Passarella , "El gran capitan", der große Kapitän, führte die argentinische Nationalmannschaft während der Weltmeisterschaft 1978 durch das Turnier und dirigierte die von Trainer-Legende César Luis Menotti gecoachte Mannschaft bis zum maximalen Erfolg.
Der nur 1,73 Meter große Daniel Passarella war ein Verteidiger der Luxusklasse, der die Farben seines Landes bei insgesamt drei Weltmeisterschaften verteidigte. Sprunggewaltig, zweikampfstark, mit Übersicht ausgestattet, schnell und zudem noch extrem torgefährlich. Beim WM-Turnier im eigenen Land ging der Stern des in Chacabuco, in der Provinz Buenos Aires, geborenen Abwehrmannes richtig auf - es war der Beginn seiner großen internationalen Karriere.
Sein Mentor Menotti wurde früh auf Passarella aufmerksam. 1976 berief er das Talent von River Plate erstmals in die Nationalelf, 1977, Passarella war erst 24 Jahre alt, vertraute er ihm gar die Kapitänsbinde an. Sein Schützling sollte sich mehr als würdig erweisen! Der Druck, vor heimischem Publikum die Krone des Weltfußballs erstmals nach Argentinien zu holen, muss unglaublich gewesen sein. Die Erwartungen der Landsleute waren schon damals exzessiv, zudem hatte eine blutige Militärjunta die Führung im Land übernommen und forderte propagandistisch nichts weniger als den WM-Titel von den zumeist jungen Spielern.
Zusammen mit Keeper Ubaldo Fillol und dem Stürmerstar Mario Kempes hielt Passarella diesem Druck stand. Nach holprigem Start in die Vorrunde, zwei knappe 2:1-Siege über Frankreich - Passarella traf dabei gegen Platini und Co. per Strafstoß - und Ungarn folgte mit der 0:1-Pleite gegen Italien der Rückschlag. Als Tabellenzweiter ging es in die Zwischenrunde. Gegentore ließ der Abwehrorganisator Passarella, der in allen sieben Partien der WM zum Einsatz kam, nun keine mehr zu.
„Wenn man den Pokal bekommt, hat man keine bestimmten Eindrücke, es ist wie ein anhaltender Orgasmus. Entschuldigen Sie bitte diese vulgäre Ausdrucksweise, aber genau so ist es.“Passarella über den Augenblick, als ihm der WM-Pokal überreicht wurde.
In den drei Partien gegen die mit Kasperczak, Boniek und Lato angetretenen Polen, gegen den Erzrivalen Brasilien und Peru blieb das argentinische Tor eine Festung, die erst der Niederländer Nanninga im Endspiel wieder stürmen durfte. Am WM-Titel Argentiniens änderte dies jedoch nichts mehr. Passarella reckte als erster Argentinier den begehrten Pokal in den Himmel von Buenos Aires. Und zwar in dem Stadion, in dem er mit der Elf von River Plate aufzulaufen pflegte, dem Estadio Monumental.
Mit dem WM-Titel nahm Passarellas Karriere nun richtig Fahrt auf. Mit River Plate sammelte er Meisterschaft um Meisterschaft - erst die WM in Spanien brachte einen herben Dämpfer. Der Kapitän und das argentinische WM-Schiff, erstmals mit Diego Maradona an Bord, mussten in der Zwischenrunde die Segel streichen. Passarella gelangen dabei zwei weitere WM-Tore, doch gegen Brasiliens Traumelf um Zico und Socrates sowie den späteren Sieger Italien setzte es derbe Niederlagen.
Vier Jahre später hieß der Nationaltrainer nun nicht mehr Menotti, sondern Carlos Bilardo. Es kam zu Querelen, Passarella gab die Binde gezwungenermaßen ab und erlebte den Titelgewinn 1986 wegen Verletzungen nur von der Tribüne aus. Im Trainingsanzug und ohne einen Einsatz nahm er im Aztekenstadion von Mexiko seine zweite Siegermedaille entgegen, während diesmal Maradona den Pokal in Empfang nahm.
Seit 1982 verdiente Passarella in Italien als Legionär sein Geld, zunächst in Florenz, dann bei Inter Mailand, ehe er nach einer weiteren Spielzeit bei River, wieder vereint mit Menotti, 1989 seine Spielerkarriere beendete. Doch noch einmal kehrte er auf die WM-Bühne zurück! 1998 in Frankreich, inzwischen selber Nationaltrainer geworden, coachte er Argentinien bis ins Viertelfinale und schied nach einem Zaubertor von Dennis Bergkamp gegen Holland aus. Nach weiteren Trainerstationen in Uruguay, Italien, Mexiko und Brasilien wurde Passarella im Dezember 2009 zum Präsidenten seines Herzensklubs River Plate gewählt und versucht sich dort derzeit als Funktionär.
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