Die WM 1970 in Mexiko war das Turnier von Jairzinho. Der Stürmer des FC Botafogo, der im Dress der Nationalauswahl meist als Rechtsaußen ins Geschehen eingriff - kam, sah und traf in jedem der sechs Spiele, die Brasilien bis zum WM-Titel zu absolvieren hatte. Es sollte ein Rekord sein, der bis zum heutigen Tag Bestand hat.
Schon im ersten Auftritt gegen die damalige Tschechoslowakei wurde klar: Das damals 28-jährige Kraftpaket befand sich auf dem Gipfel seiner Schaffenskraft und war in der Höhe von Guadalajara, wo der spätere Weltmeister seine Gruppenspiele zu absolvieren hatte, nicht aufzuhalten.
Gleich zwei Treffer steuerte Jairzinho zum 4:1-Erfolg hinzu. Legendär dabei sein Tor, als er mehrere bedauernswerte Gegenspieler elegant austanzte und dann im Strafraum flach ins lange Eck verwandelte.
Gegen Englands Keeper Gordon Banks gelang ihm das goldene Tor zum 1:0, das britische Abwehrbollwerk hielt ihm nicht stand. Auch der rumänische Torhüter Raducanu musste Jairzinho gewähren lassen. Im Viertelfinale schockte er Peru mit dem entscheidenden 4:2, nachdem der junge Teofilo Cubillas den südamerikanischen Nachbarn in Schlagweite gebracht hatte.
Die Vorschlussrunde, der Gegner hieß Uruguay, kam auch nicht ohne ein Jairzinho-Tor aus, kurz vor dem Abpfiff gelang ihm das 3:1 für die von Mario Zagallo betreute Selecao.
Das Tüpfelchen auf dem i blieb dann dem Finalspiel gegen die vom "Jahrhundertspiel" gegen Deutschland kaum erholten Italiener vorbehalten. Zum absoluten Erfolg fehlte dem siebenfachen Torschützen nur der "Goldene Schuh" für den besten Schützen des Turniers - den nahm dann aber Gerd Müller in Empfang, der in Mexiko gleich zehn Treffer erzielte.
Jairzinho lieferte in Mexiko eine Show der Extraklasse ab und ragte so auch aus dem Star-Ensemble Brasiliens heraus. Pelé feierte seinen dritten WM-Triumph, Tostao, Rivelino, Carlos Alberto mit seinem Wundertor zum 4:1 im Endspiel - sie alle standen 1970 im Schatten des "Hurrikan", wie Jairzinho, der Sohn einer Trikotwäscherin des FC Botafogo , in Anlehnung an den Boxer Rubin Carter auch genannt wurde.
An das Niveau von Mexiko konnte Jairzinho in den Folgejahren nicht mehr anknüpfen. Verletzungen bremsten ihn aus, Formschwankungen häuften sich. Auf einer Europareise 1972 mit der Selecao machte er noch einmal auf sich aufmerksam, bei der WM 1974 in Deutschland reichte es noch zu Platz vier. Auf Vereinsebene glückte ihm noch mit Olympique Marseille eine Vizemeisterschaft in Frankreich, zurück in Brasilien gewann er mit Cruzeiro aus Belo Horizonte die Copa Libertadores.
Nach Tingeljahren durch Bolivien, Venezuela und Ecuador hängte er 1982 die Schuhe endgültig an den Nagel und wechselte ins Trainerlager über. Schlagzeilen machte Jairzinho noch zweimal über die Landesgrenzen Brasiliens hinaus. Erst als er einen 13-jährigen Jungen namens Ronaldo Nazario de Lima, den späteren Superstar Ronaldo, als Trainer von Sao Cristoval entdeckte, dann, als er erfolglos versuchte, Gabun zur WM 2006 zu coachen. Jairzinho lebt derzeit wieder in Rio de Janeiro
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