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10.01.2010, 20:28

WM-Held Gary Lineker

Der Musterprofi mit dem Killerinstinkt

"Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach, und am Ende gewinnen die Deutschen." Gary Lineker muss es wissen. Schließlich verbaute das deutsche Team dem englischen Torjäger 1990 in Italien - wenn auch erst im Elfmeterschießen - den Traum vom WM-Finale. In der Form seines Lebens befand sich der Musterprofi, der in seiner langen Profikarriere keine einzige Gelbe Karte sah, vier Jahre vorher bei der WM in Mexiko.

Gary Lineker trifft gegen Paraguay
Gary Lineker dreht jubelnd ab. Gegen Paraguay erzielte er 1986 zwei Tore.
© imagoZoomansicht

Nach acht Jahren bei seinem Heimatklub Leicester City war Lineker 1985 zum FC Everton gewechselt, nachdem er 1984 gegen Schottland sein Debüt in der englischen Nationalmannschaft gegeben hatte. Mit der Empfehlung von 38 Toren in 52 Pflichtspielen für die Toffees reiste der damals 25-Jährige nach Mexiko, wo er gemeinsam mit Peter Beardsley den Angriff der "Three Lions" bildete. Nach durchwachsenem Start mit dem 0:1 gegen Portugal und dem 0:0 gegen Marokko schlug Linekers große Stunde im letzten Gruppenspiel gegen Polen. Eine Partie, die der Stürmer später als das Highlight seiner beiden WM-Endrunden bezeichnete. Beim 3:0-Erfolg in Monterrey erzielte er in der ersten Hälfte binnen 27 Minuten alle drei Treffer (8./13./35.). Ein lupenreiner Hattrick. England stand im Achtelfinale. Dort ging die Lineker-Show mit zwei Toren beim 3:0 gegen Paraguay weiter.

Maradona zerstört Englands Träume

Am 22. Juni 1986 kam es im Azteken-Stadion von Mexiko City dann zum Duell mit Argentinien. Die Stimmung war nach Falklandkrieg vier Jahre zuvor aufgeheizt. Mit der "Hand Gottes" und seinem legendären Sololauf brachte Diego Maradona die Argentinier mit 2:0 in Führung. Linekers Anschlusstor kam zu spät. Endstation Viertelfinale.

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Torschützenkönig 1986
WM-Held Lineker
Lineker gegen Polen
Der Durchbruch

Gary Lineker zieht ab. Bei der WM 1986 feierte der Torjäger des FC Everton seinen Durchbruch auf internationaler Bühne. Nach schwachem Auftakt war der Druck vor dem abschließenden Gruppenspiel gegen Polen groß...
© picture alliance

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War das Turnier für England auch früh beendet, so konnte sich Linekers persönliche Bilanz doch sehen lassen: Mit sechs Toren wurde er WM-Torschützenkönig - als bis heute einziger Engländer. Mit seinen starken Leistungen machte Lineker zudem den FC Barcelona auf sich aufmerksam, der ihn zur neuen Saison ins Camp Nou holte. Auch dort avancierte der Brite schnell zum gefeierten Publikumsliebling. Drei Treffer beim 3:2-Erfolg im "Classico" gegen Real Madrid - genau so wird man zum katalanischen Volkshelden. Lineker erzielte in 41 Spielen 21 Tore für Barca, mit dem er 1989 den Europapokal der Pokalsieger gewann. Es folgte die Rückkehr nach England zu Tottenham Hotspur. Im Trikot der Spurs wurde Lineker wie schon bei Leicester und Everton Torschützenkönig der altehrwürdigen First Division.

Der Beginn des Traumas

1990. WM in Italien. Lineker bricht sich bereits im ersten Spiel eine Rippe, hält jedoch das komplette Turnier durch. Unter der Führung von Coach Bobby Robson zieht das wohl stärkste englische Nationalteam seit 1970 ins Halbfinale ein. In der Runde der letzten Acht wackeln die "Three Lions" gegen Außenseiter Kamerun allerdings bedenklich. Erst zwei Elfmeter von Lineker stellen den 3:2-Sieg nach Verlängerung sicher. In der Vorschlussrunde wartet Deutschland. Lineker gleicht Brehmes Führung zwar aus, doch im Elfmeterschießen jagt Waddle den Ball in den Nachthimmel, England ist draußen und hat fortan ein Elfmetertrauma.

Die größte Enttäuschung in der Karriere des Gary Lineker, dem der ganz große Erfolg bei einer WM damit verwehrt blieb. Auf dem Platz blieb der Angreifer, der nach dem Turnier von der FIFA die Fair-Play-Auszeichnung erhielt, ein wahrer Gentleman - eine Gelbe Karte sieht er auch in den letzten vier Jahren seiner Karriere nicht, die 1994 in Japan bei Nagoya Grampus Eight endet.

Rekordhalter Lineker

Mit zehn Treffern (in zwölf WM-Partien) ist Lineker bis heute der erfolgreichste englische Torschütze bei Weltmeisterschaften. Eine weitere Bestmarke verpasste er knapp: Bei seinem letzten Länderspiel während der EM 1992 gegen Gastgeber Schweden holte Nationaltrainer Graham Taylor den Angreifer früh vom Platz und zog sich damit nicht nur den Unmut Linekers zu, der ihn bei seiner Auswechslung keines Blickes würdigte. Der damals 31-Jährige hatte somit keine Gelegenheit mehr, den einen Treffer zu erzielen, durch den er mit Englands Rekordtorschützen Bobby Charlton gleichgezogen hätte. Mit 48 Toren in 80 Länderspielen ist Lineker somit zweitbester Torschütze in der Geschichte der englischen Nationalmannschaft.

Nach seiner sportlichen Laufbahn schlug Lineker eine überaus erfolgreiche Karriere als Fernsehmoderator ein. Inzwischen ist er das Gesicht der Sportberichterstattung der BBC.

10.01.10
 
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