geheimnis gilt: In der Mannschaft gibts Cliquen-Wirtschaft, Reibereien, Eifersüchteleien bis hin zum Mobbing. Der "Problemfall" des aktuellen Teams ist Yoann Gourcuff, der 23-jährige zentrale Mittelfeldspieler von Girondins Bordeaux. Er wird schräg angesehen, weil er wohlerzogen ist, gute Manieren an den Tag legt, gar ab und zu mal ein Buch liest, er seiner eigenen Wege geht und nicht stundenlang mit der Play-Station spielt. Also wird Druck ausgeübt. Gegen Gourcuff - oder für andere Spieler. Angeblich kam auf diesem Weg auch der gegen Uruguay auf der "Sechs" überzeugende Abou Diaby ins Team.

Aber Gourcuff bleibt in der "Equipe tricolore" immer ein heißes Eisen. So steht hinter seinem Einsatz gegen Mexiko wieder ein Fragezeichen. Kommt Malouda rein, rückt Ribery in die Zentrale. Eventuell ein Vorteil für Sturmspitze Anelka, der sich mit Gourcuff so gar nicht versteht. Aber vielleicht muss auch Anelka raus und wird durch Henry oder Gignac ersetzt.

17.06.10
 
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