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05.01.2010, 15:30

WM-Helden: Geoff Hurst, England

Der Schütze des "Wembley-Tores"

30. Juli 1966, Wembley-Stadion, London. Das WM-Finale zwischen England und Deutschland geht nach Webers spätem Ausgleich beim Stand von 2:2 in die Verlängerung. Es läuft die 101. Minute, als Alan Ball das Leder in die Mitte bringt, wo Geoff Hurst den Ball annimmt und ihn aus sechs Metern aus der Drehung an die Unterkante der Querlatte des deutschen Tores jagt. Was dann passiert, geht in die Fußball-Geschichte ein.

Geoff Hurst erzielt das "Wembley-Tor"
Geoff Hurst (r.) hat abgezogen. Gleich trifft der Ball die Latte. Und dann?
© picture allianceZoomansicht

Von der Latte springt der Ball nach unten. Auf oder hinter die Linie? Auch Schiedsrichter Gottfriend Dienst ist sich nicht sicher und konsultiert seinen sowjetischen Linienrichter Tofik Bakhramov. Unterhalten können sich die beiden mangels sprachlicher Gemeinsamkeiten nicht, doch per Zeichensprache kommen sie zu dem Schluss: der Ball war drin, Tor für England, 3:2 für die Gastgeber. Eine Entscheidung, die unter Fußball-Fans seitdem für hitzige Diskussionen sorgt. Heute ist der Ausdruck "Wembley-Tor" fest im deutschen Fußball-Vokabular verankert.

Der Schütze des zumindest aus deutscher Sicht umstrittensten Treffers der WM-Geschichte (20 Jahre später sollten die Engländer im WM-Viertelfinale von Mexiko Leidtragende eines jenseits des Kanals ähnlich kontrovers diskutierten Tores werden) trägt sich in der letzten Minute endgültig in die Annalen ein: Nach einem langen Pass von Bobby Moore lief der von der weit aufgerückten deutschen Abwehr völlig allein gelassene Hurst auf das deutsche Tor zu und machte England mit seinem fulminanten Schuss zum 4:2 zum Weltmeister. Später gab Hurst zu, dass er den Ball eigentlich nur so weit wie möglich auf die Tribüne hatte jagen wollen, um die Zeit herunterlaufen zu lassen.

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Der Schütze des "Wembley-Tores"
WM-Held Geoff Hurst
Finale in Wembley: England gegen Deutschland
Das Finale von Wembley

Am 30. Juli 1966 stehen sich Gastgeber England und Deutschland im WM-Finale gegenüber. Mit dabei ist vor 98.000 Zuschauern im Wembley-Stadion auch Geoff Hurst (3.v.r.). Der Stürmer von West Ham war erst durch die Verletzung von Jimmy Greaves ins Team gerückt.
© picture alliance

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Die Szene, die zum entscheidenden Tor führte, lieferte der englischen Sportberichterstattung ihren berühmtesten Ausspruch, in Deutschland vergleichbar mit Herbert Zimmermanns legendärem "Aus dem Hintergrund müsste Rahn schießen?" beim WM-Sieg 1954. "Und hier kommt Hurst", rief BBC-Kommentator Kenneth Wolstenholme, der dann sah, dass einige Zuschauer bereits aufs Spielfeld rannten: "Some people are on the pitch, they think it's all over. It is now! It's four!" ["Einige Menschen sind auf dem Spielfeld. Sie denken es ist schon vorbei. Jetzt ist es das! Es sind vier!"] Ein Ausruf, den später sogar die Beatles in einem ihrer Songs verewigten.

Doch zurück zu Hurst. Der Stürmer von West Ham United hatte in der 18. Minute nach Freistoßflanke seines Vereinskollegen Bobby Moore (neben Martin Peters, dem Torschützen zum 2:1, der dritte Hammers-Akteur im Weltmeisterteam) schon das 0:1 von Helmut Haller ausgeglichen. Er ist bis heute der einzige Spieler, dem in einem WM-Finale drei Treffer gelangen.

Spielplan

Dabei war Hurst zu Beginn des Turniers nicht einmal erste Wahl im Sturm gewesen. Nationaltrainer Alf Ramsey vertraute Tottenhams Jimmy Greaves und Liverpools Roger Hunt. Doch Greaves verletzte sich im letzten Gruppenspiel gegen Frankreich am Schienbein. Die Chance für Hurst, der erst fünf Monate zuvor sein Debüt im Dress der "Three Lions" gegeben hatte. Und er nutzte sie.

Nach dem Siegtreffer im umkämpften Viertelfinale gegen Argentinien behielt er seinen Platz. Obwohl Greaves zum Endspiel wieder fit gewesen wäre und die englische Presse ihn unbedingt im Team sehen wollte, hielt Ramsey am 24-jährigen Hurst fest - und wurde belohnt. In seinem gerade einmal achten von insgesamt 49 Länderspielen für England sicherte sich der Angreifer, der 1998 von Queen Elizabeth II. zum Ritter geschlagen wurde, als WM-Held einen Platz in den Geschichtsbüchern. Dass sich der Titelgewinn für das Mutterland des Fußballs in vielerlei Hinsicht eher als Fluch, denn als Segen herausstellen sollte, steht auf einem anderen Blatt.

05.01.10
 
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